Dackelblick und Spürnase: Szenische Lesung mit Krimi-Autor...

Autor Peter Jackob und Pantomimin Corina Ramona zeigen im Frankfurter Hof „Schack Bekker: Der gespielte Krimi“. Foto: hbz/Judith Wallerius  Foto: hbz/Judith Wallerius

Provinzkrimis mit Lokalkolorit boomen und haben vereinzelt schon den Weg ins Kino geschafft. Nun macht sich der Mainzer Kriminalschriftsteller Peter Jackob auf, seinem schlecht...

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MAINZ. Provinzkrimis mit Lokalkolorit boomen und haben vereinzelt schon den Weg ins Kino geschafft. Nun macht sich der Mainzer Kriminalschriftsteller Peter Jackob auf, seinem schlecht gelaunten (Anti)Helden, dem Ermittler „Schack“ Bekker, einen Platz auf der Bühne zu verschaffen. Auch wenn das Personal in Gestalt der Pantomimin Corina Ramona klein erscheint, bringt sie doch Gestalt und Arbeitsweise des unkonventionellen Kripo-Beamten mit komischen Gesten und Grimassen auf den Punkt.

Zwischen Hochdeutsch und Mundart wechselnd bietet Peter Jackob im Frankfurter Hof Appetithäppchen zum neuen Fall. Seit 2009 sind fünf Romane entstanden. Mit dem Kriminalkommissar „Schack“ Bekker hat er ein Mainzer Original geschaffen, dessen Alkohol umwehter Spürnase man gerne folgt. Nicht selten begibt sich der geschiedene Misanthrop auf den Holzweg, kann seine Klappe nicht halten und gerät mit Vorgesetzten in Konflikt. Nun hat er auch noch kurzfristig Rauhaardackel Bauz von seinem Kollegen Riesberg übernommen, und sein Weinvorrat geht zur Neige. Bekker muss mit Hund seine Wohnung im 5. Stock der Holzstraße verlassen und eine Fahrt zum Winzer seines Vertrauens machen.

Corina Ramina kommt dabei ganz schön ins Schwitzen, muss sie doch alle Charaktere und noch dazu den trägen Dackel darstellen. Der gelingt ihr prächtig mit treudoofem Blick und heraushängender Zunge, während sie sich für „Schack“ Bekker aufbläst, den Kopf einzieht und die Spürnase ausfährt.

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Figuren und Erlebnisse aus dem prallen Leben

Sein Atem verschlagendes Treppenhaus wird, bepackt mit Hund und Weinflaschen, zum Running Gag. Bekker gerät noch öfter aus der Puste, findet er sich doch nach seinem vom Dackel verursachten Auffahrunfall unversehens in einem Mordfall.

Anders als bei Fitzek, der nie einen seiner umständlich konstruierten Fälle preisgibt, ist Bekkers Fall schnell gelöst: Seine Unfallgegnerin hat die rechthaberische Mutter im Rollstuhl überfahren und in der Kompostgrube versenkt. Doch damit fangen Bekkers Probleme erst an: Der Ausflug mit der Enkelin in den Ingelheimer Zoo entpuppt sich als Einstieg in den zweiten Fall, der mit der Fleischlieferung für die Tiger in Zusammenhang steht. Außerdem wird Bekker der Vorteilsnahme beschuldigt ...

Peter Jackob ist ein starker, wenngleich etwas geschwätziger Leser seiner skurrilen Geschichten, bei denen die Protagonisten aus dem prallen Leben schöpfen und die Kriminalgeschichte zur Nebensache gerät. Die Figur des „Schack“ Bekker ist noch lange nicht auserzählt. Mit der torkelnd grimassierenden und über die Bühne tobenden Corina Ramona hat Jackob eine hinreißende Darstellerin gefunden.

Von Fred Balz