Die Suche nach einem erfüllten Leben

(bbeg). Erst war da „Das Mädchen“, dann bekam das Mädchen einen Namen, „April“. Nun erfährt das Publikum im letzten Band der Trilogie, was „Jahre später“ aus...

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DARMSTADT. (bbeg). Erst war da „Das Mädchen“, dann bekam das Mädchen einen Namen, „April“. Nun erfährt das Publikum im letzten Band der Trilogie, was „Jahre später“ aus dem Kind geworden ist. Das Mädchen, das sich selbst den Namen April gab, ist nach ihrer DDR-Jugend in den Westen übergesiedelt, verliebt sich in den Arzt Ludwig, heiratet und lernt westdeutschen Wohlstand kennen, hat gegen Ende einen pubertierenden Sohn, eine kaputte Beziehung, Scheidung, und eins gelernt: „Im Leben funkelt niemand auf Dauer.“

Angelika Klüssendorf sitzt mit Wollpulli und Schal auf Einladung des Literaturhauses und der Luise Büchner Gesellschaft am Lesetisch, trotz Erkältung offen und gut gelaunt. Auf die Frage, was der Erfolg ihrer Romane für sie bedeute, sagt sie: „Pure Freude“, und antwortet damit in so knappem Ton, wie ihre Bücher gefasst sind. Schnörkellos ist die Sprache, mit der die Autorin über die Suche Aprils nach einem erfüllten Leben schreibt.

Sehnsucht nach der Landschaft ihrer Kindheit

Nach den autobiografischen Bezügen gefragt, Klüssendorf kam 1985 aus der DDR nach Westdeutschland und war mit dem FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher verheiratet, sagte sie, die Erinnerung verändere sich im Laufe der Zeit, und dennoch: „Ich weiß, worüber ich schreibe.“ In „Jahre später“ berichtet sie lakonisch und mit nüchternem Humor über die Hanfpflanzen, die ihr Sohn züchtet, vom einmal gewesenen Paar Ludwig und April, im Rückblick nichts weiter als „eine Frau, ein Mann“. Im echten Leben fühlt sich Klüssendorf mit zunehmenden Alter immer „ostdeutscher“ und sehnt sich vor allem nach der mecklenburgischen Landschaft ihrer Kindheit.