Närrisches Familienfest: Mehr als 30 Zugnummern beim siebten Lindwurm
22.02.2012 - LAMPERTHEIM
Von Oliver Lohmann
FASTNACHTSUMZUG Mehr als 30 Zugnummern beim siebten Lindwurm / Keine Vorkommnisse
Natürlich ist Lampertheim nicht Mainz und der Fastnachtsumzug ein paar Nummern kleiner. Dennoch kann sich der erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufene närrische Lindwurm sehen lassen: Der siebte Umzug durch die Innenstadt lockte zahlreiche Lampertheimer an. Bei strahlendem Sonnenschein feierten einige Tausend die mehr als 30 Zugnummern.
Die Verantwortlichen des 1. Carneval-Club Rot-Weiß Lampertheim dürfen sich für den Umzug auf die Schulter klopfen. Denn die umfangreichen organisatorischen Vorbereitungen haben sich gelohnt. Viele kamen kostümiert zum Umzug, genossen das ausgelassene Treiben. Vor allem die kleinen Narren freuten sich über die vielen Sinneseindrücke und die ausgeworfenen Süßigkeiten. Margit Selb, langjährige Sitzungspräsidentin des 1. C.C. Rot-Weiß, kommentierte den Zug am Amtsgericht im wärmenden Hasenkostüm. Diesmal war nicht wie gewohnt Bürgermeister Erich Maier an ihrer Seite, sondern der belgische Fastnachtsprinz Keizer Geerd. Selb war sichtlich stolz über den Lindwurm, musste aber die Narren am Straßenrand immer wieder zum Klatschen auffordern. Beifall hatten die teilnehmenden Gruppen auch verdient - viel Mühe hat man sich gemacht, sowohl mit der eigenen Kostümierung als auch mit der Gestaltung der Wagen. Mehrere Wagen thematisierten das Thema Schulden.
Beginn und Ende des Lindwurms markierte der Veranstalter: Vorneweg liefen die Garden des Vereins, den Schlusspunkt setzte ein Teil des Elferrats gemeinsam mit dem Stadtprinzenpaar Rebecca I. und Frank I. Dazwischen waren vor allem närrische Lampertheimer. Erfreulicherweise waren auch die Bürstädter Sackschdaohogger mit von der Partie - die Mehrheit der Narren aus der Nachbarstadt ist traditionell beim Lorscher Lindwurm vertreten. Zum ersten Mal war der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Eich beim Lampertheimer Umzug. „Schön, dass ihr dabei seid“, betonte Margit Selb und genoss die Guggemusik der Rheinhessen wie alle anderen Zuschauer.
„Lambada Biedensandhexen“
Neu waren auch die „Lambada Biedensandhexen“ des Lampertheimer Karneval-Vereins 2008. Rund ein Dutzend gar schreckliche Hexen machten mit ihren Besen die Straßen unsicher. Für Musik sorgte auch der Katholische Kirchenmusikverein Lampertheim, der unter dem Banner des Nubbelaner Carneval-Vereins mitlief. Darüber hinaus gab es natürlich auch Musik aus Lautsprecherboxen. Besonders fetzig war sie bei der CDU, die mit einem großen Wagen vertreten war. Deren neuer Vorsitzender Christian Hartmann wollte offensichtlich gezielt die Jüngeren ansprechen. „Ist die Stadtkasse leer, muss ein Lottogewinn her“, stand auf dem Wagen. Selbstverständlich waren auch die Sozialdemokraten mit einem - natürlich - roten Wagen Teil des Lindwurms. Auf eine politische Aussage wurde allerdings verzichtet, Parteichef Karlheinz Horstfeld winkte mit weiteren Genossen dem närrischen Fußvolk zu.
Viel Mühe hatte sich das CGT des TV Lampertheim gemacht: Den Motivwagen des Drölferrats zierten zahlreiche Motive rund um die Eurokrise und der Satz „Schulden drücken schwer, ein Goldesel muss her“. Edinger Warenhaus hatte ein Backhäuschen auf einen Wagen gezimmert und mit Spargeltalern versehen. „Eurokrise in der Welt, Lampertheim backt sein eigenes Geld“ stand drauf. Unpolitisch waren die weiteren Motivwagen: Der SV Woischorle beispielsweise bekannte sich zu den Mannheimer Adlern, der MGV 1840 warb für sein „Queen“-Konzert im September.
Margit Selb schien zufrieden, sie meinte während des Zuges: „Ich bin hin und weg, was manche machen.“ Tatsächlich gab es eine Vielfalt an Kostümen und umgesetzten Ideen. Angesichts der politischen Motivwagen kann man sagen: Bitte mehr davon. Erfreulich ist, dass es keinerlei negative Vorkommnisse gab. „Das ist ein Familienfest in Lampertheim“, sagte Ronald Stein von der Polizei.
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