Mord zwischen Schmorbraten und Zimteis
16.01.2012 - LAMPERTHEIM
Von Tommy Dietrich
LESUNG Krimi-Dinner mit Manfred Krämer im Bootshaus / Einblicke in die dunkle Welt der Skorpionin
„Ein Narr, wer eine schwarze Mamba kitzelt“, heißt es in Manfred Krämers neuestem Werk. Besonders teuer kommt einen der Fehler zu stehen, wenn es sich dabei um Anna-Sophia Barlow, die Protagonistin aus Krämers „Die Skorpionin“ handelt. Lampertheims Krimi-Schriftsteller Nummer eins hatte am Samstagabend zum Krimi-Dinner eingeladen und bot den anwesenden Gästen mit ausgewählten Buchausschnitten seines neuesten Werks einen unterhaltsamen Abend und gab Einblicke in die dunkle Welt der Skorpionin.
„Ich zeige die Vielschichtigkeit der Protagonistin und verzichte auf Schwarz-Weiß-Malerei. Die Zuhörer und Leser sollen selbst erschrecken, wenn sie sich bei der unbändigen Sympathie für eine eiskalte Frau ertappen, die einen bestialischen Mord begeht“, so der 55-Jährige in der Pause. „Ich möchte Rätsel schaffen und für das Schicksal einer Egomanin und Egozentrikerin interessieren.“
Zwischen den Menügängen aus Kartoffel-Sauerkraut-Strudel, Apfel-Schmorbraten und Zimteis, las der Schriftsteller zehn bis 15 Minuten aus einzelnen Kapiteln seines neuesten Werks „Die Skorpionin“ mit leichten Variationen und nahm sich anschließend Zeit, mit seinen Gästen persönlich zu plaudern. „Viele sind zum zweiten Mal hier“, freute sich der Autor.
Nach dem Prolog im Jahr 1992 und einem dramatischen Autounfall springt die Handlung ins Jahr 2007 in eine „fiktive, anonyme Stadt“ (Krämer), die an verschiedenen Stellen von Kurpfälzern und Badenern dennoch schnell ausfindig gemacht werden kann. Mit einem weiteren Sprung ins Jahr 2009 ins finale Kapitel des Abends beendete Krämer seine Lesung und ließ die Anwesenden im Unklaren über die Geschehnisse im Odenwälder Schloss Waldleiningen, welches seiner Hauptfigur, der Skorpionin, und ihrem vermeintlichen Opfer, Gernot Marks, als Liebesnest diente.
„Die Skorpionin ist ein ganz ernsthaftes Buch. Finster und dramatisch. Damit fällt es ein bisschen aus der Reihe“, so Krämer, der mit seinem eigenwilligen Ermittlerduo Tarzan und Solo die größten Erfolge feiern konnte. 5 000 Mal verkaufte sich der Kriminalroman „Spargelmord“ mit dem skurrilen Paar bisher und geht in die zweite Auflage. „Die Skorpionin“ ging seit Juni vergangenen Jahres erst 2 400 Mal über den Ladentisch. Für eine gelungene Mischung aus spannender Unterhaltung und genüsslichem Essen sorgte die Abschlussnummer von Krämer, der mit Trenchcoat und Schlapphut als desillusionierter und zynischer Polizist Jan-Philipp Mahlo seine ausgeklügelte und humorvolle Kurzgeschichte über das Ableben von Freddy wiedergab. „Ein Gag. Mahlo ist ein guter Cop, aber ein schräger, fieser Typ“, so Krämer über seine Kunstfigur.
Zum nächsten Krimi-Dinner im Bootshaus am 10. März plant der Autor sein neuesten Roman „Kohlemord“ zu präsentieren. Die Handlung erstreckt sich über den gesamten Rhein, von Rotterdam bis Mannheim, und findet im Großkraftwerk der badischen Stadt ihren Showdown. „Dann gibt es wieder richtig Action“, verspricht Krämer von seinem neuen Werk, in dem ein Disput sein Gespann Solo und Tarzan entzweien wird. Noch fehlen 100 Seiten, doch der Schriftsteller ist zuversichtlich. „Das Ding ist fertig.“
