Costa-Rica-Traum geht weiter, weil Griechen der Knipser fehlt

Keylor Navas hält den entscheidenden Elfmeter. Griechen-Schütze Theofanis Gekas (hinten) zieht bestürzt ab. Foto: dpa

Hochdramatisches Finale eines behäbig begonnenen Langeweile-Kicks: Doch dass Costa Ricas Traum weitergeht, liegt auch daran, dass Griechen zwar den (Fußball-)Marathon erfunden...

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. Von Carsten Schröder

Irgendwann muss auch eine Weltmeisterschaft mal etwas Raum lassen, um wenigstens 45 Minuten durchzuschnaufen. Und so ein Duell mit eher spartanischer Fußballkunst auf der einen Seiten und behutsam eingesetztem Kickerkönnen von den Stränden Lateinamerikas bietet da eine Möglichkeit. Hier die diszipliniert aufbauenden Stoiker aus Griechenland, dort die karibische Gelassenheit aus Costa Rica - da kommt sie nicht mal unerwartet: Die Langeweile.

Irgendwie passt es ins Bild, dass das Tor, das einem derartigen Spiel bekanntlich sooo gut tut, eher zufällig daher kommt. Flache Rückgabe an den 16er, Ticos-Kapitän Bryan Ruiz zielt nach links, schießt aber nach rechts - 1:0. So ungefähr ab der Mitte nimmt ein Marathon ja auch Fahrt auf. Es beginnt das Ausscheidungsrennen, bei dem schon mal einer auf der Strecke bleibt, ein Oscar Duarte eben mal "Rot" sieht. Und Ausdauer haben sie ja, die Hellenen. Eines können die Theofanis Gekas', Kosta Mitroglous oder Georgios Samaras' bei allem Stehvermögen aber nicht. Wenn es darum geht, die Kugel einfach mal ins Netz zu hauen, dann muss schon Sokrates persönlich seinen Denkapparat abschalten. Tschuldigung, Sokratis.

Drei Tore für WM zu wenig

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Ganz konkret: Schon in der WM-Qualifikation begnügten sich die Griechen mit zwölf Toren in zehn Spielen, um über die Playoffs das Brasilien-Ticket zu buchen. Okay, Rumänien wurde da förmlich weggehauen (3:1, 1:1). Aber schon in der WM-Vorrunde klemmte es wieder. Gar mit einem negativen Torekonto ging’s ins Achtelfinale, das bei einer konsequenten Chancenverwertung auch gar nicht die Endstation hätte sein müssen. Schließlich hatten die Ticos ihren Marathon längst beendet. Der Ausgang konnte aber fast nicht überraschend: Wenn der griechische Marathoni sein Ziel erreicht hat, dann bricht er gemeinhin tot zusammen.

Für die Männer von der reichen Küste geht es also gesund und munter weiter. Es warten die Niederlande. Und wenn die wieder mit Siebenerkette auf fliegende Holländer setzen, dann darf jeder mal intensiv darüber nachdenken, was da eigentlich zu erwarten ist.