Aggressiv im Rennen, langsam ins Ziel

Spitzenkräfte beim Moret Triathlon: Steffen Kundel vom DSW Darmstadt (links) wird Hessenmeister auf der Mitteldistanz – mit allerdings elf Minuten Rückstand auf Gesamtsieger Julian Beuchert.Foto: Thomas Zöller  Foto: Thomas Zöller

Julian Beuchert hatte genug Zeit, auf die Mädchen mit den bunten Ballons zu warten. Ganz langsam beschritt er den roten Teppich, der ins Ziel des Moret-Triathlons führte. Ein...

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MÜNSTER. Julian Beuchert hatte genug Zeit, auf die Mädchen mit den bunten Ballons zu warten. Ganz langsam beschritt er den roten Teppich, der ins Ziel des Moret-Triathlons führte. Ein Luxus, den sich der 25 Jahre alte Profi mit folgender Taktik erarbeitet hatte: „Im Schwimmen und Radfahren habe ich relativ aggressiv angegangen, sodass ich beim Laufen meinen Vorsprung verwalten konnte“, sagte Beuchert, der als Amateur schon Weltmeistertitel auf der Mittel- und der Langdistanz geholt hat.

Spitzenkräfte beim Moret Triathlon: Steffen Kundel vom DSW Darmstadt (links) wird Hessenmeister auf der Mitteldistanz – mit allerdings elf Minuten Rückstand auf Gesamtsieger Julian Beuchert.Foto: Thomas Zöller  Foto: Thomas Zöller

Für ein Debüt beim vergleichsweise kleinen Triathlon des VfL Münster hat er sich entschieden, weil er sich seiner Form nicht so recht sicher war. „Ich wollte ein Rennen, in dem ich mich ganz auf mich konzentrieren kann“, sagte der aus Mosbach am Neckar stammende Beuchert, der für das „Team Sport for Good“ von Timo Bracht startet, der auch schon beim Moret siegte. Der 4:26:31 Stunden lange Einsatz, den er von der ersten Minute an von der Spitze absolvierte, war also ein guter Formtest für Beucherts ersten Saisonhöhepunkt: den Ironman in Zürich.

Höhenmeter im Zillertal als gute Vorbereitung

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Auf der Langdistanz wird es auch ernst für Steffen Kundel, allerdings schon zwei Wochen früher. Der für den DSW Darmstadt startende Viernheimer bereitet sich auf die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt vor und schielt ein bisschen auf eine Hawaii-Qualifikation – jetzt wo er gerade in die Altersklasse 30 aufgestiegen ist.

„Ich habe zuletzt im Trainingslager im Zillertal viele Höhenmeter absolviert“, erzählte Kundel, nachdem er mit 11:04 Minuten Rückstand als Zweiter ins Ziel gelaufen war. Eine Vorbereitung, die auch zum Moret-Triathlon passte. Schließlich steckten in jeder der drei Radrunden zwei kernige Anstiege und insgesamt fast 700 Höhenmeter. „Eine anspruchsvolle Strecke mit interessanten Abfahrten und auch tollen Aussichten“, sagte Kundel, der sich nun auch Mitteldistanz-Hessenmeister nennen darf. „Das ist natürlich schon eine Ehre. Zumal ich meine Titel ja eher in den Schülerzeiten geholt habe.“ DSW-Teamkollege Tobias Zöller lief in 4:43:37 Stunden auf Platz sechs. „Schwimmen gut, Radfahren gut, Laufen nur die letzten zweieinhalb Runden gut“, lautete seine Zusammenfassung. In den dabei ausgesparten ersten eineinhalb Runden bremsten ihn Magenprobleme.

Die in den Traditionswettkampf eingebauten Hessenmeisterschaften gewann bei den Frauen wieder Lisa Gerss. Anders als im Vorjahr musste sich die Gießenerin in der Gesamtwertung aber einer Konkurrentin geschlagen geben, die erst auf der Laufstrecke erfuhr, dass sie in Führung liegt. „Ich hatte ab der ersten Minute kein gutes Gefühl und habe irgendwann zu mir gesagt: sieh es nicht als Wettkampf, sondern als hartes Training“, schilderte Doreen Simon ihre recht eigenwillige Renngestaltung. Die Wormserin ist erst seit zwei Jahren Triathletin, zeigte in 4:59:39 Stunden und mit 1:19 Minuten Vorsprung aber ihr Potenzial. Und die 23-Jährige versprach trotz am Ende blutiger Füße: „Die Organisation war für einen Triathlon dieser Größenordnung wirklich top. Ich komme gerne wieder.“