Darmstadt beteiligt sich am bundesweiten Warntag

Die Darmstädter Sirenen werden am kommenden Mittwoch wieder einmal getestet.

Am 8. Dezember heulen die Sirenen in der Stadt, ausgelöst in Kassel - wenn diesmal alles funktioniert.

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Darmstadt. Noch im vergangenen Jahr hätte sich niemand träumen lassen, dass Sirenengeheul hierzulande mit Krieg assoziiert werden könnte. Seit Putins Überfall auf die Ukraine ist das anders. Und man muss hoffen, dass die zahlreichen ukrainischen Geflüchteten am Donnerstag, 8. Dezember, nicht vor Schreck vom Stuhl fallen. Da heulen bundesweit und auch in Darmstadt die Sirenen. Es ist der zweite bundesweite Warntag nach 2020. Der erste ging so gründlich in die Hose, dass eine Wiederholung für 2021 abgesagt wurde.

Nun aber soll um 11 Uhr überall erneut der Sirenenalarm ausgelöst werden. Nicht, wie sonst beim üblichen Probealarm an jedem ersten Mittwoch im Quartal von der Leitstelle Darmstadt, sondern zentral. „Die Alarmierung der WarnApps und Cell-Broadcast erfolgen durch das Bundesamt für Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe”, teilt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. „Die Auslösung der Sirenen in Darmstadt erfolgt nach Vorgabe des Hessischen Innenministerium zentral über die Leitstelle Kassel.”

Anders als andere Kommunen hatte Darmstadt immer funktionierende Sirenen. Als der Bund in Perestroika-Zeiten anfing, seine Katastrophenschutzinfrastruktur abzubauen, blieb es den Kommunen überlassen, was sie mit den Alarmpilzen anfangen. Gut 100 Sirenen waren im Kalten Krieg übers gesamte Stadtgebiet verteilt. Darmstadt entschied 1992, einen Teil zu behalten.

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Heute verfügt die Feuerwehr über 32 Sirenen, davon je eine bei Evonik und bei der HSE. Dazu hat Merck ein Sirenenalarmsystem, das auf Anforderung ausgelöst werden kann. In Wixhausen stehen dann vier Sirenen, in Arheilgen und Kranichstein fünf, in der Innenstadt 19 und in Eberstadt fünf. Im laufenden Jahre kam eine Sirene hinzu, derzeit ist Nummer 33 im Aufbau. „Aktuell befindet sich die Feuerwehr mit den Eigentümern von fünf weiteren Gebäuden im Gespräch, um im Einvernehmen eine Sirene auf den Gebäuden aufstellen zu dürfen”, teilt die Stadt weiter mit. „Eine genaue Berechnung der Abdeckung ist nicht erfolgt, wir gehen davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Wohngebiete abgedeckt sind.”

Während des Alarms werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Katastrophenschutzamts sowie einige Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr im ganzen Stadtgebiet verteilt sein, „um Störungen der Sirenenalarmierung, CellBroadcast sowie WarnApps feststellen zu können” teilt die Stadt weiter mit. Hintergrundinformationen finden sich auf der Homepage des Warntags. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) teilt vorsorglich mit, dass die Erprobung des Cell-Broadcast-Systems und die Aussendung der Testnachricht durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erfolge und die Mitwirkung der Länder nicht vorgesehen sei. Im Klartext: Wenn was schiefgeht, wars der Bund. Dementsprechend weist Beuth auch darauf hin, dass nicht alle Handys eine Warnmitteilung erhalten würden - dazu müssten die neuesten Updates heruntergeladen sein.

Für eine sichere Alarmierung übers Handy empfiehlt die Stadt, regelmäßig die Einstellungen von Smartphone und WarnApps zu überprüfen und darauf zu achten, dass der eigene Standort, die Nutzung von mobilen Daten, die „Nutzung im Hintergrund” sowie die Freigabe von Push-Mitteilungen gestattet ist. Weiter heißt es, „ebenso raten wir Ihnen, sich zu überlegen, in welchen Kilometer-Radius Sie noch Warnungen empfangen möchten”. Wenn verschiedene Postleitzahlenbereiche angegeben würden, könnten auch bei Abwesenheit Warnungen im Wohnumfeld, dem Arbeitsplatz oder dem Aufenthaltsort von Angehörigen empfangen werden.

An Darmstadt lag es nicht, dass der erste bundesweite Warntag 2020 vom Bundesinnenministerium als „Fehlschlag” bezeichnet werden musste. Hier heulten alle damals vorhandenen Sirenen ordnungsgemäß bis auf eine. Und die konnte nicht, weil sie nicht angeschlossen war.

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Der erste, eine Minute dauernde, auf- und abschwellende Ton am Donnerstag ist das Signal „Warnung der Bevölkerung“. Im Ernstfall sollte das nächste geschlossene Gebäude aufgesucht, Fenster und Türen sollten geschlossen werden, teilt die Stadt mit. „Zudem sollte über Rundfunk oder Warn-Apps auf aktuelle Informationen geachtet werden.” Um 11.45 Uhr wird das Ende des Probealarms mit dem Signal „Entwarnung“ angezeigt. Das ist ein Dauerton von einer Minute Länge