14 Zigarettenkoffer vom Mainzer Hauptbahnhof wahrscheinlich...

Einer der beschlagnahmten Koffer mit Zigaretten. Foto: Polizei

Bei den in 14 Koffern verpackten rund 1400 Stangen Zigaretten, die am vergangenen Samstag für eine stundenlange Sperrung am Mainzer Hauptbahnhof gesorgt hatten, handelt es...

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MAINZ. Die Hintergründe des spektakulären Koffer- und Zigarettenfunds am Samstag am Mainzer Hauptbahnhof sind geklärt: Die insgesamt 1400 Stangen der Marken „Pall Mall“ und „Rothmans“ stammen aus Angola, wohl ebenso die Zigaretten-Kuriere. Sie sind ganz offensichtlich Bestandteil einer Angola-Connection, die seit dem Herbst 2017 in nunmehr schon sieben Fällen dem Zoll ins Netz gegangen sind. Allerdings war Mainz der erste Fall außerhalb des Frankfurter Flughafens. Der Sprecher des Zollfahndungsamtes Frankfurt, Hans-Jürgen Schmidt beziffert gegenüber der AZ den Steuerschaden: „Bei allen Fällen zusammen liegt er bei 180 000 Euro.

Einer der beschlagnahmten Koffer mit Zigaretten.
Herrenlose Koffer am Hauptbahnhof West in Mainz haben für eine fast fünfstündige Sperrung der Umgebung gesorgt.
Herrenlose Koffer am Hauptbahnhof West in Mainz haben für eine fast fünfstündige Sperrung der Umgebung gesorgt.
Herrenlose Koffer am Hauptbahnhof West in Mainz haben für eine fast fünfstündige Sperrung der Umgebung gesorgt.
Herrenlose Koffer am Hauptbahnhof West in Mainz haben für eine fast fünfstündige Sperrung der Umgebung gesorgt.

Am Samstagmittag waren im Bereich der Flixbus-Haltestelle am Hauptbahnhof West, am dortigen Eingang zum Bahnhof und an einer Säule nacheinander 14 Koffer entdeckt worden. Zuvor hatte die Bundespolizei einen Portugiesen an sechs der Koffer angetroffen und kontrolliert. Er versicherte aber glaubhaft , zwei Frauen hätten ihn gebeten, auf die Gepäckstücke aufzupassen, weil sie einen Kaffee trinken gehen wollten. Als dann immer mehr herrenlose Koffer auftauchten, beschloss die Bundespolizei, das Gebiet am West-Eingang sowie im Bahnhof die Gleise 4-8 zu sperren.

Ein Sprengstoffhund beschnüffelte schließlich die Koffer und schlug auch an einem an, worauf die Entschärfer des Landeskriminalamts anrückten und mit Hilfe eines Röntgen-Roboters die Koffer unter die Lupe nahmen. Zwar stießen sie schon beim ersten Trolley auf Zigaretten, doch musste dennoch Koffer für Koffer auf Sprengstoff untersucht wurden. Deshalb dauerte die Sperrung bis 18 Uhr an, insgesamt fünf Stunden.

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In den Koffern unterschiedlicher Größe befanden sich 1400 Stangen Zigaretten der Marken "Pall Mall" und "Rothmans" mit portugiesischer Aufschrift und ohne Steuerbanderole. Dies bedeutet eine Steuerhinterziehung von 58000 Euro, unklar ist allerdings, ob es sich zudem auch noch um Fälschungen handelt. Schmidt: „Das wird in Zusammenarbeit mit der Zigarettenindustrie noch geprüft.“

In den vergangenen sechs Fällen im Zusammenhang mit der Angola-Connection waren die Zigarettenkuriere immer mit Flügen aus dem EU-Ausland via Lissabon und Amsterdam eingereist und bei Stichproben-Kontrollen aufgeflogen. Es waren Angolaner und Portugiesen, und erst am Vortag des Mainzer Funds wurden erneut fünf Kuriere mit zehn Koffern vollr Zigaretten festgenommen. Ob sie zur Gruppe gehörten, die dann die Zigaretten nach Mainz brachten, ist noch unklar.

Es gibt Zeugenaussagen, dass es sich bei den durch den Zoll geschlüpften Kurieren um fünf "afrikanisch aussehende Personen" gehandelt hat. Nach ersten Ermittlungen der Mainzer Polizei scheint festzustehen, dass diese fünf Personen in einem Mainzer Hotel in der Nacht von Freitag auf Samstag übernachtet haben. Von dort aus fuhren sie mit dem Taxi zum Hauptbahnhof und deponierten die Koffer an drei verschiedenen Stellen. Sie konnten aufgrund der Gefahrenlage und der Teilräumung des Bahnhofes nicht mehr ermittelt werden.