Alte Ansichten vom Rhein

Der Historiker Jörg Koch sammelt Postkarten. In seinem neuen Buch hat er sie zu einer historischen Rheinreise zusammengestellt.

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. Zu den Postkarten kam Jörg Koch eher zufällig. "Den Grundstock bildeten alte Alben von meinen Großeltern und Großtanten", erzählt der in Worms lebende Historiker. Es waren vor allem Ansichtskarten aus der Zeit der Jahrhundertwende und der Zwanziger. "Damals wurden die millionenfach verschickt", sagt Koch. "Natürlich für Urlaubsgrüße, aber auch, um Informationen durchzugeben, was wir heute oft mit einer Kurznachricht erledigen." Und diese Karten wurden - selbst zu fotografieren war ja längst nicht so einfach wie heute - eben auch in Alben gesammelt, so wie Koch sie von seiner Familie erbte. Mit der Zeit kamen zu diesem "Grundstock" immer weitere hinzu - von Freunden und Bekannten, die von der Sammelleidenschaft des Historikers wussten. So viele, dass der heute 50-Jährige, der bereits einige Bücher zur Kultur- und Regionalgeschichte veröffentlicht hat, beschloss, dass damit etwas passieren muss.

Er ordnete die Karten nach Orten, und stellte fest, dass er mit seiner Sammlung zwar nicht den kompletten, aber doch einen großen Teil des Rheinlaufs abdecken konnte: von Lindau am Bodensee bis Kleve vor der niederländischen Grenze. In seinem Buch "Entlang des Rheins" sind sie nun zu einer historischen Bilderreise zusammengestellt, die immer wieder mit Spektakulärem überrascht - etwa einem Zeppelin über Lindau. Vor allem aber zeigt sie viele verlorene Ansichten. Zum Beispiel von der prachtvollen Rheinbrücke, die früher Mannheim und Ludwigshafen verband. Wie unzählige andere wurde sie im Zweiten Weltkrieg zerstört. Schade ist nur, dass die Beschreibungen der Karten manchmal zu allgemein sind. Obwohl Koch im Gespräch wohl zu nahezu jeder interessante Details erzählen könnte, wie unsere Beispiele zeigen. Zu ihren Gunsten hätte das ein oder andere der literarischen Zitate, mit denen das Buch aufwartet, kürzer ausfallen können. Trotzdem dürften insbesondere Ortskundige Freude mit den verschiedenen Ansichten des großen Stroms haben, die Koch in seiner historischen Rheinreise aufblättert.

Von Johanna Dupré