Turm fällt mit Verspätung: Schornstein-Sprengung auf...

Der Schornstein fällt. Foto: Sascha Kopp

19.53 Uhr am Freitag war es soweit. Sprengung. Und der Schornstein fällt. Abschied vom riesigen Turm auf dem Heiligkreuzareal in Mainz.

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MAINZ. 19.53 Uhr am Freitag war es soweit. Sprengung. Und der Schornstein fällt. Abschied vom riesigen Turm auf dem Heiligkreuzareal in Mainz. Auf dem ehemaligen IBM-Firmengelände soll ein neues Wohnquartier entstehen.

Es scheint, als habe sich der Schornstein gegen sein Schicksal gewehrt. Drei Versuche brauchte es am Freitag, um den Schornstein des früheren IBM-Heizwerkes zu Fall zu bringen. Punkt 13 Uhr ertönte das erste Mal die Sirene zur Sprengung des gut 60 Meter hohen Turms. Es folgten: ein lauter Knall, herumfliegende Betonbrocken, ein Moment angespannten Wartens und dann – nichts. Der Turm blieb standhaft. Ratlose Gesichter bei Journalisten und Bauarbeitern. Eigentlich hätte der Schornstein „wie beim Baumfällen“ nach vorne kippen sollen, erklärte Jens Grützner von den Stadtwerken. Dafür sollte ein Keil aus dem Sockel des Turmes herausgesprengt werden. Mit einer zweiten Sprengung wolle man den Turm jetzt zu Fall bringen, so Grützner.

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Nach gut einer Stunde ertönte erneut die Sirene. Wieder ein Knall – und wieder nichts. Auch von der zweiten Sprengung zeigte sich der Schornstein sichtlich unbeeindruckt. „Es gab schon Tage, da ging es mir besser“, räumte Bauingenieur und Sprengmeister Simon Zeller ein. Dabei sei die erste Sprengung noch genau nach Plan verlaufen. Mit gut 6,5 Kilogramm Sprengstoff habe man wie vorgesehen den Keil in den Schornstein gesprengt, dabei aber wohl einen vorgesehenen Fallschlitz verschüttet. Über den hätte der Schornstein abrutschen sollen.

Den Schlitz mit weiteren 1,5 Kilo Sprengstoff freizusprengen sei dann fehlgeschlagen. Um den Keil zu vergrößern mussten dann neue Bohrlöcher gesetzt werden, sodass erst um 19.53 Uhr eine dritte Sprengung erfolgen konnte – dieses Mal mit Erfolg. Wieder ein Knall, wieder flogen Betonteile umher, eine Staubwolke stieg auf und endlich, ganz langsam kippte der Schornstein nach vorne, nahm Fahrt auf, bis er mit einem lauten Rumms auf dem Boden aufschlug. „Jetzt bin ich schon erleichtert“, sagte Sprengmeister Zeller nach dem geglückten dritten Versuch. Bei über 100 Sprengungen, die er bereits durchgeführt habe, sei ihm so etwas noch nie passiert, erzählte er. Eine Gefahr sei von dem Schornstein allerdings zu keiner Zeit ausgegangen.