Zum Ferienstart drohen Staus auf den Autobahnen, aber generell...

Zum Ferienstart drohen Staus auf den Autobahnen, aber generell ist jetzt weniger los auf den Strecken in Rhein-Main. Symbolfoto: dpa

In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben die Sommerferien begonnen, und der ADAC malt ein schwarzes Bild für die Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet: An den nächsten elf...

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RHEIN-MAIN. Rund um Frankfurt ist wieder mal alles rot. Rot auf der ADAC-Karte bedeutet: besonders staubelastete Autobahnabschnitte. In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben die Sommerferien begonnen, und der Verkehrsclub malt ein schwarzes Bild: "Für Autofahrer brechen jetzt schlimme Zeiten an", heißt es in einer Mitteilung. An den nächsten elf Wochenenden komme ohne Staus "nun keiner mehr durch", denn nach und nach folgen die Ferien in anderen Bundesländern. Hessen und Rheinland-Pfalz sind Transitländer. Betroffen sind vor allem das Frankfurter Kreuz und die A 5.

Der ADAC hat natürlich recht und Sommerbaustellen gibt es auch noch - etwa auf dem Mainzer Ring (A 60). Aber die Ferien haben auch eine sonnige Seite: Auto-Pendler, die nicht im Urlaub sind, leben entspannter und haben die Aussicht auf Zeitersparnis beim Arbeitsweg.

"Wir haben auf den Pendlerstrecken ungefähr zehn Prozent weniger Verkehr während der Ferienzeiten", sagt Frauke Werner, Sprecherin der hessischen Verkehrsbehörde Hessen Mobil. Die Reisenden würden den Berufsverkehr kaum belasten, weil sie auf andere Zeiten auswichen.

"Die A 5 ist die Hauptreiseroute", sagt Werner. Andere Autobahnen dagegen haben mit dem Reiseverkehr kaum etwas zu tun, etwa die A 66 zwischen Frankfurt und Mainz/Wiesbaden. Aber viel befahren sind alle Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet, wie ein Vergleich zeigt: Während bundesweit durchschnittlich rund 51.000 Fahrzeuge binnen 24 Stunden auf Autobahnen unterwegs sind, sind es im Rhein-Main-Gebiet mehr als doppelt so viele, nämlich 130.000. Spitzenreiter ist mit 368.000 Fahrzeugen das Frankfurter Kreuz, wo sich A 5 und A 3 treffen. 138.000 Fahrzeuge sind es auf der A 5 zwischen Frankfurter Flughafen und Darmstadt, 114.000 auf der A 66 zwischen Main-Taunus-Zentrum und Wiesbaden/Mainz.

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Zehn Prozent weniger: "Das macht schon etwas aus", sagt Peter Fiesel, Frankfurter Psychotherapeut und verkehrspsychologischer Berater. Für Pendler bedeute es durchaus Entspannung, wenn weniger Verkehr fließt. Denn: "Autofahren ist Arbeit. Der Verkehr erfordert schon viel Aufmerksamkeit." Fahrer müssten ständig vorausschauen, reagieren: Bremst der Vordermann plötzlich? Wechselt einer die Fahrbahn? Ist die Lücke groß genug, um selbst auszuscheren? Diese Arbeit werde weniger anstrengend, wenn weniger Autos unterwegs sind.

Dafür spricht, dass es während der Ferien weniger kracht. Die Statistik der Polizei Südhessen etwa (zuständig für Abschnitte der A 5, A 67, A 3 und A 6) weist für die Ferienmonate Juli und August weniger Unfälle aus als im Rest des Jahres. Dass weniger Fahrzeuge unterwegs sind, sei aber nicht der einzige Grund dafür, sagt Polizeisprecher Bernd Hochstädter. Auch besseres Wetter und gute Sichtverhältnisse spielten eine Rolle.

Psychologe Fiesel gibt zu bedenken: Wie viel Stress ein Mensch empfinde, hänge vor allem mit ihm selbst zusammen. Er sinke also nicht automatisch zusammen mit der Verkehrsdichte: "Das ist von der Persönlichkeit abhängig." Wer erwarte, auf dem Arbeitsweg glatt durchzukommen und dann durch viel Verkehr, einen Unfall oder eine Baustelle ausgebremst werde, fühle sich gestresst - jedenfalls, wenn er nicht akzeptiere, dass so etwas dazugehöre. "Akzeptanz reduziert den Stress."

Tipp des Fachmanns für entspanntes Fahren: "Setzen Sie sich auf der rechten Spur hinter einen Laster und fahren Sie einfach dem hinterher."