Tobias Perlick, Juso-Sprecher Alzey-Worms, kritisiert Christian Bohne nach Nacht in Ausnüchterungszelle
16.10.2012 - ALZEY-WORMS/MAINZ
Von Sascha Diehl
Dicke Luft bei Rheinhessens Jusos: Nachdem Christian Bohne, Geschäftsführer der Mainzer SPD-Jugendorganisation, am Freitag vor einer Woche betrunken in einer Ausnüchterungszelle der Bad Hersfelder Polizei gelandet ist, fordert Tobias Perlick, Vorsitzender der Jusos Alzey-Worms und einer von drei Sprechern der Jusos Rheinhessen, eine öffentliche Entschuldigung vom Juso-Geschäftsführer. „Christian Bohnes Verhalten wirft ein schlechtes Licht auf die Jusos in Rheinhessen, das ist eine Schmach für alle Jusos“, sagt Perlick. Seinem Mainzer Parteifreund rät er öffentlich Reue zu zeigen. „Alles andere wäre eine Zumutung für die Öffentlichkeitsarbeit der Jusos im Bezirk Rheinhessen“, glaubt der Bechtheimer. Von Rücktrittsforderungen hält Perlick unterdessen wenig: „Das wäre zu viel des Guten, man kann schließlich Fehler machen.“
1,45 Promille im Blut
Der 24-jährige Bohne war in Polizeigewahrsam gelandet, nachdem er zusammen mit einigen Mitstreitern gegen Homosexuellen-Feindlichkeit protestiert hatte. In Frauenkleidern zogen sie durch die Stadt, landeten in einer Kneipe. Dort sorgte der Student, der sich Clara Fusel nennt, sobald er Frauenkleider trägt, für Aufsehen, als er aufs Damenklo ging. Einige Besucherinnen fühlten sich durch die gestylten Männer belästigt, sodass Angestellte der Bar die Mainzer vor die Tür setzten. Das wollte Bohne sich nicht gefallen lassen. Entsprechend hatte er nichts dagegen, dass die Polizei alarmiert wurde, bei der er Anzeige erstatten wollte. Doch die Polizisten legten dem Studenten nahe, zu gehen, und ließen ihn „pusten“. Heraus kamen 1,45 Promille und eine Auseinandersetzung mit der Polizei, die Bohne in die Ausnüchterungszelle verfrachtete. Als Reaktion will der Juso-Geschäftsführer eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen, da die Polizei-Aktion aus seiner Sicht völlig überzogen war. Doch davon rät ihm Perlick ab: „In so einer Situation mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde zu drohen, kann ich nicht verstehen.“ Zumal Bohne schlicht überzogen habe. „Wer sich mit 1,45 Promille mit der Polizei anlegt, kann nicht mehr Herr seiner geistigen Kräfte sein und sich für eine Kampagne starkmachen.“ Schon deshalb sei er zutiefst empört, „dass Bohne seine Tat rechtfertigt“. Zudem habe Bohne mit seinem Verhalten Schwulen und Lesben geschadet. „Ich habe mit homosexuellen Bekannten gesprochen, sie fühlen sich peinlich berührt, möchten nicht von einer wild gewordenen Tunte repräsentiert werden“, so Perlick wörtlich. Denn: „Mit so einer Aktion zieht man das Problem der Homophobie einfach nur ins Lächerliche.“
Ähnliche Töne kommen vom politischen Gegner. Jan Metzler, Vorsitzender der Jungen Union (JU) Alzey-Worms, bezeichnete Bohnes Aktion als kaum zielführend, wenn es darum gehe, für die Rechte von Homosexuellen zu kämpfen. Über die Folgen sagt Metzler: „Ich glaube, dass die Jusos schon die richtigen Konsequenzen ziehen.“

