Das Kreuz mit der Kadergröße

Ein Ausfall würde Mainz 05 in der kommenden Saison hart treffen. Breite für den Kader scheint unabdingbar. Foto: dpa

Braucht Mainz 05 in der neuen Saison einen größeren Profikader? Viele Fans halten das angesichts der Verletzungsmisere für geboten, Thomas Tuchel ist dagegen. Der Trainer hat...

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. Von Ulrich Gerecke

Nach dem 2:2 in Hannover hat Thomas Tuchel den Journalisten aufgezählt, wer beim FSV Mainz 05 derzeit verletzt oder angeschlagen fehlt bzw. nicht voll einsatzfähig ist. Ergebnis: "Da kriegen wir eine ganze Mannschaft zusammen." Angesichts solcher Zustände ist ein Punkt bei einem Klub mit viel größerem finanziellen Potenzial im Prinzip eine feine Sache.

Dass das einige 05-Fans anders empfinden, ist vielleicht nicht ganz gerecht. Dass viele wegen der Verletzungsmisere meinen, der Kader müsse zur neuen Saison deutlich aufgestockt werden, ist bestimmt unrealistisch. Zwei Gründe sprechen klar dagegen: Erstens kann es sich Mainz 05 nach wie vor nicht leisten, den Kader mit gestandenen Erstligaprofis aufzublähen. Das gibt der Geldbeutel auch bei noch so verantwortungsvollem Wirtschaften nicht her.

Zweitens hat Tuchel oft genug betont, dass es seiner Arbeitsauffassung widerspricht. "Ab einer gewissen Kadergröße kann sich ein Spieler im Training nicht mehr zeigen", betont der Coach. "Und ich kann ihm als Trainer nicht die angemessene Wertschätzung geben." Für eine verschworene Gemeinschaft (und sei es nur eine Zweckgemeinschaft) ist es also unabdingbar, dass sie nicht zu riesig wird.

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Klopp hat es vorgemacht

Dass das so auch funktionieren kann, zeigt ein Blick zurück. Zu Zeiten von Jürgen Klopp war die Lage auch nicht viel anders. "Klein und qualitativ ausgeglichen" - so wollte der heutigen Dortmunder Meistertrainers damals seinen 05-Kader haben. Dass es bei ihm auf dem Trainingsplatz voller war, lag vor allem daran, dass er und Zeljko Buvac Trainingsformen bevorzugten, bei denen man (notgedrungen) immer wieder den ganzen U23-Kader einspannte.

Und erinnert sei auch daran, dass am Ende der Hinrunde 2012/2013 der Erschöpfungslevel genauso hoch und die Verletztenliste ähnlich lang war wie derzeit. Damals erkämpften sich die 05er gegen Hannover (2:1), Stuttgart (3:1) und im Pokal auf Schalke (2:1) überraschende Siege, die im Nachhinein noch wertvoller aussehen. Daher tut Mainz 05 gut daran, die Größe des Profikaders nicht (nur) an den Ergebnissen der vergangenen Wochen festzumachen.