Breidenbachs Woche: Röttgen, der Rächer aus dem Reaktor

Norbert Röttgen will CDU-Vorsitzender werden.  Foto: dpa

Die CDU brutzelt, aber schon früher saß Mutti auf heißen Kohlen//Neues aus der Schule – echt, jetzt?

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. „Muttis Klügster“ war früher der Spitzname von Norbert Röttgen, der jetzt, Gott weiß, warum, CDU-Bundeschef werden will. Er eiferte Merkel damals auch insofern nach, als er 2009 Bundesminister für Umwelt und Reaktorsicherheit wurde. Exakt dieses Ministerium führte Merkel 1994 – 98. Und prompt wurde sie berühmt, weil Joschka Fischer ihr den Kosenamen „brennstabpolitische Sprecherin der Union“ verlieh. Bei Röttgen brannten dagegen die Sicherungen durch. Als er als Spitzenkandidat bei der NRW-Landtagswahl 2012 verglühte, wollte er nicht als Dussel in Düsseldorf bleiben. Da feuerte ihn Mutti aus dem Ministeramt und steckte ihn ins Abklingbecken. Und jetzt: Rache aus dem Reaktor, das Abklingbecken schlägt zurück. Und in der Ferne hören wir Darth Vader: „Ich bin deine Mutti.“ * Wir lesen bei „Spiegel Online“: Ein Junge stürmt nach vorne und sagt: „Ich mach‘ das.“ Das Mädchen ist zurückhaltend und sagt: „Dann schau ich erst mal zu.“ Hallo? Wo sind wir? In einem deutschen Klassenzimmer! Ein Ansatz von Orgie? Fack ju Göthe Teil 4? Wenn der Lehrer zweimal klingelt? Sodom und Gomorra? Wir weinen. Das steckt dahinter: Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig, hat einen interessanten Vorschlag gemacht. Er betrifft naturwissenschaftliche Fächer. Wenn man an die Eingangsszenerie denkt, denkt man an Biologie. Bienchen und Blümchen. Aufklärungsunterricht? Gibt‘s das noch? Nur für Eltern. Es geht aber auch um Mathe, Physik, Chemie, und damit die Chemie stimmt, schlägt Hubig vor, in naturwissenschaftlichen Fächern Knaben und Mägdelein getrennt voneinander zu unterrichten. Damit die Knaben nicht die Initiative an sich reißen und die nicht so hartgesottenen unter den Mägdelein zum Zuschauen zwingen. Klingt erst mal gesittet. Und wir dachten schon, die Ministerin Hubig bringt mal ein paar Vibrations in die Bude. * Wir lesen, die Schülerin Hubig war selbst eine Zeit lang auf einem reinen Mädchengymnasium und eine Zeit lang auf einer gemischten Schule. Wir vermuten mal ganz kühl, sie war zunächst auf einer reinen Mädchenschule, dort wurde es ihr zu langweilig und sie wechselte auf eine Schule mit Jungs. Kann aber auch sein, sie war zuerst in einer gemischten Klasse und es nervte sie, dass Jungs nach vorne preschten, von wegen „ich mach‘ das“, und ihr nur das Zuschauen blieb. Wir regen an, die CDU im rheinland-pfälzischen Landtag verlangt dazu eine aktuelle Fragestunde. * Wir selbst waren nur in der ersten Volksschulklasse in einer gemischten Jungen/Mädchentruppe. Uns war todlangweilig, weil wir dank einer fürsorglichen Mutter schon lesen und schreiben konnten, als wir in die Schule kamen, dort aber in der ersten Klasse zunächst nur Malen angesagt war. Und jeden verdammten Morgen stand an der Tafel der Klassen-Star, Angelika Göbel, und malte hingebungsvoll riesige Hasen, denn damals begann das Schuljahr an Ostern. Hasen, immer wieder Hasen mit Riesen-Ohren, aber Stummelschwänzchen (daher der Begriff „die Schule schwänzen“). Auf die Idee, Angelika zu fragen, ob man nicht mal gemeinsam malen könne, kamen wir damals noch nicht. Später in den reinen Jungsklassen: sachliche Atmosphäre. Kein Zickenkrieg, kein Geschnatter, kein Zwang zu Macho-Gehabe. Aber, ganz offen gesagt: Angelika Göbel fehlte uns schon ein bisschen.