Rundgang zu Lorscher Kreuzen

Sandsteinkreuze in Lorsch wurden beim Rundgang angesteuert, den die Kolpingfamilie organisiert hatte.Foto: Hans-Jürgen Brunnengräber  Foto: Hans-Jürgen Brunnengräber

(grä). Das Rathaus, Fachwerkbauten am Marktplatz, die Pfarrkirche St. Nazarius, das Pfarrhaus und das Palais von Hausen sind stadtbildprägende Bauten aus dem 18....

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LORSCH. (grä). Das Rathaus, Fachwerkbauten am Marktplatz, die Pfarrkirche St. Nazarius, das Pfarrhaus und das Palais von Hausen sind stadtbildprägende Bauten aus dem 18. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen aber auch Kreuzigungsgruppen und Wegkreuze, beachtet werden sie jedoch kaum. „Diese Denkmäler haben etwas mit Lorscher Bürgern und ihrer Geschichte zu tun. Wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt und nicht darüber spricht, geht viel Wissen verloren“, ist Peter Dorn, Heimatforscher und begnadeter Erzähler lokaler Geschichten überzeugt. Mit seinen fast 87 Jahren hat er jetzt Informationen zu Kreuzdarstellungen in Lorsch zusammengetragen, die er gemeinsam mit Pfarrer Hermann Differenz und Günter Schmitt bei einem Rundgang vorstellte.

Die Grundsteinlegung erlebte er nicht mehr

Obschon viele Generationen von Kirchenbesuchern und Touristen auf seinem Grab gestanden haben, ist nur den wenigsten der Name des Lorscher Pfarrers Christoph Balthasar Rauth (1695–1724) ein Begriff. Dessen letzte Ruhestätte befindet sich an der Apsis der katholischen Kirche. Sein Grabstein ziert den Sockel der dortigen Kreuzigungsgruppe. Die lateinische Inschrift besagt, dass der Pfarrer im Schatten des Kreuzes beigesetzt wurde. Rauth, der sich für den Bau der Pfarrkirche eingesetzt hatte, starb kurz vor ihrer Grundsteinlegung. Bis 1800 befand sich der Lorscher Friedhof rund um die Pfarrkirche. Im Norden reichte er bis zur Kirchstraße. Die Gebäude der Karolinger-Schule wurden im 19. Jahrhundert auf dem ehemaligen Friedhof errichtet.

In früheren Zeiten standen Kreuze und Bildstöcke an Weggabelungen oder Abzweigungen. Im Jahr 1792 wurde in der Nibelungenstraße ein Steinkreuz errichtet, das nach Erkenntnissen der Heimatforscher in unmittelbarer Nähe des wohl ältesten Lorscher Gemarkungskreuzes aufgestellt wurde.

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So gibt es Überlieferungen, die schon 770 ein Holzkreuz am Bürstädter Weg verorten. Vermutlich habe der Lorscher Wald damals noch bis zur heutigen Heinrichstraße gereicht. Entlang diesem Waldrand sei der Weg der Einhäuser Kirchgänger verlaufen, berichtete Dorn.

Eine der auffälligsten Kreuzigungsgruppen steht in der Bahnhofstraße. Sie wurde 1772 vom Schmiedemeister Anton Wiest und seiner Frau Magdalena errichtet. Schriftliche Hinweise über den Grund gibt es nicht. Peter Dorn wusste aber von einer mündlichen Überlieferung zu berichten, die er seiner Großmutter Eva Dorn (1866–1954) zu verdanken hat. Das Ehepaar Wiest, das in unmittelbarer Nähe der Kreuzigungsgruppe eine Bauerei und Schmiede betrieben hatte, habe das Denkmal als Dank dafür gestiftet, dass sein Viehbestand von Seuche verschont geblieben sei.

„Ein Kreuz in der Dorfmitte sollte alle Dorfbewohner täglich daran erinnern, christliche Werte zu leben, Verantwortung dem Nächsten gegenüber zu praktizieren, Gerechtigkeit und soziales Miteinander zu leben und Notleidende zu unterstützen“, sagte Günter Schmitt am Kreuz auf dem Lorscher Marktplatz. Bis in der 1920er Jahre stand dieses Kreuz in der Mitte des Marktplatzes. Danach erhielt es seinen heutigen Standort zwischen der Klosterapotheke und dem Haus Lorbacher. Diesen Standort soll es auch nach der geplanten Öffnung des Marktplatzes in Richtung Norden behalten.