Eine Mannschaft, die zwei Gesichter zeigt
04.02.2012 - NORDHEIM/W
Von Moritz Kircher
SG NORDHEIM/WATTENHEIM Trainer Hamdija Catic nimmt seiner jungen Truppe schwankende Leistungen nicht übel
„Wir können jeden schlagen.“ So lautete vor der Saison in der Fußball-Kreisliga A die Einschätzung von Hamdija Catic, dem sonst eher zurückhaltend wirkenden Trainer der SG Nordheim/Wattenheim. Welches Potenzial in seiner Mannschaft tatsächlich steckt, zeigte sich beim 4:0-Sieg gegen Tabellenführer FSG Bensheim. Doch das Team scheint zwei Gesichter zu haben. Denn gegen das ein oder andere Kellerkind der Liga setzte es unnötige Niederlagen, weshalb die SG mit Rang acht etwas hinter den eigenen Erwartungen zurücksteht.
Ein Platz unter den ersten fünf war das angestrebte Ziel. „Das wäre auch drin gewesen“, schätzt Catic die Qualität seines Kaders ein. „Ich bin relativ zufrieden mit der Leistung der Mannschaft in der Vorrunde.“ Doch zu oft musste der Trainer der SG Nordheim/Wattenheim improvisieren, weil der Kader aufgrund von Verletzungen oder anderweitigen Verpflichtungen von Spielern in Ausbildung und Beruf doch arg dezimiert war. Lange Zeit musste der Coach verletzungsbedingt auf Tobias Theiss, Nicolas Hecker oder Kevin Himbert verzichten.
Andere, wie Rico Kronauer, Jonas Pixberg oder auch Abwehrchef Thomas Hess, konnten nach längeren Zwangspausen nicht wieder langsam an den Kader herangeführt werden, sondern mussten am Spieltag gleich ins kalte Wasser springen. Dann passieren Fehler, die im Falle der SG Nordheim/Wattenheim knallhart bestraft wurden. „Das habe ich den Jungs auf keinen Fall übel genommen“, stellt sich Hamdija Catic schützend vor seine junge Truppe.
Besonders bitter waren in der Vorrunde die Niederlagen gegen SC Rodau (12.) oder die SG Riedrode II (14.). Am 12. Spieltag war der Sieg gegen die Catic-Truppe der erste Dreier der Saison für die Riedroder Reserve. „Das war die Periode, in der einige Spieler ohne Training spielen mussten“, erinnert der No/Wa-Coach, der nur einen kleinen Kritikpunkt anbringt. „Vielleicht haben wir das Spiel gegen Riedrode aber auch zu sehr auf die leichte Schulter genommen.“ Eine Niederlage, die „total vermeidbar war“ (Catic), sei das 0:2 im letzten Heimspiel des Jahres 2011 gegen den Tabellenvierten SG Einhausen gewesen. Gut eine Stunde hatten die Gastgeber nach frühem Platzverweis in Unterzahl tapfer gekämpft und sich dann mit einem kuriosen Eigentor und zwei weiteren Roten Karten selbst um einen möglichen Erfolg und den Anschluss an die Spitzengruppe der Liga gebracht. In der hitzigen Schlacht war mehr als augenscheinlich, dass die junge Truppe noch lernen muss, ihre Emotionen in umkämpften Spielen unter Kontrolle zu halten. Die drei Platzverweise erschweren auch den Start nach der Winterpause. Nicolas Hecker ist für acht Spiele gesperrt. Thomas Hess kam für ein Brutalo-Foul kurz vor Ende der Partie mit vier Spielen Sperre noch vergleichsweise glimpflich davon.
Ein ganz anderes Gesicht und ihr ganzes Talent zeigte die Elf der SG Nordheim/Wattenheim beim 4:0-Sieg zu Saisonbeginn gegen den aktuellen Tabellenführer FSG Bensheim. Konzentriert spielte die junge Truppe zu Hause ihren Stiefel runter, nutzte ihre Chancen konsequent und fuhr am Ende einen auch in der Höhe verdienten Sieg ein. Solche Leistungen geben dem Trainer Anlass zur Zuversicht. „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir es in der Rückrunde besser machen können. Das Potenzial ist da, und die Jungs sind willig“, berichtet Catic.
Eines sollte bei all dem Auf und Ab auch nicht vergessen werden. Die SG Nordheim/ Wattenheim hat in der vierjährigen Amtszeit von Hamdija Catic vor der Winterpause noch nie so viele Punkte geholt wie jetzt. Dass in der Tabelle weder nach oben noch nach unten bei der SG noch viel passieren kann, birgt dabei auch Vorteile. Denn in der Rückrunde will der Coach einigen Akteuren aus der A-Jugend die Gelegenheit geben, ohne großen Druck erste Spielpraxis bei den Aktiven zu sammeln. Zu- oder Abgänge hat es dagegen in der Winterpause keine gegeben.
