Sonntag, 05. Februar 2012 01:16 Uhr
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Lampertheimer Zeitung

Lampertheim 

"Mit Mut und Zivilcourage gegen Rechts"

27.02.2008 - LAMPERTHEIM

Familiennetzwerk Lampertheim veranstaltet Expertenvortrag zum Thema "Rechte Gewalt"

smi. LAMPERTHEIM Das Familiennetzwerk des Agenda-21-Arbeitskreises "Gesellschaft und soziale Gruppen" hatte am Montagabend zum Expertenvortrag "Rechte Gewalt" in den Sitzungssaal des Stadthauses eingeladen.

"Rechte Gewalt breitet sich aus wie ein Krebsgeschwür. Auch hier in Lampertheim ist ein gewisses Potenzial vorhanden", führte Bürgermeister Erich Maier kritisch in die Veranstaltung ein. Im Vergleich zu anderen Städten, wie beispielsweise Viernheim, ist die Spargelstadt von rechtsextrem motivierten Straftaten jedoch noch relativ unberührt: "In den vergangenen drei Jahren kam es in Lampertheim zu keinen Gewaltdelikten oder Körperverletzungen durch rechte Gruppierungen", berichtete Kriminalhauptkommissar Andreas Kumpf vom Kriminalpolizeilichen Staatsschutz der Polizeidirektion Bergstraße. Solche Zahlen seien jedoch mit Vorsicht zu genießen und oft sehr subjektiv. Der genaue Grund einer Körperverletzung ließe sich im Nachhinein oft nicht ausreichend klären. Dennoch: Fremd ist den Lampertheimern die Thematik keineswegs - Bürgermeister Maier erinnerte an den Brand des Asylbewerberwohnheims Anfang der 90er-Jahre oder die Demonstration Rechtsextremer im Oktober 2005. Vor der Landtagswahl sorgte die NPD mit dem Verteilen von so genannten "Schulhof-CDs" für Aufregen - auch Lampertheimer Schulen hatten die Parteimitglieder im Visier. "Diese Aktionen sind strafrechtlich nicht zu beanstanden. Für das Verteilen wird keine Sondererlaubnis benötigt. Wir haben bisher noch keine sinnvolle Lösung dieses Problems gefunden", erklärte Kumpf. Wenn die CDs zu Schulbeginn verteilt werden, könne man eingreifen, da so der Unterrichtsablauf gestört wird. Ebenso wenn die CDs auf dem Schulgelände verteilt werden - dann handelt es sich um Hausfriedensbruch. Hierauf hätten sich die Aktivisten jedoch schon eingestellt: "Die CDs werden einfach nach Unterrichtsende außerhalb des Schulgeländes verteilt." Auch Lehrer und Schulleiter sind so machtlos - meist erfahren sie von der Aktion erst am folgenden Tag. Die NPD kam bei der Landtagswahl in Hessen auf 0,9 Prozent und schrammte somit um 0,1 Prozent an der staatlichen Parteienfinanzierung vorbei. "Das freut mich. Aber dennoch haben immer noch rund 24000 Hessen die Partei gewählt", sagte Kumpf. NPD-Wähler seien häufig noch sehr jung: "Die Jugendarbeit der rechten Gruppierungen ist sehr ausgeprägt. Sie gehen gezielt auf Jugendliche zu - beispielsweise in Schulen, aber auch in Vereinen", erklärte Wilfried Rexroth, Leiter der Koordinierungsstelle "Ikarus" des Projektes Ausstiegshilfen Rechtsextremismus der hessischen Landesregierung. Städte und Gemeinden dürften deshalb den Bereich Jugendarbeit keinesfalls vernachlässigen, sonst treibe man gewisse junge Menschen direkt in die offenen Arme rechter Gruppierungen. "Wir müssen das Thema systematisch angehen. Eine Elternarbeit für den Kreis Bergstraße ist in Planung", erklärte Rexroth. Man wolle "Räume zurückerobern" und diese nicht der NPD überlassen. Dem seien jedoch gewisse Grenzen gesetzt. "Die NPD ist eine zugelassene Partei. Jeder hat das Recht zu demonstrieren. Demonstrationen oder Versammlungen können wir nicht verbieten, allerdings existieren hier massive Auflagen." Verkehren Jugendliche erst einmal in der rechte Szene, wird ein Ausstieg meist schwierig. "Je eher man merkt, dass jemand in dieser Szene verkehrt, desto besser stehen die Chancen, ihn dort herauszuholen." Typische Erkennungsmerkmale seien neben einer Verhaltensänderung auch bestimmte Klamottenmarken, Zahlencodes oder andere Symbole. Das Angebot an Sozial- und Jugendarbeit sei zudem relevant für eine erfolgreiche Bekämpfung des Rechtsextremismus. Letztendlich müsse die Einsicht aber von den Betroffenen selbst kommen - "leider passiert das häufig erst, wenn eine Gefängnisstrafe droht oder die Leber aufgrund des Alkoholkonsums streikt", berichtete Rexroth. Monika Barmann vom Familiennetzwerk und die Referenten sind sich einig: "Wir müssen aufmerksam sein und den Mund aufmachen, wenn wir etwas beobachten. Nur mit Mut und Zivilcourage können wir etwas gegen Rechts bewegen.


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