Bundesliga: Was passiert bei einem Saisonabbruch?

aus Coronavirus-Pandemie

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ARCHIV - 28.09.2019, Sachsen, Leipzig: Fußball: Bundesliga, 6. Spieltag, RB Leipzig - FC Schalke 04 in der Red-Bull-Arena Leipzig. Der offizielle Spielball liegt auf einem Podest im Stadion. (zu dpa: «Termine, Konzepte, Finanzen: DFL-Clubs beraten über Corona-Krise») Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Auf einer DFL-Mitgliederversammlung mit den Vereinen aus 1. und 2. Liga sollen letzte Details vor dem Re-Start besprochen werden. Dabei dürfte es auch um Abbruch-Szenarien gehen.

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FRANKFURT. Angst vor neuen Infektionen, Sorge um die Chancengleichheit und die bange Frage: Wie belastbar ist das Konzept? Zwei Tage vor der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga will die Deutsche Fußball Liga die 36 Vereine auf einer Mitgliederversammlung noch einmal detailliert auf den Notbetrieb in den leeren Stadien einschwören.

Aufstockung der Ligen ist nicht vorgesehen

Bei der Video-Konferenz an diesem Donnerstag gibt es einigen Gesprächsbedarf - auch mit Blick auf die weitere Zukunft. Einem Medienbericht soll es dabei um Modalitäten bei einem Saisonabbruch gehen. Den Vereinen sollen nach Ligen getrennt zwei Papiere mit der Hoffnung auf Zustimmung vorgelegt werden, wie die "Bild"-Zeitung am Dienstagabend berichtete. Demnach solle bei Abbruch der Saison aus rechtlichen Gründen vor dem offiziellen Ende die aktuelle Tabelle gewertet werden. Somit würde auch bei einem Saisonabbruch ein Meister gekürt werden, es gäbe jeweils zwei feste Absteiger und keine Aufstockung der Ligen.

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Als zweiten Punkt sollen die Clubs dem Bericht zufolge zustimmen, dass die Saison bis zum 30. Juni, notfalls aber auch im Juli abgeschlossen werden könne. Zahlreiche Spielerverträge enden zum 30. Juni.

Steht das Konzept auf "tönernen Füßen"?

Das Ziel der DFL und Clubs ist aber weiter die Beendigung der zuletzt unterbrochenen Saison. Nach den zwei positiven Corona-Tests vom vergangenen Samstag beim Zweitliga-Schlusslicht Dynamo Dresden und der daraufhin vom zuständigen Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne für das gesamte Team bis zum 23. Mai gleicht der Neustart jedoch einem Tanz auf dem Hochseil. Nicht nur Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl glaubt, dass das Konzept der DFL nach wie vor "auf tönernen Füßen" steht.

Am Dienstag konnten die Sachsen erst einmal aufatmen: Von den am Vortag genommenen Corona-Proben fiel nach Angaben des Klubs keine positiv aus. Auch beim Bundesligisten Hertha BSC gab es bei der vierten Testreihe nur negative Ergebnisse, teilten die Berliner mit. Weil die Tests nicht mehr synchron wie vor dem Einstieg ins Mannschaftstraining durchgeführt werden, sind ab sofort die Vereine statt der DFL für die Kommunikation zuständig.

Wie lange hält die Solidarität?

Positive Nachrichten vernimmt man in der Frankfurter DFL-Zentrale mit Erleichterung, denn angesichts des knappen Zeitfensters bis zum geplanten Saisonende am 27. Juni könnte jede weitere Spielverlegung das Gesamtkonstrukt ins Wanken bringen. Wegen der Dresdner Quarantäne mussten bereits zwei Zweitliga-Spiele schon vor dem erhofften Wiederanpfiff abgesetzt werden. Bis zum Dienstagnachmittag war nur der 26. Spieltag exakt terminiert. Sollte es weitere Infektionen geben und die zuständigen Behörden genauso wie in Dresden reagieren, könnte dies den Spielbetrieb schnell zum Erliegen bringen. In der Liga gilt daher das Prinzip Hoffnung. "Mein Gefühl sagt, dass das Ganze dadurch noch nicht wackelt", sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder am Dienstag. Aber auch er weiß: "Es ist wichtig, dass wir am Wochenende anfangen zu spielen."

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Jeder neue Corona-Fall bringt zudem Wettbewerbsnachteile für den betroffenen Verein. "Da kommt man gar nicht drumherum. Das ist dann für einige Mannschaften nicht fair. Da muss man dann entscheiden, ob man das so will", sagte Ex-Nationalspieler Max Kruse am Montagabend bei Nitro "100% Bundesliga". Schon vor dem Anpfiff steht daher die Frage im Raum: Wie lange hält die Solidarität unter den Clubs? Immerhin geht es um viel Geld - vor allem für die Teams im Titel- und Abstiegskampf.

Bei der Versammlung am Donnerstag steht außerdem die Verankerung des Konzepts der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" als Anhang in die Spielordnung auf der Agenda. Zudem soll über die Erhöhung des Auswechselkontingents auf fünf Spieler entschieden werden. Das International Football Association Board und der Weltverband FIFA hatten den Weg für eine Regeländerung in der Corona-Krise unlängst frei gemacht.

Von dpa