Darmstadt wird grüner - neuer Grünzug im Edelsteinviertel

Entlang der Bahntrasse des Edelsteinviertels – zwischen Ostbahnhof und der Straße "Am Molkereibrunnen" – soll in den kommenden Monaten ein Grünzug enstehen, der Biodiversität und Wohlbefinden der Darmstädter fördern soll.

Entlang der Zuggleise im Edelsteinviertel soll demnächst ein Zug der anderen Art entstehen: ein Grünzug zur Förderung von Biodiversität und Lebensqualität.

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Darmstadt. Während in Frankfurt gerade ein Teil des Fechenheimer Waldes gerodet wird und auch der dort beheimatete und vom Aussterben bedrohte Heldbockkäfer dem nicht Einhalt gebieten konnte, wird Darmstadt indes immer grüner: Entlang der Bahnlinie im Edelsteinviertel ­– zwischen Ostbahnhof und der Straße „Am Molkenbrunnen“ – soll bis zum Sommer eine neue, grüne Wegeverbindung als Alternative zur Erbacher Straße entstehen: ein Grünzug auf rund 4.900 Quadratmetern.

Ein Paradies für Insekten und Eidechsen

Auf ihr sollen dann nicht nur Fußgänger in einer Art kleinem Naherholungsgebiet spazieren und Radfahrer gefahrlos und in der Natur radeln können. Auch sollen dort Bäume gepflanzt, neue Rasen- und Wiesenflächen gesät, insektenfreundliche Lampen als Beleuchtung angebracht und neuer Lebensraum für Eidechsen in Form von Steinriegeln geschaffen werden.

Die Vorstellungen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger flossen in die Planungen ein.

Michael Kolmer (Grüne) Grünflächen-Dezernent

Die Stadt hat sich viel vorgenommen und nimmt dafür rund 790.000 Euro in die Hand. Dazu gab es in der Vergangenheit einen regen Austausch zwischen der Bürgerschaft und der Stadtverwaltung. „Die Vorstellungen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger wurden aufgenommen und flossen in die Planungen ein“, blickt Michael Kolmer von den Grünen zurück. Der Dezernent für Grünflächen, Klimaschutz, Umwelt, Bau und Planung sowie Mobilität bringt bei diesem Projekt alle seine Fachgebiete unter einen Hut, denn neben Verkehr und Bauen geht es eben auch um Nachhaltigkeit, Biodiversität und die Eindämmung der Klimakrise und ihren Folgen.

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So soll mit diesem Grünzug und den angrenzenden Wiesenflächen die sogenannte „Schwammstadt“ weiterentwickelt werden: Niederschlag soll aufgefangen, gespeichert und wieder zurück in den Wasserkreislauf gebracht werden, anstatt in der Kanalisation zu landen. Damit will man dem sinkenden Grundwasserspiegel entgegenwirken und das Stadtklima verbessern.

Neben neu eingefassten Wegen werden heimische und trockenheitsverträgliche Bäume wie Feldahorn, Esche und Linde gepflanzt. Bäume, die auch mit den heißen Sommern des Klimawandels zurechtkommen können. Die Einsaat der Rasen- und Wiesenflächen sowie die Bepflanzung soll noch im Frühjahr geschehen, auf dass hier so schnell wie möglich Biodiversität gefördert werden kann und es bald summt und zwitschert.

Natur und Fitness kombiniert

Damit nicht nur die Eidechsen und die Insekten augenscheinlich etwas davon haben, werden auch Bänke zum Innehalten und Ausruhen entstehen sowie Spiel- und Sportgeräte für Groß und Klein. Darunter wird auch ein Kletterkonstrukt sein und „Calisthenics-Geräte“, an denen mit dem Eigengewicht Workouts gemacht werden können. Wer jetzt allerdings hofft, sich ganz bald schon frühlingsfit machen zu können, muss noch etwas vertröstet werden, denn die Bauphase wird vermutlich vier Monate andauern. Danach folgt außerdem eine etwa dreijährige Fertigstellungs- und Entwicklungspflege, damit die Anlage nicht nur sinnvoll ist, sondern auch schön aussieht.

Bevor nun Neues erblühen und wachsen kann, muss allerdings erst einmal etwas Strauchwerk abgemäht und einzelne Rodungsarbeiten durchgeführt werden. Vorhandene Bestandsbäume wie Weiden und Robinien sollen erhalten bleiben. Zuallererst ist jedoch eine Kampfmittelsondierung notwendig, um auszuschließen, dass sich später unschöne Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden befinden. Schließlich soll dort demnächst nur die Natur explodieren.