Auf die Routiniers ist Verlass
03.02.2012 - MANNHEIM
Von Maik Richter
ADLER Lehoux und Lee als Punktegaranten / Youngster mit Fluchtreflexen / In Iserlohn letzte Aufgabe vor der Pause
Zwar absolviert die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) an diesem Wochenende noch einen kompletten Doppelspieltag, für die Adler steht aber vor der Länderspielpause bis 14. Februar nur noch eine Partie an. Diese führt den Mannheimer Klub am heutigen Abend nach Iserlohn an den Seilersee, wo es von Natur aus unangenehm zu spielen ist. In der Iserlohner Eishalle wird eine veritable Kälte herrschen, während die Fans der Roosters dem Gast traditionell lautstark einheizen. Eine reizvolle Aufgabe für die Nordbadener, denn weiterhin geht es darum, Punkte zu sammeln, um den Verbleib unter den Top-Vier der DEL sicherzustellen.
Hierfür haben die Adler am letzten Wochenende ihre Hausaufgaben erledigt. In den beiden Heimspielen gegen die Straubing Tigers (4:3 n.V.) und die Nürnberg Ice Tigers (3:2) erkämpften sich die Hausherren insgesamt fünf von sechs möglichen Punkten - nach dem mäßigen Start ins neue Jahr waren dies durchaus wichtige Zähler. Das sieht auch Stürmer Yanick Lehoux so, der von „Big Points für uns“ spricht.
Das Tabellenbild stellt sich somit wie folgt dar: Die Berliner Eisbären führen das Tableau mit 79 Zählern an. Dahinter kämpfen der ERC Ingolstadt mit 76 und die Adler mit 75 Punkten um die erste Verfolger-Position, die strategisch nicht ganz unbedeutend ist, würde sie doch in einem möglichen Play-off-Halbfinale das Heimrecht garantieren. Vier Punkte hinter den Adlern lauern die Grizzly Adams Wolfsburg als Vierter. Dahinter klafft eine Fünf-Punkte-Lücke auf den Fünften, das Überraschungsteam aus Straubing.
Den Neustart nach der Länderspielpause, in der Mannheims Headcoach Harold Kreis als Assistent von Bundestrainer Jakob Kölliker mit der Nationalmannschaft zum BelSwiss-Cup ins minus 20 Grad kalte Minsk reist (als einziger Mannheimer Spieler ist Niki Goc nominiert), bestreiten die Adler dann am Valentinstag (Dienstag, 14. Februar) beim EHC München. Es ist dies gleichzeitig der Auftakt in die heiße Phase der Vorrunde, die bis einschließlich 11. März noch zehn Partien bereithält. Ziel für die Adler ist bis dahin wohl nicht mehr, überhaupt in den Play-offs dabei zu sein, sondern sich vielmehr eine verheißungsvolle Ausgangsposition zu schaffen - beispielsweise Tabellenplatz zwei, zumindest aber drei oder vier (Heimrecht im Viertelfinale). Das bedeutet aber: Die Adler müssen in den verbleibenden Saisonspielen ordentlich punkten. Beginnen wollen sie damit heute Abend in Iserlohn, wobei Headcoach Kreis sagt: „Momentan sind alle Partien sehr intensiv. Alle Mannschaften kämpfen verbissen um jeden einzelnen Punkt.“ Man merkt also, dass die Saison auf die Zielgerade einbiegt.
Einer, der bei den Adlern bereits Play-off-Form aufweist, ist Yanick Lehoux. In den letzten fünf Partien hat der Kanadier fünf Tore und vier Assists verbucht - eine bemerkenswerte Ausbeute. Harold Kreis ist mit seinem gestandenen Stürmer deshalb auch sehr zufrieden, zumal dieser mit Frank Mauer und Ronny Arendt an seiner Seite optimal harmoniert. „Sie passen auch menschlich sehr gut zusammen. Sie reden viel miteinander, was sie auf dem Eis kreieren können.“ Doch nicht nur der Sturm ist bei den Adlern torgefährlich, auch aus der Abwehr wird in Person von Chris Lee fleißig gepunktet. Der mit 31 Jahren ebenfalls zu den Routiniers zählende Verteidiger führt mit aktuell 38 Punkten (11 Tore, 27 Vorlagen) sogar die vereinsinterne Scorer-Statistik an. „Wenn ein Verteidiger darin vorne liegt, frage ich mich immer, auf wessen Kosten das geht. Bei Chris muss ich aber sagen: Es geht auf niemands Kosten. Obwohl Chris offensiv so viele Punkte sammelt, macht er hinten seinen Job.“
Lehrgeld hat derweil am letzten Wochenende die junge Reihe der Adler gezahlt: Sowohl im Spiel gegen Straubing wie auch gegen Nürnberg versemmelten der neu lizenzierte Richard Gelke, Matthias Plachta und Marc El-Sayed je einen Wechsel, aus dem zwei Gegentreffer entstanden. „Das ist der Lerneffekt. Sie müssen auch mal gegen die erste Reihe des Gegners bestehen und nicht sofort fluchtartig das Eis verlassen“, nimmt es Kreis gleichmütig und mit Humor hin, dass seine jungen Leute auch Fehler machen. Vielleicht aber auch nur solange, wie das Team als Sieger vom Eis geht.
