Die Zwillinge Hans-Joachim und Karl Heinz Heist - Zwei...

Hans-Joachim (links) und sein Zwillingsbruder Karl-Heinz Heist. Foto: Regina Trabold  Foto: Regina Trabold

„Weil das WLAN ausgefallen ist, führen zwei Jugendliche ein längeres Gespräch mit den Eltern, um die Zeit ohne Smartphone und Computer zu überbrücken. Danach sagt der...

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PFUNGSTADT. „Weil das WLAN ausgefallen ist, führen zwei Jugendliche ein längeres Gespräch mit den Eltern, um die Zeit ohne Smartphone und Computer zu überbrücken. Danach sagt der eine zum andern: Scheinen ganz nette Leute zu sein, die Alten.“

Bekannt aus der "Heute-Show"

Jaja, das Smartphone. Es bestimmt nicht nur bei jungen Leuten den Alltag. Karl-Heinz Heist (68), der den Schmunzler erzählt hat, besitzt als Rentner ein normales Handy. „Mehr brauche ich Hinterwäldler nicht.“ Sein Zwillingsbruder Hans-Joachim wohnt im Pfungstädter Stadtteil Eschollbrücken zwar am Wald, ist im Rentenalter aber noch voll im Beruf: „Ohne Smartphone ginge bei mir gar nichts mehr.“ Er ist ständig auf Achse. Fernsehzuschauer kennen ihn als Wutbürger Gernot Hassknecht aus der „Heute-Show“. Zwei Menschen, zwei Lebensläufe, eine Körpergröße: 1,63 Meter.

Bei Hans-Joachim Heist lief es noch nie besser, seit ihn Oliver Welke in die „Heute-Show“ geholt hat. Die Sendung, freitags um 22.30 Uhr im ZDF zu sehen, ist jüngst in einem Zuschauer-Voting als beliebteste Comedy mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet worden. Heist bedankte sich vor laufender Kamera bei Welke dafür, dass er die Figur erfunden hat, die er mit Leib und Seele ausfüllen kann. In seinem Arbeitszimmer in Eschollbrücken reihen sich von der „Holzisch Latern“ des Karnevalvereins Dieburg bis zum Grimme-Preis, vom Bambi bis zum Hans-Joachim-Friedrich- und dem deutschen Comedy-Preis viele Auszeichnungen.

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In der Schule sofort getrennt

Die Zwillinge sind in Jugenheim geboren. „Ich bin der Ältere“, sagt Karl-Heinz. Er sei eine Stunde vor seinem Bruder auf die Welt gekommen. Beide gingen gemeinsam zur Schule, wurden aber im Schuldorf wegen der Verwechslungsgefahr sofort getrennt.

Anfangs traten die Brüder mit Zwiegesprächen auf, spielten am Darmstädter Theater am Platanenhain (TAP). „Dann hat sich das anders ergeben“, erzählt Karl-Heinz Heist. Er habe geheiratet, dann kam die Tochter. Die Gage am TAP reichte für die Familie nicht. Er war im Gegensatz zu seinem Bruder beim Bund. Den Lkw-Führerschein hatte er schon, erweiterte ihn zur Personenbeförderung, wurde Busfahrer. Das ist er bis heute, obwohl er in Rente ist. „Mein Führerschein ist noch bis 2020 gültig“, sagt er. Um für den Geschichtsverein Zwingenberg mit dem Traktor einen Planwagen mit Gesellschaften durch die Weinberge zu ziehen, ist der Schein notwendig. Und wenn sein früherer Arbeitgeber Heag-Mobilo anruft, sitzt er bei Bedarf auch im Schülerverkehr am Steuer. „Früher war in den Schulbussen ein Heidenlärm, heute ist Funkstille“, erzählt Heist. Dank Smartphones.

Während sein Bruder auf Bus umstieg, verfolgte Hans-Joachim Heist seine Bühnen-Karriere, absolvierte die Schauspielschule, schlug sich mit Kleinkunst durch. Es dauerte, bis er zum Fernsehen kam, in „Tatort“-Nebenrollen und in Talkshows schließlich als Gernot Hassknecht bekannt wurde.

Für die SPD aktiv

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Beide Heists haben Sohn und Tochter. Karl-Heinz ist seit 43 Jahren verheiratet, Hans-Joachim einmal geschieden. Hans-Joachim war für die SPD Stadtverordneter in Pfungstadt, musste aus Zeitmangel die Politik aufgeben. Karl-Heinz, an der Bergstraße zur Fastnacht mit Franz Kern als der „Große und der Kleine“ unterwegs, fehlten zwei Stimmen, um in Seeheim-Jugenheim Gemeindevertreter zu werden.

„Ganz selten, dass man uns mal zusammen sieht“, gibt Hans-Joachim zu. Weil die neunzigjährige Mutter bei ihm im Haus wohnt, sehen sich die Heist-Brüder aber regelmäßig.