Die Drei von der Nebenstelle

Junior Diaz nimmt es auch mit mehreren Gegnern gleichzeitig auf. Archivfoto: Sascha Kopp

Die neue Abwehrstärke des FSV Mainz 05 ist angesichts der großen Konkurrenz in der 05-Offensive zuletzt etwas untergegangen. Dabei ist sie frappierend und kommt ziemlich...

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. Von Ulrich Gerecke

Sieben Siege am Stück im Herbst 2010 - diese Rekordmarke des FSV Mainz 05 ist vielleicht spektakulärer und wird mehr Fans in Erinnerung bleiben als die aktuell acht Spiele ohne Niederlage unter Kasper Hjulmand. Welche Serie letztlich mehr fußballerische Substanz hat, kann man vielleicht erst in ein paar Jahren beurteilen. Nicht vergessen sollte man dabei aber noch jene Bestmarke: In der heimischen Coface Arena haben die 05er erst nach 348 Minuten ein Gegentor kassiert - nach fast vier Spielen.

Die neue Abwehrstärke ist angesichts der großen Konkurrenz in der 05-Offensive zuletzt etwas untergegangen. Dabei ist sie frappierend und kommt ziemlich überraschend. Man darf nicht vergessen: In der Viererkette spielen von links nach rechts: ein langjähriger Zweit- und Drittligaprofi (Daniel Brosinski), ein zwei Jahre lang fast komplett verletzter Akteur (Niko Bungert), ein Talent im erst zweiten vollen Bundesliga-Jahr (Stefan Bell) und ein unter Tuchel nicht immer wohlgelittener Costa Ricaner (Junior Diaz). Voilà - das Quartett macht seine Sache derzeit so gut, dass Trainer Hjulmand ziemlich unmissverständlich klar gemacht hat, dass er im Augenblick überhaupt keinen Grund sieht, hier etwas zu verändern.

Jara, Noveski, Wollscheid müssen sich hinten anstellen

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Da muss sich dann selbst ein 71-maliger chilenischer Nationalspieler (Gonzalo Jara) hinten anstellen, kommt allenfalls in einer Fünferkette zum Einsatz. Ein Mann, der Bayer Leverkusen einst fünf Millionen Euro Ablöse kostete (Philipp Wollscheid), spielt derzeit gar keine Rolle, der langjährige Kapitän (Nikolce Noveski) muss sich nach seiner Bänderverletzung erst wieder heranquälen. Drei große Namen, die derzeit nur auf Nebenstellen herumdümpeln.

Wer diese Konstellation in der Abwehr vor Saisonbeginn prophezeit hätte, wäre wahrscheinlich nicht wirklich ernst genommen worden. Sie gibt aber einen klaren Fingerzeig: Es geht nur nach Leistung, Namen und alte Verdienste zählen nicht. Hjulmand kann auch hinten viel variieren (so geschehen in den Spielen gegen Frankfurt und Augsburg). Und so lange die Null steht, braucht sich der Däne auch keine Sorgen zu machen, durch Verzicht auf bekannte Namen (Beispiel: Noveski beim Pokal-Aus in Chemnitz) Stirnrunzeln auszulösen. Die Ergebnisse bestätigen seine klare Linie - ob mit oder ohne Rekord.