Fragen der Aufklärung – Neue Reihe „Dalbergakademie“...

Die „Bosporustapete“ im Schloss inspirierte zum Thema der ersten Dalbergakademie. Foto: Uhrig/Stadt Worms    Foto: Uhrig/Stadt Worms

In und am Schloss sollen die dringendsten Sanierungsmaßnahmen in einem Zeitraum zwischen fünf und zehn Jahren angegangen werden. 6,16 Millionen Euro sind für den ersten...

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HERRNSHEIM. In und am Schloss sollen die dringendsten Sanierungsmaßnahmen in einem Zeitraum zwischen fünf und zehn Jahren angegangen werden. 6,16 Millionen Euro sind für den ersten Sanierungsabschnitt veranschlagt.

Im Konzept zur Sanierung ist für die spätere Nutzung vorgesehen, einen Akademiebereich einzubauen, der sich mit Blick auf die Prägung des Ortes durch die Dalberger um 1800 mit Fragen der Aufklärung, der Anbindung der Rheinregion an Westeuropa und den besonderen Interessen der Dalberger beschäftigen soll. Der Akademiebereich soll nach dem Ausbau im Mezzanin, also im Hauptbau unterm Dach, angesiedelt werden. Die von Kulturkoordinator Volker Gallé initiierte und konzipierte Veranstaltungsreihe soll „Dalbergakademie“ heißen.

Um aber jetzt schon einen ersten Anfang in den bestehenden Räumen zu machen, soll im Blauen Saal, der auch schon bislang als Tagungs- und Konzertsaal genutzt wurde, vom 13. bis 15. August in Kooperation mit dem Orientinstitut Istanbul die erste Vortragsreihe mit dem Titel „Eine andere Türkei“ im Rahmen der „Dalbergakademie“ stattfinden.

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„Ausgangspunkt ist die Bosporustapete des Schlosses im Obergeschoss, die nicht nur zu den orientalistischen Studien Fritz von Dalbergs passt, sondern auch Raum öffnet, um im Interessenskatalog der Deutschen an der türkischen Kultur seit 1800 zu blättern“, so Gallé. Am ersten Abend werden die Erinnerungen des Soldaten Georg Steinbach aus Alzey an seine Streifzüge durch Istanbul im Jahr 1918 vorgestellt, die Ruben Gallé und Richard Wittmann im Worms-Verlag herausgeben. Das Mannheimer Smyrna-Projekt steuert Musik transkultureller Begegnungen aus Istanbul und Izmir bei. Am zweiten Abend zeigt der Kunsthistoriker Joachim Gierlichs (Berlin) anhand von Lichtbildern, wie sich im 18. Jahrhundert ein immer größeres Interesse an der türkischen Kultur entwickelte bis hin zu der Mode, sich alla Turca zu kleiden. Am dritten Abend stellt Erald Pauw (Istanbul) anhand von Lichtbildern Spuren deutscher Präsenz am Bosporus vor und Richard Wittmann vom Orientinstitut spricht über „Deutsche im osmanischen Alltag“. Alle Vorträge finden um 20 Uhr bei freiem Eintritt statt. Die neue, von der Stadt finanzierte Kulturreihe soll künftig einmal jährlich jeweils im Sommer stattfinden.

„Die Idee der Reihe ist“, so der Kulturkoordinator, „den genius loci in die Gegenwart zu transferieren“. Die Dalberger um 1800 seien der Aufklärung in der Nachfolge Rousseaus verpflichtet gewesen, sowohl Karl Theodor, Mainzer Bischof und Fürstprimas des Rheinbundes, als auch Wolfgang Heribert (Intendant des Mannheimer Nationaltheaters) sowie sein Sohn Emmerich Joseph und Fritz von Dalberg (Komponist und Orientalist). Daher und weil ihr Besitz lange Zeit im napoleonischen Frankreich lag, also linksrheinisch, hätten sie auch politisch eine Linie gesucht, die den Verfassungsgedanken der Französischen Revolution aufnahm.

„Das drückt sich auch im Empirestil des Schlosses aus. Und es ist beispielhaft für die besondere Mentalität des sogenannten dritten Deutschlands im frühen 19. Jahrhundert, zu dem auch Hessen-Darmstadt gehörte, alles Staaten mit einer frühen Verfassung, anders als Preußen und Österreich, und damit ein guter Boden für die demokratische Revolution von 1848.“ Die Dalbergakademie solle sich also mit diesen Dalbergern beschäftigen, mit der französischen Aufklärung und der besonderen politischen Mentalität des Linksrheinischen, in der Regel mit akademischen Partnern.