Große Meister suchen Gönner
24.07.2010 - MANNHEIM
Von Heike Warlich
KUNSTHALLE MANNHEIM Dank Projekt „BildPaten“können wertvolle Werke restauriert werden
Farbe, die abblättert, Staub- und Schmutzpartikel, die sich festgesetzt haben, manchmal sogar Dellen und Beulen: Auch die an sich unvergänglichen Werke großer Meister kommen in die Jahre und müssen aufpoliert werden. Vor etwas mehr als einem halben Jahr startete die Kunsthalle Mannheim unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz daher das Projekt „BildPaten“, suchte Retter der Kunst für 18 Gemälde, fünf Skulpturen und 22 Grafiken. „Alle Skulpturen, eine Grafik und sechs Gemälde haben inzwischen einen solchen Bildpaten gefunden“, zieht Dr. Inge Herold eine erste Zwischenbilanz. Die stellvertretende Museumsdirektorin und Projektleiterin stellte am Freitag gemeinsam mit den Restauratorinnen Daniela Hedinger und Katrin Radermacher mit Ernst Ludwig Kirchners Doppelbild „Gelbes Engelufer (Vorderseite) / Der Orientale (Rückseite)“ das erste im Rahmen dieses Projekts restaurierte Bild vor.
„Die Idee der Bildpaten ist so gut angekommen, dass wir bereits sieben weitere Gemälde herausgesucht haben“, sagt Herold im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit die künftigen Bildpaten wissen, was auf sie zukommt, erstellt ein externer Restaurator einen Kostenvoranschlag. Ein guter und fachlich fundierter Anhaltspunkt, wenngleich man vor Überraschungen nicht gefeit ist, wie aktuell im Fall von Mark Chagalls „Braut mit Blumenstrauß“. „Das ist ein bisschen wie beim Bauen, wenn im Zuge der Arbeiten Unerwartetes zu Tage tritt“, betont Dr. Inge Herold, dass der Bildpate selbstverständlich über den Stand der Restaurierung auf dem Laufenden gehalten wird und man sich entsprechend mit ihm berät.
Im Fall des Kirchner-Werks verlief alles wie vorgesehen. Nach vier Monaten ist es nun wieder in die Kunsthalle zurückgekehrt. Sein Bildpate ist der Förderverein der Kunsthalle, der für die Restaurierung 9 400 Euro zur Verfügung stellte. Ansonsten engagieren sich bislang vor allem Privatleute. Kunstfreunde, die nicht öffentlich erwähnt werden wollen. „Doch selbstverständlich werden die Bildpaten auf Wunsch auf der Beschilderung des Kunstwerks und in der Presse genannt und erhalten eine Spendenbescheinigung“, hofft Herold, dass sich in Zukunft auch Firmen und Institutionen in der Region engagieren. Ehrgeiziges Ziel des Bildpaten-Projekts ist es, bedeutende Werke der Städtischen Kunstsammlung bis zur Wiedereröffnung des Jugendstilgebäudes im Jahr 2012 zu restaurieren.
Für Kleinstbeträge wurde in der Kunsthalle eine Spendenbox für die Restaurierung des Hans-Thoma-Gemäldes „Landschaft bei La Spezia“ eingerichtet. Exklusive Einzelpatenschaften für den schmaleren Geldbeutel sind zwischen 500 und 1 000 Euro zu haben. Unter den derzeit auf der Restaurierungsliste stehenden Werken finden sich so berühmte Namen wie Max Slevogt, Lovis Corinth oder Franz Lenks 1942 entstandenes Bild „Odenwaldlandschaft in Siedelsbrunn“. Im Dezember sollen in einer Kabinettausstellung weitere frisch restaurierte Werke sowie neue Anwärter auf eine Bildpatenschaft vorgestellt werden.
