Lorsch wächst im Norden

Melanie Pürkner, Ralf Sadowski, Zabi Naser und Krisztian Szekely inmitten des ersten von drei Bauabschnitten des Lorscher Wohngebiets „Bitzheimer Berg“. Foto: Karl-Heinz Köppner  Foto: Karl-Heinz Köppner

Während der Abriss der Sandhas-Ruine für ein Neubau-Quartier in Lorsch viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist in nicht einmal einem Kilometer Entfernung ein wesentlich...

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LORSCH. Während der Abriss der Sandhas-Ruine für ein Neubau-Quartier in Lorsch viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist in nicht einmal einem Kilometer Entfernung ein wesentlich größeres Projekt gereift: Auf annähernd zwei Hektar Fläche entsteht im Nordwesten der Stadt das Wohngebiet „Bitzheimer Berg“. Bis Februar 2019 will der Frankfurter Bauträger Wilma Süd auf dem Areal, auf dem sich das Autohaus Blust und weitere Gewerbeimmobilien befanden, 55 Doppel- und Reihenhäuser sowie je zwei Zweifamilien- und Mehrfamilienhäuser (vier Wohneinheiten) errichtet haben.

Melanie Pürkner, Ralf Sadowski, Zabi Naser und Krisztian Szekely inmitten des ersten von drei Bauabschnitten des Lorscher Wohngebiets „Bitzheimer Berg“. Foto: Karl-Heinz Köppner  Foto: Karl-Heinz Köppner
Im Sommer sollen die ersten Gerüste im Lorscher Baugebiet „Bitzheimer Berg“ verschwinden. Foto: Karl-Heinz Köppner  Foto: Karl-Heinz Köppner

Der erste von drei Bauabschnitten ist weit fortgeschritten, die ersten Käufer werden voraussichtlich im November einziehen. „Das Wetter hat gepasst“, sagt Krisztian Szekely, der zusammen mit Zabi Naser die Bauleitung hat. Der erste Bauabschnitt umfasst den westlichen Teil des Geländes, der über die noch zu bauende „Bibliser Straße“ an die Straße „In der Wolfshecke“ angeschlossen wird. Im ersten Einfamilienhaus beginnen heute Elektriker und Installateure mit der Arbeit; nebenan ist die Baugrube für ein Mehrfamilienhaus ausgehoben, das Ende März 2018 bezugsfertig sein soll.

„Das hat sich super verkauft“, erzählt Melanie Pürkner, Projektleiterin bei Wilma; alle Wohneinheiten seien vergeben. Ähnliches sei zu erwarten für den südlich Richtung Bensheimer Straße angrenzenden zweiten Bauabschnitt, für den der Verkauf begonnen hat und dessen Fertigstellung für den Sommer 2018 geplant ist. Danach wird das Gebiet zur Einhäuser Landstraße hin bebaut.

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Alles zusammen investiert Wilma Süd 23 Millionen Euro auf dem „Bitzheimer Berg“, dessen Name der Lorscher Heimat- und Kulturverein als historische Reminiszenz an eine verschwundene Sanddüne empfahl.

Sämtlichen Gebäuden gemein sind die Energieversorgung durch ein Biogas-Blockheizkraftwerk, die massive Bauweise und der variable Zuschnitt, der laut Pürkner auf Familien zielt. Kapitalanleger seien unter den Käufern die Minderheit. Auf Wunsch der Stadt Lorsch soll ansonsten eine eingehegte Vielfalt im neuen Wohngebiet herrschen. „Wir bauen ein buntes Viertel“, sagt Ralf Sadowski, Leiter von Projektentwicklung und Vertrieb beim Bauträger.

Im Bebauungsplan und im städtebaulichen Vertrag zwischen Investor und Stadt seien Standards gesetzt, die Eintönigkeit vermeiden sollen, anarchische Vielfalt wie im benachbarten Wohnviertel Viehweide aber auch. Für den ersten Bauabschnitt etwa sind Terrakotta-Töne als Leitfarbe vorgeschrieben, der zweite wird von Lindgrün geprägt, wobei der Farbauftrag im Detail individuell verschieden ist. Zu den Walm-, Pult- und Flachdächern der ersten beiden Teilgebiete treten im dritten Satteldächer hinzu. Die Firsthöhe von 10,50 Metern wird in keinem Fall überschritten.

Landflucht eines Investors

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„Wir haben sie eigens für Lorsch entwickelt“, merkt Sadowski zu den auf dem Bitzenheimer Berg gebauten Haustypen an. „Optima“ und „Optimus“ heißen zwei Doppelhaushälften, „Filio“ ein Reihenhaus, „Genius“ ein Zweifamilienhaus. Durchweg vorgegeben war ein sogenannter Rücksprung, eine Verjüngung des Dachgeschosses, das auf zwei Vollgeschossen liegt. „Dadurch wirkt ein Haus nicht klobig“, erläutert Melanie Pürkner. Aufmerksamkeit heischen auch übers Eck gehende Fenster in einigen Häusern, Vordächer und Eingänge auf der Seite.

Kein Thema für Stadt und Investor ist sozialer Wohnungsbau auf dem exakt 19 445 Quadratmeter großen Areal. Nach Einschätzung der Wilma-Verantwortlichen bietet sich der Bitzheimer Berg dafür auch nicht an. Dafür wird solvente Kundschaft sogar aus Frankfurt angezogen. „In Frankfurt ist der Markt total überhitzt“, sagt Ralf Sadowski. „Deshalb suchen wir nach guten Standorten in der Umgebung.“

Beworben werde der Bitzheimer Berg als extrem verkehrsgünstig gelegene Wohngegend zwischen zwei Metropolregionen. Lärm von A 67 und B 47 sei schon wegen der Dreifach-Verglasung kein großes Thema. Baulärm und Beschwerden der Nachbarn übrigens auch nicht. „Da gibt es null Probleme“, berichtet Bauleiter Szekely. Bei Heizung, Elektrik und Gerüstbau kann er auf Handwerker aus der Region zurückgreifen.

Von Christian Knatz