Einst Bleibe für Schweinehirten
27.10.2010 - BAD DÜRKHEIM
Von Rolf Sperber
GASTSTÄTTE „Saupferch“ im Pfälzerwald hat bewegte Geschichte / Heute Kreuzung mehrerer Wanderwege
Eine idyllische Waldgaststätte mit dem bäuerlich-derben Namen „Zum Saupferch“ in einem Seitental des Dürkheimer Tales im Westen der pfälzischen Kurstadt ist seit 125 Jahren kulinarische Anlaufstelle für Wanderer und Spaziergänger. Das Haus aus Buntsandstein mitten im Pfälzerwald hat eine bewegte Geschichte, denn vor mehr als 250 Jahren suhlten sich in dem Tal mit seinen heute saftig grünen Wiesen noch über 300 Schweine, die zur Bucheckern-Mast in die neun Kilometer entfernte „Saupferchdell“ oder „Harzofendell“ gebracht wurden.
Damit Köhler und Harzmacher, Holzfäller und Schweinehirten nicht tagtäglich den weiten und beschwerlichen Weg von Bad Dürkheim und Hardenburg in den Wald unterhalb des mächtigen „Drachenfels“ zurücklegen mussten, wurde 1755 dort für sie als nächtliche Bleibe ein Haus aus Sandstein gebaut. Der Maurer Franz Laub aus dem südlich der Berge liegenden Lindenberg erhielt dafür 95 Gulden.
Im „Schweinspirg“ (Saupferch) wohnte um 1762 wohl ein rußgeschwärzter Köhler - ein „Mohr mit deßen schwartzem Gretgen“ (Gretchen), wie aus uralten Dokumenten hervorgeht. Ab 1786 war das Haus Wohnsitz des Waldarbeiters und Schlaghüters Andreas Uhly aus Hardenburg, der dort 43 Jahre lang lebte. Auch ein „Waldkind“ wurde dort geboren - im Kirchenbuch wurde es als „ex silva“ (vom Wald) beschrieben. 1852 war das Haus baufällig, wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt - um 1900 kam ein Anbau als Schlafsaal für Waldarbeiter hinzu.
Seit 1885 gibt es in dem einsam gelegenen Waldhaus einen gastronomischen Betrieb - zunächst sehr bescheiden nur mit Wein, Milch und Wasser im Ausschank. Von 1954 bis 1964 war es Dienstsitz des Forstwarts Jakob Hartmann, nach dessen Versetzung dann eine „richtige“ Gaststätte eingerichtet wurde. Denn Bedarf bestand: 200 Meter entfernt treffen Dreibrunnen-, Friedrichs- und Stütertal mit ihren kilometerlangen Wanderwegen aufeinander.
Seit 1979 wird die inzwischen renommierte Waldgaststätte „Zum Saupferch“ von den Familien Zukowski/Rühm geführt - Chef und Koch ist Mario Zukowski. Über hundert Plätze gibt es in zwei Räumen - im Hauptraum ist ein mächtiger offener Kamin der Blickpunkt. Dass man sich mitten im Wald befindet, lässt auch die umfangreiche Speisekarte ahnen: Spezialitäten sind unter anderem Wild-Bratwürste und -Leberknödel.
Der „Saupferch“ ist eine „Drehscheibe“ zahlreicher markierter Wanderwege geworden. Vom Dürkheimer Tal herauf führen zwei Wege (blauer Balken und blauweißer Balken), von der einstigen Römerfestung „Drachenfels“ (blauer Balken) und vom „Lambertskreuz“ (blauroter Balken) kommen zwei Wanderpfade herunter, und vom Sechs-Wege-Kreuz „Schafunter“ läuft aus dem Westen ein Weg (gelber Balken) herüber.
Bad Dürkheims Bürgermeister Wolfgang Lutz ist ein Freund des „Saupferch“: „Wenn ich einmal Lust auf Wildschwein- oder Rehbraten habe - dann nichts wie hin zum Saupferch. So hat früher in jüngeren Jahren auch Bundeskanzler Helmut Kohl gedacht: Er war Stammgast im Saupferch und oft auch mit Freunden an Ruhetagen dort.“ Der „Saupferch“ ist, so weiß Lutz, „eine der wenigen Waldgaststätten, die diesen Namen auch verdienen - er liegt nämlich tatsächlich mitten im Wald.“ Dass er auch ein Drehkreuz der Wanderwege in diesem Bereich des Pfälzerwaldes sei, mache den „Saupferch“ zu einer ganz besonderen „Hütte“, ohne dass er allerdings tatsächlich Hüttencharakter besitze. Für den Dürkheimer Bürgermeister ist die Waldgaststätte zwei Kilometer abseits der Bundesstraße auch ein Treffpunkt ganz besonderer Art, wenn er sich zum Beispiel mit Mitarbeitern außerhalb der Dienstzeiten treffen möchte.
