Steiniger Lebensweg eines Flüchtlings als Film-Vorlage

Der in Mainz lebende deutsch-kongolesische Regisseur und Schauspieler Joél Sansi sucht Unterstützer für seine Literaturverfilmung des Buchs „Allein in einer fremden Welt“, das er hier im „Extrablatt“ am Schillerplatz vorstellt. Foto: hbz/Kristina Schäfer

Aus dem Kongo nach Köln: Der in Mainz lebende Schauspieler Joél Sansi will Flüchtlingsautobiographie „Allein in einer fremden Welt“ verfilmen und wirbt um finanzielle Unterstützung

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MAINZ. Es ist ein aufwendiges Unterfangen, das der in Mainz lebende deutsch-kongolesische Schauspieler und Filmemacher Joél Sansi in Angriff genommen hat: In diesem Jahr möchte er Londri Mingolos Buch „Allein in einer fremden Welt“ verfilmen.

In der Autobiographie reflektiert Mingolo über seinen zunächst steinigen Lebensweg. Der Autor kam als Flüchtlingskind aus den Kriegswirren im Kongo nach Köln; zunächst hatte er große Probleme, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Er geriet auf die schiefe Bahn, verkaufte Drogen, wurde gewalttätig.

Letzten Endes bekam Mingolo die Kurve – heute wohnt er mit seiner Familie in Trier und arbeitet als Krankenpfleger.

Joél Sansi wurde durch seine Frau, die aus Köln stammt, auf Mingolos Buch aufmerksam, sofort kontaktierte er ihn. Rasch einigten sich die beiden Männer, die inzwischen gute Freunde sind, darauf, dass Sansi die Verfilmung übernehmen sollte. Der ursprüngliche Titel der Autobiographie lautete „Vom Kongo nach Deutschland“, er wurde in „Allein in einer fremden Welt“ geändert.

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An der Finanzierung feilt Sansi derzeit: Über die Internetplattform Kickstarter möchte er Spenden generieren, ein mittlerweile gängiges Verfahren. Unter den Suchbegriffen „Allein in einer fremden Welt“ oder „Alone in a strange World“ können sich Interessierte über das Projekt informieren. Auch kleinere Gaben sind willkommen. Ihr Geld setzten potentielle Unterstützer auf keinen Fall in den Sand, versichert der Regisseur während eines Gesprächs im „Extrablatt“ am Schillerplatz: „Die Spenden werden erst abgebucht, wenn eine solide Summe zusammengekommen ist.“

Der Filmemacher hofft, einen Teil der Dreharbeiten im Kongo absolvieren zu können. Sansi kam im Alter von vier Monaten nach Deutschland, brach die Brücken in die alte Heimat aber nie ab. Lingála bezeichnet er als seine Muttersprache. Das Schicksal seiner Verwandten in Afrika beschäftigt ihn, er verfolgt die aktuellen politischen Turbulenzen in Kinshasa: „Der Kongo ist reich an Bodenschätzen, aber ein Großteil der Bevölkerung profitiert nicht davon. Eine kleine Gruppe teilt alles unter sich auf,“ sagt er. Seine Ausbildung machte Sansi an der Schauspielschule Mainz und sammelte Erfahrungen am Staatstheater. „Schon als Schauspielschüler habe ich meinen Verwandten 100 Euro monatlich überwiesen. Für mich war das ein überschaubarer Betrag, für meine Familie im Kongo eine große Hilfe, die für einen Teil der Miete und Essen reichte,“ erzählt er.

Sansi spielt in der Netflix-Serie „Hindafing“ mit; er wirkt an verschiedenen Orten, wobei sich Berlin klar als deutsche Filmhauptstadt etabliert hat. Weitere Zentren, so Sansi, seien Hamburg, München und der Kölner Raum. In Köln sollen auch die meisten Szenen für „Allein in einer fremden Welt“ gedreht werden; Sansi hat bereits die Genehmigungen eingeholt, um an Originalschauplätzen zu Werke gehen zu können, etwa dem Jugendamt.

Gibt es Vorbilder, die ihn besonders beeinflusst haben? „Oh ja“, sagt er: Als Schauspieler verehre er Denzel Washington, als Regisseur Detlev Buck. Mit Letzterem arbeitete er 2017 in dessen Produktion „Wuff“ zusammen. Buck habe ihm direkt die Rolle des Lukas zugewiesen – erstmals spielte Sansi eine Figur mit einem unter Deutschen verbreiteten Namen. Mit „Allein in einer fremden Welt“ möchte er auch den Blick auf die Situation von Flüchtlingen weltweit lenken. „Man sollte nicht auf sie herabsehen. Unter ihnen finden sich hochqualifizierte Personen. Sie verlassen ihr Land nicht freiwillig. Kaum ein Deutscher wird plötzlich aufbrechen, um irgendwo in China zu leben. Niemand verlässt gerne sein Nest.“

Seit zwei Jahren erarbeitet Sansi ein Konzept für die Verfilmung von „Allein in einer fremden Welt“. Im April werden Castings stattfinden, im Sommer soll es losgehen. 25 bis 30 Drehtage hat Sansi eingeplant, die anvisierte Filmlänge liegt bei 120 Minuten.