66-jähriger Bensheimer will Kilimandscharo besteigen

Flott zu Fuß - fleißig trainiert hat Ewald Schilberz im Vorfeld seiner Reise an der Bergstraße und im Allgäu. Foto: Sascha Lotz

"Ich denke über dieses Projekt schon seit zehn Jahren nach. Vor ein paar Monaten habe ich mich gefragt: Wenn nicht jetzt, wann dann?", erklärt Ewald Schilberz.

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BENSHEIM. Im Laufe seines Lebens hat Ewald Schilberz schon so einige Gipfel erklommen - sinnbildlich wie auch in der Realität. Denn der 66 Jahre alte Bensheimer hatte schon immer ein Faible für die Natur, im Speziellen Berge und ihre Landschaft. Allgäu sowie Alpen kennt er bestens und auch die Wahl des Lebensmittelpunkts an der Bergstraße kommt nicht von ungefähr. Doch ein Gipfel hat es ihm besonders angetan: der Kilimandscharo.

"Ich denke über dieses Projekt schon seit zehn Jahren nach", erklärt er. "Doch aus beruflichen Gründen war dafür nie Zeit." Mit Projekt bezeichnet Schilberz die Besteigung des höchsten Bergs Afrikas - und zwar ohne zusätzliches Atemgerät. "Dieser Gipfel im Nordosten Tansanias hat mich schon immer gereizt", schwärmt Schilberz. "Vor ein paar Monaten habe ich mich gefragt: Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Der Zeitpunkt des Planungsbeginns ist insofern günstig, als dass der studierte Sportwissenschaftler gerade sein Unternehmen - ein auf Sportreisen und Trainingslager spezialisierter Reiseveranstalter - nach drei Jahrzehnten verkauft hat. "Angefangen hatte ich nach meinem Referendariat in Bensheim mit einem Reiseveranstalter für Schülerreisen", erklärt er. "Ein paar Jahre später folgte das zweite Unternehmen."

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Zwar ist er nach dem Verkauf an den größten Reiseveranstalter aus dem Triathlon-Segment nach wie vor Vollzeit als Geschäftsführer tätig - in Summe kann er es jedoch etwas ruhiger angehen lassen. "Oft genug habe ich diesen Plan verschoben", so Schilberz. "Damit ist Schluss."

Dass ein derart ambitioniertes Unterfangen überhaupt möglich ist, liegt an der guten Verfassung des Bensheimers. "So etwas kann man nur machen, wenn man zwei bis drei Mal pro Woche aktiv ist", versichert er. "Ich halte mich mit Laufen sowie Mountainbiken fit und gehe zudem wandern." Denn Schilberz weiß: "Auf so einen hohen Gipfel kommt nicht jeder."

Entsprechend vorausschauend waren die Planungen für seine Reise - nicht nur beim körperlichen Training. "Die Ausrüstung ist das A und O", so Schilberz. "Da man knapp eine Woche keine Dusche hat, braucht man spezielle Woll-Unterbekleidung", lautet eines der kleineren Probleme. "Und dann geht es los: wasserdichte Jacke sowie Hose, alpinfähige Wanderschuhe, Handschuhe, Handtücher, Rucksack, Stirnlampe und und und."

Bei der Ausrüstung waren schnell 2000 Euro erreicht. "Man darf allerdings nicht am falschen Ende sparen", weiß Schilberz. "Zwar ist es auf dem Kilimandscharo mit sieben bis acht Grad minus noch vergleichsweise mild - es kann aber auch schlimmer kommen." Ganz banal benötigt man bei Minusgraden allein schon eine gute Thermoskanne, damit das Trinkwasser flüssig bleibt.

800 Höhenmeter müssen täglich erklommen werden

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Mit sieben bis acht Kilogramm auf dem Rücken geht es so Richtung Gipfel. Zwei Träger schleppen die restlichen Utensilien den Berg hinauf - jeder noch mal je zwölf Kilogramm. Um die 800 Höhenmeter müssen pro Tag geschafft werden, dass der Aufstieg in maximal sieben Tagen erfolgen kann.

Ewald Schilberz hat Glück - er teilt die Leidenschaft fürs Bergsteigen mit seiner Partnerin. "Sie hatte den gleichen Traum, den wir uns nun gemeinsam erfüllen", erklärt er. Ein Konflikt droht dabei nicht: "Wir haben im Vorfeld ausgemacht, dass falls einer umkehren muss und keine Lebensgefahr besteht, der andere weitergeht."

Vor einigen Tagen begann das Abenteuer. Wenn alles nach Plan läuft, steht er am Freitag auf dem Dach Afrikas. "Wir werden gegen Mitternacht loslaufen, damit wir zum Sonnenaufgang oben sind", sagt er. "Dann bleiben uns 20 Minuten auf dem Gipfel." 20 Minuten, für die sich die Strapazen und knapp 6500 Euro pro Person lohnen. "Definitiv", versichert Ewald Schilberz voller Vorfreude.