Sonderweg in Sonderbach

Unterwegs am Kreiswaldweg in Sonderbach: Zwei weiße Eimer (rechts) laden Spaziergänger dazu ein, den Kaulquappen im Tümpel Wasser aus dem nahe gelegenen Bach zu bringen. Foto: Dagmar Jährling

Familie Langer hat eine tolle Idee: Um einen Laichtümpel im Wald vor dem Austrocknen zu bewahren, hängt man zwei Eimer auf. Aus dem nahen Bach können Spaziergänger Wasser holen.

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SONDERBACH. Der Vorsitzende des Naturschutzbunds Heppenheim (Nabu), Günther Hagemeister, hat am Kreiswaldweg im Wald bei Sonderbach eine tolle Entdeckung gemacht. „Dort haben Naturfreunde an einem Laichtümpel von Amphibien, der sicherlich bald austrocknet, zwei kleine Eimer aufgehängt und bitten vorbeikommende Wanderer, den Kaulquappen Wasser aus dem nahen Bach zu geben“, berichtet Hagemeister. Der Naturschützer ist begeistert und findet die Idee nachahmenswert. „Vielleicht finden sich auch anderswo Helfer für die vom Klimawandel bedrohten und durch die Trockenheit extrem gefährdeten Amphibien“, hofft Hagemeister.

Wer in Sonderbach vom Kreiswaldweg am Holzplatz vorbei in den Wald geht und dann den ersten Wanderweg rechts abbiegt, sieht links ein seichtes Gewässer, rechts des Weges plätschert das Wasser eines Zulaufs zum Sonderbach in einem schmalen Bachbett. Es ist also ein Leichtes, mit kleinen Plastikeimern aus diesem Bach Wasser hinüberzutragen und den Tümpel vom Austrocknen zu bewahren.

Hagemeister schickte Fotos der Stelle, versehen mit den beiden kleinen Plastikeimern, über den Verteiler für den Nabu-Vorstand, verbunden mit der Vermutung, es könne sich bei der Aktion um Kinder handeln.

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Mehr darüber weiß Silvia Fusch, Nabu-Ansprechpartnerin für die Krötenrettung in der Region. „Familie Langer hatte diese supergute Idee, die ich so bei uns in der Gegend noch nie gesehen habe. Das ist eine sehr schöne Geste, dass Tierschützer auf so eine Idee kommen“, erklärt Fusch. Den ersten Grasfroschlaich, runde Ansammlungen eines transparenten Laiches mit kleinen schwarzen Pünktchen drin, hat die Krötenexpertin bereits entdeckt. Die Arbeit des Wasserauffüllens lohne sich also, ist sie sich sicher.

Gudrun Langer, ihr Mann Wolfgang und die erwachsene Tochter Laura gehen öfters auf diesem Weg mit ihrem Labrador Sammy spazieren. „Uns ist schon vor einigen Jahren aufgefallen, dass der Tümpel austrocknet“, erläutert Gudrun Langer. Die Aktion mit den Eimern würden sie schon seit drei Jahren machen. „Erst haben wir beim Gassigehen Eimer mitgenommen, dann kam uns die Idee, sie dort aufzuhängen, um Spaziergänger darum zu bitten, den Tümpel aufzufüllen“, berichtet Gudrun Langer. Die Familie hat auch schon eine Arbeitsteilung, wenn sie abends beim Spaziergang das Gewässer erreichen. „Wir bilden dann eine Dreierkette vom Bach zum Tümpel.“

Aufgrund eines Berichts in dieser Zeitung nahm Langer Anfang dieses Jahres Kontakt mit Fusch auf und hilft seitdem beim Krötenretten auch an anderen Stellen, beispielsweise in Mittershausen und Wald-Erlenbach.

Schon im vergangenen Jahr äußerte Hagemeister gegenüber dieser Zeitung die Befürchtung, dass Molche, Kröten und Frösche in der Region verschwinden könnten, weil aufgrund der langen und frühen Trockenperiode die Tümpel schon zur Laichzeit auszutrocknen drohen. Beobachtet wurde dies etwa am Hermann-Löns-Weg in Richtung Freilichtbühne, wo eine Quelle sich in einen Tümpel ergießt und es ein größeres Vorkommen an Feuersalamander gibt. „Gerade die bedrohten Arten wie Gelbbauchunke, Kreuz- und Wechselkröte, die für ihre Vermehrung auf kleine, flache Gewässer angewiesen sind, leiden als Klimaverlierer ganz besonders unter der Trockenheit“, so Hagemeister.

Es zeige sich immer mehr, dass die Amphibienreproduktionen aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen Frühjahrstrockenheit fast nur noch in permanent Wasser führenden Teichen und Tümpeln stattfinden, erläutert der Vorsitzende. Diese Konzentration auf wenige Gewässer berge große Gefahren. Durch Krankheit (Salamanderpest) oder Schadstoffeintrag könnten ganze Populationen verloren gehen.

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Um die traditionellen Amphibiengewässer zu erhalten, soll durch Ausbaggern und Abdichten der Tümpel oder demnächst durch Einbringung von Stahlwannen den Tieren ein Überleben in der Fläche ermöglicht werden.