Was die Menschen mit ihrem Handy treiben, ist demnächst Wurst.

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. Man merkt ja erst, wie gut‘s einem in diesem unserem Lande geht, wenn man mal bei den Nachbarn rumschaut. Da entnehmen wir der wunderbaren Tageszeitung "Die Welt", dass die ehemalige französische Justizministerin Rachida Dati einen Vater für ihre dreijährige Tochter sucht. Wer sich dem Thema nähern will, möge bitte in Tageszeitungen oder im Internet Bilder von Rachida Dati anschauen. Wir, mein Kater Bébé und ich, sagen da mal ganz pauschal: La France, douze (zwölf) points. Zumindest optisch.

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Wir wagen jetzt überhaupt gar nicht, vergleichbare Szenarien für Deutschland an die Wand zu malen. Wie meinen? Ja, die derzeitige Bundesjustizministerin ist Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), was soll die Frage? Also. Dati habe "den begründeten Verdacht", so lesen wir, dass der 68-jährige Dominique Desseigne, schwerreicher Inhaber einer Hotelkette, der Vater sei. Der bestreitet dies. Nein, Bébé, Du kannst dem Herrn Desseigne jetzt nicht einfach schreiben: "Warum streitest Du das ab, Du Idiot?" Wir für unseren Teil grübeln eher darüber nach, was genau in diesem Kontext ein "begründeter Verdacht" ist. Desseignes Anwälte erklären unterdessen, dass "auch ein Fernsehmoderator, ein französischer Minister, ein spanischer Premierminister, ein Staatsanwalt aus Katar sowie der Bruder des Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy als Vater in Frage kämen". Der Begriff "Promi-Treff" erscheint da in ganz neuem Licht. "Zum Teil" seien einige der Genannten den Gerüchten entgegengetreten, lesen wir. Wie - "zum Teil"? Mein lieber Mann. Und mit solchen Leuten soll unser aller arme Kanzlerin Europa retten! Wir wissen auch nicht, wieso unser Blick da jetzt unmittelbar auf die Schlagzeile "Lothar Matthäus ist wieder Single" fällt. Er hat sich von Joanna, dem Unterwäsche-Model, getrennt. Vielleicht hat er sich weinend seine Konto-Auszüge betrachtet, und da war ihm dann das Hemd doch näher als der Rock, sozusagen.

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Wie kriegen wir jetzt den Übergang zu unserer Verbraucherschutzministerin, der Aigner Ilse? Nun, der gemeinsame Nenner heißt "Küche". Rachida Dati habe die Gerüchteküche in puncto Vaterschaft selbst mächtig angeheizt, lesen wir. Und was die von uns überaus geschätzte Aigner Ilse betrifft, da haben wir doch schon in der "Woche" vom 27. August 2011 getitelt: "Kochen mit Ilse". Dabei ging es keineswegs um die Frage, ob wir den Namen Ilse Aigner eher mit "heißer Ofen" oder mit "stille Wasser" assoziieren würden. Sondern zur Debatte stand ein gemeinsamer Fototermin der Ministerin mit... Nein, weder mit Monsieur Desseigne, noch mit einem Staatsanwalt aus Katar! Leute! Also, die Aignerin ließ sich damals mit einem Küchenhersteller fotografieren, und der spendete dafür 20 Küchen für einen Schüler-Wettbewerb. Jetzt stellte die Ministerin eine neue App für Internet-Handys vor, unter dem Motto: "Zu gut für die Tonne", womit nicht der liberale Koalitionspartner gemeint ist. Vielmehr will die Bundesregierung verhindern, dass in Deutschland jährlich einer Studie zufolge elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen und dort in bester Gesellschaft sind mit zwölf Millionen Tonnen geschredderter Akten des Verfassungsschutzes... Nein, kleiner Scherz am Rande. Also. Es gibt Reste-Rezepte von Spitzenköchen. So sagte der TV-Koch Christian Rach der Deutschen Presse-Agentur (dpa), selbst mit kleinen Resten lasse sich vieles anfangen. Ja, könnte sich da die Aigner Ilse gedacht haben, zum Beispiel kann man sogar mit der CSU eine Koalitionsregierung bilden. Aber Rach meint das natürlich anders: Übrig gebliebene Tomatensoße könne als Pizzabelag dienen. Ja, gewiss, so soll‘s in manchen Gourmet-Tempeln guter Brauch sein. Es geht dann so, dass der App-Benutzer eintippt, was er noch so hat, die dpa sagt: "wie etwa Blumenkohlblätter, Risottoreis oder Wurst", wir sagen: wie etwa Cannabis, grüner Afghan, verbrauchte Teebeutel oder gescheiterte Minister, und dann kann der App-Benutzer auch noch Koch-Paten auswählen. Wobei es ein interessantes Experiment wäre, als Kochpaten Luca Brasi einzugeben, der bekanntlich bei den Fischen schläft, ob der dann dringend von Fischrezepten abrät.

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"Reden ohne Zweck und Ziel, das macht uns eher unwillig", sagt Susanne Kilian im "Spiegel". Sie meint damit aber weder Loddar noch die aktuelle Bundestagsdebatte. Vielmehr plädiert die ehemalige UN-Dolmetscherin dafür, unbedingt mit Small-Talk die Atmosphäre aufzulockern. Den Rat hat dann die baden-württembergische FDP sofort umgesetzt und beim Parteitag in Villingen in öffentlicher Debatte Vokabeln wie "Schaumschläger", "intrigant" oder "hinterhältig" locker einfließen lassen. Alles klar. Die Besten//vom Südwesten. Der ehemalige baden-württembergische FDP-Chef Walter Döring wollte verhindern, dass die amtierende Landesvorsitzende Birgit Homburger auf Platz eins der Bundestagswahlliste kommt und versprach, mit ihm werde es ein "zweistelliges" Ergebnis geben, womit er aber nicht seine Strafe wegen uneidlicher Falschaussage meinte, das waren nämlich nur neun Monate auf Bewährung im Jahr 2005. Um Homburger und Döring zu verhindern, wurde Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel auf Platz eins der Bundestagswahlliste gewählt. Wahrscheinlich hatten die Delegierten schon Ilse Aigners Reste-App bekommen und tippten ein, was ihnen so in den Sinn kam. "Die FDP im Südwesten zerfleischt sich selbst", titelte die "Welt". Dann vielleicht aber doch lieber Blumenkohlblätter.