Umstrukturierung und Jobabbau: Windenergie-Firma Juwi in...

Das Geschäft mit Windenergie ist in den letzten Jahren deutlich härter geworden. So hart, dass die Wörrstädter Windenergiefirma Juwi kämpfen muss und mit Umstrukturierung...

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WÖRRSTADT/WIESBADEN. Die Stimmung ist schlecht in der deutschen Windbranche, die Unruhe in vielen Belegschaften groß. Seit Anfang des Jahres sind nach Angaben der IG Metall bundesweit bereits mehr als 2000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Der Grund ist die Umstellung der Projektvergabe auf Ausschreibungen im vergangenen Jahr. Dadurch sinken die Margen, steigt der Kostendruck.

Windenergieausbau wird deutlich gedrückt

Aber noch wichtiger: Mit der Umstellung wird der jährliche Ausbau der Windenergie im Binnenland hierzulande auf eine Gesamtleistung von maximal 2800 Megawatt gedrückt. Das entspricht gut 1000 Windrädern. In den vergangenen vier Jahren lag der Durchschnitt bei einem jährlichen Zubau von mehr als 4500 Megawatt.

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Während der Zubau 2017 und auch 2018 auf Grund von Windprojekten, die noch vor 2017 nach der alten Gesetzgebung genehmigt wurden, über dem Durchschnitt liegt, wird die Deckelung von 2800 Megawatt Gesamtleistung 2019 nach Erwartungen der Branche erstmals voll durchschlagen. Konsequenz: Nach Angaben der IG Metall erwarten 65 Prozent der Betriebsräte in der Branche eine negative Marktentwicklung. Das sei der schlechteste Wert seit Jahren.

Das hinterlässt auch bei Juwi im rheinhessischen Wörrstadt Spuren. Wie die Tochter des Mannheimer Energieversorgers MVV entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigt, sieht sich der Projektentwickler von Wind- und Solarstromanlagen zu tief greifenden Umstrukturierungen genötigt. Personalabbau inklusive. Bundesweit rund 70 Mitarbeiter müssen nach Angaben von Juwi-Sprecher Christian Hinsch gehen beziehungsweise sind bereits gegangen. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf den aktuell rund 600 Mitarbeiter zählenden Unternehmenssitz in Wörrstadt. Im Gegenzug entstehen einige neue Jobs im Service- und Wartungsbereich.

Nach den Abbaurunden der vergangenen Jahre hat sich mit den neuen Maßnahmen der Personalbestand in Wörrstadt seit den Hochzeiten der Firma in etwa halbiert. 2012 beschäftigte Juwi am Sitz noch rund 1100 Beschäftigte. Der neuerliche Jobabbau verteilt sich laut Hinsch zu je etwa der Hälfte auf das direkte Projektgeschäft und die nachgelagerten Verwaltungsbereiche.

Konkurrent Abo Wind baut weiter Personal auf

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Der Wiesbadener Konkurrent Abo Wind hingegen baut weiter Personal auf. „Das wachsende Auslandsgeschäft und das zunehmende Solar-Engagement überwiegen den marginalen Rückgang bei der deutschen Windkraftplanung“, erklärt Sprecher Alexander Koffka auf Nachfrage. In den vergangenen zwölf Monaten sei die Belegschaft um 20 Prozent auf rund 500 Mitarbeiter gestiegen.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es bei Juwi nach Angaben von Hinsch nicht geben. Eine Reihe von Mitarbeitern hätten sich bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne einen anderen Job gesucht, andere hätten Aufhebungsverträge in Anspruch genommen. „Mit den Umstrukturierungen sehen wir unser Unternehmen für die Zukunft gut und effizient aufgestellt“, so der Sprecher. Weiterer Personalabbau sei nach jetzigem Stand nicht geplant.

Im Zuge der Umstrukturierung stellt Juwi den Angaben zufolge auch die Organisation seines deutschen Projektgeschäfts auf den Kopf – der regionalen folgt eine bundesweite Ausrichtung – und verschlankt die Firmenstruktur. Dazu wurden unter anderem die Projektgesellschaften Juwi Energieprojekte (Inland) und Juwi International auf die Holding verschmolzen. Darüber hinaus will das Unternehmen laut Hinsch an alte Zeiten anknüpfen und das Solargeschäft in Deutschland wieder forcieren. Mit Mega-Solarparks im Heimatmarkt war Juwi bekannt und groß geworden.

Zudem soll das Unternehmen im Ausland künftig nicht nur als Dienstleister für andere Firmen, sondern stärker als eigenständiger Projektentwickler auftreten. Hoffnungen ruhen auch auf dem boomenden Geschäft mit Solarprojekten zur Energieversorgung von Minen.