Von Annika Kaupe
Annika Kaupe berichtet über Essen in Irland
Als ich letzte Woche mein zirka 50. "toasted special" gegessen und gestern wohl erst zum dritten Mal Reis anstelle von Kartoffeln zum Dinner angeboten bekommen habe, kam ich auf die Idee, vom eher uninteressanten irischen Essen zu berichten. Etwa 50 Prozent der Gäste im Hotel erscheinen mir übergewichtig. Das fällt mir besonders auf, wenn ich Tee und Kaffee für die Hochzeitsgäste ausschenke. Im Moment stehen nämlich wieder viele Hochzeitsfeste an. Die Gewichtsprobleme der Leute hier verwundern mich nicht. Wenn man in Pubs oder Cafés die Speisekarte aufschlägt, gehören Sandwiches fast immer zur Auswahl. Meist sind diese mit Schinken, Hühnchen, Käse und viel Mayonaise bestückt. Auslandstagebuch Diesem Trend kann man nur schwer entgehen. Denn im Endeffekt stellen sich die eigentlich überteuerten Sandwiches als preiswert heraus. Serviert werden sie auf Weißbrot oder braunem Toastbrot aus Vollkornmehl, ungetoastet oder getoastet, meist zusammen mit Pommes Frites (auf Englisch "chips") und Salat. Im ungetoasteten Fall essen die Iren ihr Sandwich gerne auch mit Chips ("crisps"). Das von mir bereits erwähnte "toasted special" besteht aus Schinken, Käse, Tomaten und roten Zwiebeln und bietet eine schöne Alternative zu einem Hamburger. Es gibt nicht mehr und nicht weniger her, auch wenn ich gestehen muss, dass ich einst dem "toasted special" verfallen war. Am liebsten esse ich mein Sandwich zur Lunchzeit, also zum Mittag. Ebenso beliebt zum Lunch sind cremige Suppen. Fast täglich steht eine andere Art auf der Speisekarte. Die Gäste fragen nach der "soup of the day" (Tagessuppe), die bei uns im Hotel meist "vegetable" (Gemüsesuppe) ist - wahrscheinlich auch, weil sie am billigsten ist. Am häufigsten werden bei uns Kartoffel- und Lauchsuppe, Kartoffel- und Selleriesuppe, Pilzsuppe sowie Karottensuppe serviert. Dabei ist anzumerken, dass in jeder der genannten Suppen reichlich Kartoffeln und Butter enthalten sind. Kalorien sind also garantiert. Generell kommen in Irland viel zu viele Kohlenhydrate auf den Teller. Die Kartoffel ist quasi Grundnahrungsmittel. Wer sich an einen meiner früheren Artikel erinnert, weiß bereits über die einstige "Potato Famine" Bescheid. Damals verhungerten viele Iren, nachdem eine Fehlernte die Versorgung mit Kartoffeln verhinderte. Dieses Ereignis scheint sich bis heute in den Köpfen der Iren festgesetzt zu haben. Daher wird die Kartoffel in jeder Form und zu jedem Anlass zu sich genommen. Meist ist sie mit zusätzlichem Fett angereichert. So wird die Kartoffel in Form von Suppen, Pommes Frites oder "mash potatoes" verzehrt. Mash potatoe ist ein gutes Beispiel für die Kalorienfalle. Es handelt sich um Kartoffelbrei, der jedoch mit haufenweise Butter und Sahne verfeinert und anschließend mit reichlich Bratensoße gegessen wird. Amüsant und erschreckend zugleich ist es für mich, wenn ich in meiner Pause mit ansehen muss, wie einige meiner Kollegen weißes Toastbrot mit Butter beschmieren, ihre Pommes Frites dazwischenlegen und das Ganze dann herunterschlingen. Vitamine sind wohl Fehlanzeige. Wenn ich einem Gast ein garniertes Sandwich serviere, lässt dieser meist auch seinen Salat zurückgehen.
