Neuer Awo-Vorstand will für Ordnung sorgen

Franz BetzArchivfoto: Awo

Der neue Awo-Vorstand strebt verschiedene Kündigungen und Herabstufungen an, die aber auch arbeitsrechtlich durchgesetzt werden müssen.

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WIESBADEN. Der erste Arbeitsgerichtstermin war schon terminiert, wurde jetzt aber auf Ende April verschoben. Es geht um eine von mindestens drei Kündigungen von Mitarbeitern, die der neue Wiesbadener Awo-Kreisvorstand anstrebt. Und betroffen ist in diesem Fall die Ehefrau des in die Awo-Affäre verstrickten und jetzt freigestellten Frankfurter Kita-Abteilungsleiters Klaus Roth. Die Frau soll ein Schein-Arbeitsverhältnis in Wiesbaden gehabt haben, mit hohem fünfstelligem Gehalt (die Rede ist von 80.000 Euro) und einem Range Rover Evoque als Dienstwagen. "Arbeitsergebnisse sind nicht bekannt", berichtet der stellvertretende Kreisvorsitzende Franz Betz. Angeblich sollte die Frau, die als selbstständige Immobilienmaklerin in Frankfurt firmiert, für die Awo Wiesbaden Grundstücke akquirieren.

Vertrag mit kolportiert 19.000 Euro Monatssalär

Auch mit der ehemaligen Geschäftsführerin Hannelore Richter wird eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung erwartet. Richter hatte einen "Altersteilzeit"-Vertrag als Projektmanagerin mit kolportiert 19.000 Euro Monatssalär, der noch als letzte Amtshandlung vom alten Vorstand - der ihn zuvor abgenickt hatte - gekündigt worden war. Umsetzen müssen das jedoch die Neuen.

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"Das Ganze wächst sich aus in einen Ganztagsjob", seufzt denn auch Ehrenamtler Betz. Er habe gehofft, mit einem Halbtagsengagement für die Aufarbeitung der Affäre hinzukommen. Fragen von Journalisten, warum der Wiesbadener Kreisverband denn nicht wie Frankfurt die gesamte Führungsriege, gegen die wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs staatsanwaltlich ermittelt wird, ausgetauscht hat, nerven Betz. Man müsse schon die Awo Wiesbaden am Laufen halten und könne "nicht alle auf einmal entlassen". Man unterscheide aus Personalnot zwischen denen, die das System etabliert haben und den Mitläufern. Die Spielregeln bestimme jetzt der Kreisvorstand, nicht die Geschäftsführung wie bisher. Und Betz sagt auch: "Wir sind in einigem weiter als Frankfurt."

Beispielsweise gab es eine Reihe von Anhörungen von Mitarbeitern, die nunmehr keine überzogenen Gehälter mehr erhielten, sondern tarifgerecht eingestuft würden. Das mache für manche Einbußen von bis zu 60 Prozent aus. Es habe bisher "zehn bis zwölf Herabgruppierungen" und Streichung von Zulagen gegeben. Etwa 15 Arbeitsverhältnisse seien seit 1. Februar betroffen, berichtet Betz.

Auch Dienstwagen und sämtliche "Car Allowances" (üppige monatliche Zulagen für die dienstliche Nutzung von Privatfahrzeugen) sind gestrichen. Man werde einen Pool von absolut notwendigen Fahrzeugen für Außendienstler vorhalten, die aber niemand mehr zugeordnet seien. Höchstens der Geschäftsführer dürfe noch einen Wagen "der Golfklasse" fahren. Das führe derzeit zu der etwas absurden Situation, dass einige der abgegebenen Fahrzeuge des 30 Autos umfassenden Fuhrparks ungenutzt auf dem Hof stünden, da die Leasingverträge noch liefen. "Vielleicht melden wir sie bis zur Rückgabe ab", überlegt Betz.

Alles tun, um Gemeinnützigkeit zu sichern

Betz sagt, dass man alles tun müsse, den Gemeinnützigkeitsstatus der Wiesbadener Awo wenigstens für 2020 zu sichern. Er geht davon aus, "dass die Gemeinnützigkeit für die vergangenen Jahre nicht zu retten ist". Steuerrückzahlungen seien daher zu erwarten, von denen er hofft, dass sie für den Wiesbadener Kreisverband verkraftbar sind.

"Selbstverständlich" würden auch Schadensersatzforderungen vorbereitet an diejenigen, die für die Misere verantwortlich sind. Über die strafrechtliche Ebene hinaus, die Sache der Staatsanwaltschaft ist. "Davon können Sie ausgehen, dass wir die erheben", bekräftigt Betz. Nicht ausgeschlossen sei dabei, dass auch ehemalige Ehrenamtler aus dem alten Kreisvorstand zur Rechenschaft gezogen werden.