Museumsschätze: In Crumstadt steht die Zeit still

Die restaurierte Kirchturmuhr ist die neueste Ergänzung der Dauerausstellung im Heimatmuseum Crumstadt. Und sie läuft nur zu besonderen Anlässen – aus einem ganz bestimmten Grund.

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CRUMSTADT. Auf der alten Kirchturmuhr mit ihren goldenen Zeigern und Ziffern auf schwarzem Hintergrund ist es kurz vor drei Uhr. Das wirkt zwar etwas seltsam, schließlich ist es gerade mal 10.15 Uhr, hat aber nichts mit Altersgebrechen oder technischen Ungenauigkeiten zu tun. Dafür aber viel mit Schwerkraft und fehlender Tiefe. Denn die mechanische Räderuhr wird mit einem Gewicht angetrieben. „Im Kirchturm hatte sie die gesamte Höhe des Turms zur Verfügung, sodass der Küster sie nur jeden Morgen aufziehen musste. Bei uns im Museum ist das Gewicht aber in zwei Stunden auf dem Boden“, erklärt der Leiter des Heimatmuseums im alten Schulgebäude auf der Poppenheimer Straße 3, Fritz Schellhaas. Deshalb läuft die alte Kirchturmuhr nur bei Vorführungen, ansonsten wird das Pendel angehalten.

Die restaurierte Kirchturmuhr ist die neueste Ergänzung der Dauerausstellung in zwei ehemaligen Klassenzimmern im ersten Stock – sehr zur Freude der Schulkinder, die staunend vor dem imposanten Räderwerk mitsamt Geläut stehen, erzählt Schellhaas. Bei solchen Gelegenheiten läuft die Uhr natürlich auch, gehen die Propeller zur Kühlung an und schlägt das Geläut zur halben, vollen Stunde – und meistens auch zur Viertelstunde, wie der „Uhrenbeauftragte“ des Museums, Reinhard Krockenberger, erzählt. Wie alt die mechanische Turmuhr der Turmuhrenfabrik Philipp Hörz aus Ulm ist, weiß niemand genau, berichtet der Museumsleiter. „Aber mindestens 300, 400 Jahre.“

1955 erhielt die evangelische Kirche, die dieses Jahr 425 Jahre Kirchweih feiert, auf das hartnäckige Betreiben des damaligen Pfarrers Walter eine elektrische Turmuhr. „Er hatte wegen der Kosten große Diskussionen mit der politischen Gemeinde, die zu dem Zeitpunkt Eigentümerin des Turms war“, weiß Schellhaas. Der Pfarrer setzte sich schließlich durch, der Kirchturm erhielt ein elektrisches Zeitmessgerät und das alte mechanische Uhrwerk landete auf dem Speicher des Heimatmuseums.

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Als schließlich vor drei Jahren das Kirchendach saniert werden musste, überließ die Kirchengemeinde dem Museum das Zifferblatt. „Wir sagten uns, dass gibt es nicht – jetzt haben wir das Zifferblatt und das Uhrwerk, da müssten wir doch was machen können“, berichtet der Museumsleiter. Also nahmen die Mitglieder des Fördervereins für Heimat und Geschichte, der das Museum pflegt, Kontakt zu Uhrmachermeister Jörgen Meyer aus Usingen auf. „Der hat uns ein gutes Angebot gemacht und uns auch das Gestell gebaut“, erzählt Schellhaas. Schließlich wurde die alte Turmuhr im Museum aufgebaut. Und am Fuß der Uhr lugt sogar der alte Wetterhahn der Kirche zwischen dem schwingenden Pendel hervor.

Von Anke Mosch