Bülent Ceylan über seine neue Show und Integration

"Ich musste mir alles erarbeiten". Bülent Ceylan spricht über seinen Weg zum Erfolg. Foto: dpa

Bülent Ceylan ist einer der bekanntesten Comedians in Deutschland. Im Interview mit dieser Zeitung redet er über seinen Abschied von RTL, neue Projekte und die Integrationsdebatte.

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MÜNCHEN. Deutsche, Türken, Mannheimer: Bei Bülent Ceylan bekommt jeder sein Fett weg – mit frechen Sprüchen und Kunstfiguren wie dem Hausmeister Mompfred oder dem Goldkettchenträger Hasan begeistert der Comedian seit Jahren die Fans. Nun bekommt der 42-Jährige eine neue Show: Die Kandidaten von „Game of Games“ (Freitag, 14.9., 20.15 Uhr, Sat.1) müssen turbulente Spiele bestreiten und können dabei 50.000 Euro gewinnen. Es ist Ceylans Debüt bei ProSieben/Sat.1.

Herr Ceylan, jahrelang waren Sie ein Aushängeschild von RTL, jetzt wechseln Sie zu ProSieben/Sat.1. Warum?

Ich habe RTL viel zu verdanken. Aber es war am Ende wie in einer langjährigen Beziehung – man hat sich nicht mehr so oft „Ich liebe dich“ gesagt und die Luft war raus. Die angebotenen Showkonzepte und die dafür vorhandenen Sendeplätze haben nicht mehr gepasst, und genau in diesem Moment wurde mir von Sat.1 ein tolles Komplettpaket angeboten. Dabei ging es nicht um mehr Geld, sondern einfach darum, tolle Shows zu machen.

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Als erstes präsentieren Sie die Spielshow „Game of Games“, die im US-Original von Ellen DeGeneres moderiert wird…

Wir wollen ja mehrere Sachen ausprobieren, und dass ich als Einstieg gleich eine fette internationale Show machen darf, ist super – das ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Das Format ist echt der Hammer. Wahnsinnig aufwendig, teuer und vor allem sehr witzig.

Sie sind einer der wenigen Moderatoren im deutschen Fernsehen mit türkischen Wurzeln…

Stimmt, und deshalb habe ich zu Sat.1 gesagt: Wenn ihr mir die Show nicht gebt, fühle ich mich diskriminiert (lacht). Aber Spaß beiseite. Die Zuschauer sollen nicht sagen: „Da hat so ein Türke die Show gekriegt“ Nein, der Bülent hat die Show gekriegt. Das ist mir wichtig.

In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft oder türkischen Wurzeln. Ist diese Bevölkerungsgruppe im deutschen Fernsehen unterrepräsentiert?

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Man muss da aufpassen. Ich kann doch nicht einfach eine Quote erstellen und sagen: Soundso viele Türken müssen Moderatoren sein, es geht ja schließlich auch um die Qualität. Ob jemand ein Türke ist, ein Marokkaner oder was auch immer – wenn er gut ist, ist er gut, und dann passt es.

Hatten Sie im Lauf Ihrer Karriere den Eindruck, als Deutscher mit Migrationshintergrund besser sein zu müssen als andere?

Also es war definitiv nicht so, dass ich einen Bonus hatte, weil ich Deutschtürke bin, sondern ich musste mir alles erarbeiten. Ich habe einen langen Weg hinter mich bringen müssen, bevor ich Erfolg hatte. Aber das ist auch in Ordnung. Ich fühle mich echt gut behandelt und habe Deutschland viel zu verdanken, und diese Dankbarkeit zeige ich glaube ich auch.

Die Integration von Deutschtürken hat im Sommer in Zusammenhang mit der Debatte um Nationalspieler Mesut Özil für enorme Diskussionen gesorgt…

Ich glaube, die Medien müssen auch ihren Teil zur Integration beitragen. Mir fällt zum Beispiel auf, dass ich immer wieder nach meiner Meinung gefragt werde, sobald es ums Thema Migration geht oder um die Türkei – obwohl ich hier geboren bin und eine deutsche Mama habe. Und außerdem: Wieso nennt man Leute wie mich eigentlich immer Deutsch-Türken? Man sagt ja auch nicht ständig „Helene Fischer, die Deutsch-Russin“.

Sie haben sich vor einer Weile öffentlich als Erdogan-Gegner geoutet. Gab es dafür negative Reaktionen von türkischer Seite?

Es gab schon den ein oder anderen, der mich „Haustürke“ oder „Schoßhund von Angela Merkel“ genannt hat. Aber das hat doch damit nichts zu tun. Ich will meinem deutschen Publikum einfach zeigen, dass ich von der Einstellung her demokratisch bin, dass Meinungsfreiheit für mich total wichtig ist. Man muss seine Meinung sagen können, ohne angefeindet zu werden. Und wer in dieses Land kommt, muss seine Mentalität achten, muss zum Beispiel Frauen respektieren. Ich bin ein Gentleman, halte Frauen die Tür auf – das ist vielleicht konservativ, aber das bin ich lieber als ein Macho, der Frauen nicht achtet.