Alle Töne sind wieder da

Monika Volk spielt die renovierte Orgel in der evangelischen Kirche von Lorsch.Foto: Thorsten Gutschalk  Foto: Thorsten Gutschalk

Gut, dass das jetzt passiert. Der Loriot-Leitspruch passte zur „musikalischen Präsentation“ der reparierten Orgel in der Lorscher evangelischen Kirche am Sonntag. Während...

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LORSCH. Gut, dass das jetzt passiert. Der Loriot-Leitspruch passte zur „musikalischen Präsentation“ der reparierten Orgel in der Lorscher evangelischen Kirche am Sonntag. Während Propsteikantor Konja Voll die Vorzüge des Instruments vor rund 80 Zuhörern am klingenden Beispiel erläuterte, stellte sich ein Dauer-Pfeifton ein. Ein Teil der runderneuerten Mechanik hatte sich ausgehängt und konnte nur unter tätiger Mithilfe des, gottlob, zu den Zuhörern zählenden Bensheimer Orgelbaumeisters Andreas Ott wieder fixiert werden.

Ansonsten war es ein ungetrübtes Vergnügen am Ende einer kirchenmusikalischen Fastenzeit für Lorschs Protestanten. Mitte Januar bis Mitte März hatten Spezialisten der schwäbischen Orgelbaufirma Mühleisen das 1960 eingeweihte Instrument der Orgelbaufirma Oberlinger in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut. Das heißt schon etwas bei allein 1200 auf 16 Register verteilten Pfeifen; die kleinste misst drei Zentimeter, die größte gut fünf Meter.

Nötig war der Aufwand, wie Pfarrer Thomas Blöcher erklärt. „Es haben Töne gefehlt, und auch die Stimmung war nicht mehr in Ordnung.“ Selbst das Manual sei uneben gewesen. Letzteres ist freilich wie das gesamte Äußere der Orgel erhalten geblieben. Ausgetauscht und saniert wurde ausschließlich die Technik im Inneren: Windlade und mechanische Traktur etwa.

„Die Grundsanierung der Orgel stand schon seit fünf, sechs Jahren an“, erläuterte Pfarrer Blöcher dieser Zeitung. Dass sie jetzt im Reformations-Gedenkjahr erfolgte, hat immerhin einen Marketing-Effekt. Denn so konnte das Eröffnungskonzert unter dem Titel „Frisch gestimmt ins Lutherjahr“ angepriesen werden. Neben Konja Voll musizierten die Haus-Organisten Monika Volk und Alexander Knauf.

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Der Propsteikantor erklärte die Orgel als Ganzes oder die Klang-Charakteristik verschiedener Pfeifentypen. Dafür boten sich Variationen über ein holländisches Volkslied an. Thomas Blöcher las zwischen den Stücken passende Texte: etwa aus dem 150. Psalm, in dem es um Instrumente geht, mit denen Gott gepriesen werden kann. Unversehens kam das Publikum zudem in den Genuss einer viertelstündigen Pause – der Panne wegen.

Während der Reparaturzeit des 1959 bis 1960 gebauten Instruments diente eine Truhenorgel als Ersatz. Sie gehört dem evangelischen Dekanat Bergstraße und steht für gewöhnlich in der Bensheimer Michaelskirche. Wie andernorts kam sie in Lorsch als „Notorgel“ zum Einsatz, wie Pfarrer Blöcher sagt.

Finanzieller Kraftakt noch nicht abgeschlossen

Jetzt ist die Hauptorgel wieder im Einsatz, auch wenn es einiges gekostet hat. Auf 40 000 Euro beziffert die evangelische Kirchengemeinde die Kosten der Renovierung, an die sich selbstverständlich eine Stimmung anschloss. Zehn Prozent übernimmt die evangelische Landeskirche, über weitere Fördermittel wird derzeit verhandelt. Ein Teil vom großen Rest soll durch Spenden gedeckt werden, und da war der Sonntag schon einmal ein guter Anfang: 360 Euro kamen beim Konzert zusammen, für das kein Eintritt verlangt worden war. Das ist schon einmal fast ein Prozent der Gesamtsumme, wie der als Kirchen-Finanzexperte geltende Pfarrer Blöcher rasch vorrechnete.

Von Christian Knatz