Neue Diebestour: Ehepaar aus Erbes-Büdesheim wird Opfer von "Homejacking"
03.09.2010 - ERBES-BÜDESHEIM
Von Thomas Ehlke
Glück im Unglück hatte ein Ehepaar aus Erbes-Büdesheim, das in der Nacht zum Freitag Opfer von „Homejacking“ wurden. Mit diesem Begriff wird in Polizeikreisen eine bestimmte Form von Einbruchsdiebstählen bezeichnet, bei der neu- und hochwertige Autos eine zentrale Rolle spielen. Täter sind professionelle Banden aus Osteuropa, die immer nach dem gleichen Muster vorgehen: Erspähen sie auf ihren nächtlichen Touren durch die Wohngebiete einen Wagen, der ihrem Beuteschema entspricht, brechen sie in das Haus ein, vor dem das Fahrzeug geparkt ist, suchen dort die Autoschlüssel.
Mehr Geld für unbeschädigte Autos
„Mit dem Schlüssel bleibt das Auto unbeschädigt und bringt den Dieben viel mehr Geld“, verdeutlicht Erster Polizeihauptkommissar Dirk Schindler von der Alzeyer Polizeiinspektion. Den Tätern geht es darum, die gestohlenen Wagen schnellstmöglich und ohne Schaden abzutransportieren. „In 99 Prozent aller Fälle landen diese Autos in Osteuropa, wo sie auf Automärkten vergleichsweise günstig angeboten werden“, weiß Schindler aus einschlägigen Berichten seiner Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Einbrecherbanden gehen eiskalt und im Zweifelsfall mit äußerster Brutalität vor. So nehmen sie durchaus in Kauf, dass die Bewohner der Häuser, in die sie einsteigen, zu Hause sind. Werden diese auf die Täter aufmerksam, dann schlagen die sie brutal nieder. „Nicht selten werden die Opfer dabei so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert und dort lange behandelt werden müssen“, so Schindler.
Insofern hatte das Paar aus Erbes-Büdesheim tatsächlich Glück, dass es den Einbruch körperlich unversehrt überstand. Was in der Nacht geschehen war, bemerkte man erst am Freitagmorgen gegen 5.50 Uhr nach dem Aufstehen. Das ganze Erdgeschoss war durchwühlt. Die Eindringlinge gelangten ins Haus, indem sie die Terrassentüre aufbohrten, während nebenan im Schlafzimmer die Bewohner friedlich schliefen. Im Haus erbeuteten sie Wertgegenstände, Papiere, Scheckkarten, Bargeld – und die Schlüssel des vor dem Haus geparkten Audi A5. Die Alzeyer Polizei geht davon aus, dass der rund 40 000 Euro teure Wagen nach dem gängigen Muster nach Osteuropa geschafft wird. „Diese Täterkreise haben Blanko-Papiere , mit denen sie im Handumdrehen gefälschte Fahrzeugdokumente anfertigen können“, erläutert Hauptkommissar Schindler. Bei den „Homejackern“ stünden Modelle wie BMW X5 oder Audi Q7 besonders hoch im Kurs, wie die Diebstahlstatistiken belegten.
