Kulturkoordinator Volker Gallé zieht eine positive Bilanz zur...

Kulturkoordinator Volker Gallé hatte die Idee zur ersten Dalbergakademie in Worms. Archivfoto: Rudolf Uhrig

Gerade ist die erste Dalbergakademie zum Thema „Eine andere Türkei“ in Worms zu Ende gegangen, da wagt Initiator Volker Gallé schon einen Ausblick. Die WZ sprach mit ihm.

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WORMS. Die von Kulturkoordinator Volker Gallé initiierte und koordinierte Dalbergakademie hatte ihren ersten Auftritt mit der Vortragsreihe „Eine andere Türkei“ im Herrnsheimer Schloss. Die WZ sprach mit Volker Gallé über die Veranstaltung und weitere Pläne.

Herr Gallé, warum braucht es eine Dalbergakademie?

Worms hat keine geisteswissenschaftliche Universität, aber es hat herausragende Kulturprofile. Die sind nicht nur gut fürs Renommee, sondern sie können auch Grundlage für wissenschaftliche Institute sein. Im Zusammenhang mit der Sanierung und Neunutzung des Herrnsheimer Schlosses hat es sich angeboten, den Geist dieses Ortes aufzugreifen und wiederzubeleben. Die Dalberg-Brüder und ihr Neffe fühlten sich der französischen Aufklärung verpflichtet. Sie waren gebildet und weltoffen, interessierten sich für Musik, Theater, Kunst, Literatur und, weil ihr Besitz lange Zeit im napoleonischen Frankreich lag, waren sie auch aufgeschlossen für den Verfassungsgedanken der Französischen Revolution und hatten eine republikanische Gesinnung.

Warum haben Sie die Vortragsreihe mit der Türkei begonnen?

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Fritz von Dalberg hatte ein starkes Interesse am Orient. Er hat zum Beispiel den Roman „Geschichte einer Drusenfamilie“ geschrieben und sich eingehend mit der indischen Musik beschäftigt. Ein zweiter Anknüpfungspunkt war die türkische Bildtapete in Schloss Herrnsheim, die zwar in Paris hergestellt wurde, aber Ansichten des Bosporus zeigt.

Wie war es möglich, dass Sie das Orientinstitut in Istanbul für die Mitwirkung gewinnen konnten?

Das hat sich durch meinen Sohn Ruben ergeben. Er hatte die Idee, die Erinnerungen seines Urgroßvaters in Buchform herauszubringen und in Istanbul vorzustellen. Durch einen Freund kam er in Kontakt mit Dr. Richard Wittmann, dem stellvertretenden Leiter des Orient-Instituts in Istanbul. Dr. Wittmann wiederum stellte die Verbindung zu Erald Pauw her, der mit seiner Familie in Istanbul lebt und eine riesige Sammlung von Fotos aus der Zeit von 1820 bis 1930 besitzt.

Beim zweiten Abendvortrag ging es darum, dass sich im 19. Jahrhundert in Europa eine große Begeisterung für den Orient entwickelt hat.

In diesem Zusammenhang ist auch die Bosporus-Tapete zu sehen. Sie ist noch nie wissenschaftlich untersucht worden. Deswegen haben wir Dr. Joachim Gierlichs, einen Spezialisten für islamische Kunst aus Berlin, angefragt, eine Expertise zu erstellen, die auch veröffentlicht werden wird. Einiges davon ist in seinen Vortrag eingeflossen.

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Warum haben Sie den Titel „Eine andere Türkei“ gewählt?

Ich wollte bewusst der derzeit sehr vergifteten Diskussion etwas anderes entgegensetzen. Deshalb habe ich die Kultur als verbindendes Element in den Mittelpunkt gestellt. Ich dachte, das könnte auch ein Impuls für die gespaltene türkische Community in Worms sein. Die einen stehen hinter Erdogan, die andern halten sich vorsichtig zurück. Das ist schade. Ich habe alle eingeladen, und von allen Gemeinden war tatsächlich jemand da.

Wie ist Ihr Fazit der ersten Dalbergakademie?

Ich war sehr zufrieden, am ersten Abend waren etwa 100 Leute da, an den beiden nächsten Abenden je 50, und ich hatte viele positive Rückmeldungen, insbesondere auch zur Musik des Smyrna-Projekts.

Wie wird es weitergehen?

Die Bandbreite möglicher Themen von Kultur bis Politik ist groß. Auch der Kontakt zu Frankreich, zu Westeuropa kann eine Rolle spielen.

Haben Sie schon konkrete Pläne fürs nächste Jahr?

Ich habe schon Ideen, aber ich möchte erst etwas darüber sagen, wenn sie spruchreif sind.

Das Interview führte Ulrike Schäfer.