Poetischer Zauber bei Märchenabend im Museum Heylshof

Das Märchen von der Weißen Schlange, den Goldkinder-Zwillingen oder dem Meerhäschen kamen beim Märchenabend in Worms zu Gehör. Für viele eher unbekannte Texte.

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WORMS. (red). Es war ein Abend der leisen Töne und der Authentizität – der Märchenabend im Museum Heylshof. Der Wormser Märchen-und Sagenkreis hatte mit Bettina Schwind eine Erzählerin eingeladen, die sich nicht nur ganz allgemein dem Grimm’schen Märchenwerk verpflichtet fühlt, sondern auch des einst von den Brüdern gewählten sprachlichen Ausdrucks. Und das bis auf den letzten Punkt. Auf diese Weise gelangten die Zuhörer zu einem interessanten Hörerlebnis.

Mehr als 200 Texte umfasst die Märchensammlung Jakob und Wilhelm Grimms. Daraus hatte Bettina Schwind vier ausgewählt, die nicht unbedingt zu den bekanntesten zählen, gleichwohl aber dank ihres poetischen Zaubers schnell die Herzen der Zuhörer eroberten. Etwa die Geschichte von der magischen Weißen Schlange, von der ein Stückchen genossen, es Menschen möglich macht, die Sprache der Tiere zu verstehen. Oder die Abenteuer der beiden Goldkinder-Zwillinge, die die Welt durchmaßen, aber nur bestehen konnten, weil sie sich im entscheidenden Augenblick der gemeinsamen Kraft sicher sein konnten. Von Tieren bestimmt zeigte sich auch das Märchen vom Meerhäschen. Hier belegte überzeugend der Fuchs seinen Ruf, mit Abstand das klügste Wesen auf der Erde zu sein. Dass aber selbst ein mit Hufen ausgestattetes Wesen wie das Eselein in der Lage sein kann, eine so fingerfertige Kunst wie das Lautenspiel zu lernen, war optimistisch-belustigende Botschaft des Textes.

Gut erzählte Volksmärchen können ein probates Mittel gegen Alltagshetze und Stress sein. Schwinds Erzählreigen belegte diese These vorzüglich. So sparte das Publikum nicht mit Beifall.