Ehe ohne Leidenschaft

Es ist ja jetzt keineswegs so, dass sich Journalisten und Politiker von all diesen Schocks - Wulff, das Ende der Welt am 21. Dezember laut Maya-Kalender, die Trennung Heidi...

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. Mit erheblichem Neid lesen wir bei den Kollegen von der Süddeutschen Zeitung über deren "Nacht der SZ", die kürzlich in Berlin stattgefunden hat, was insofern verwunderlich erscheint, als die Zeitung doch eigentlich in München beheimatet ist. Mitgemacht haben da unglaublich viele Prominente, aber über den Glamourfaktor hinaus hat so was ja auch immer friedensstiftende politische visionäre Aspekte. Und so lesen wir mit großer innerer Anteilnahme den Satz, der darauf hindeutet, dass unser aller Bundesregierung halbwegs funktioniert, zumindest, was den menschlichen Zusammenhalt angeht: Angela Merkel habe sich zu Philipp Rösler herumgedreht und "mit allen Anzeichen der Überraschung gesagt: ‚Ach, bist Du auch gerade gekommen?‘" * Es gab auch eine Tombola, den ersten Preis gewann..... Leute! Ihr seid so gut und denkt den Namen, der mit "W" anfängt, jetzt nicht mal!! Also, der erste Preis ging an den früheren Regierungssprecher Klaus Bölling, der unter Helmut Schmidt diente. Dieser erste Preis bestand in einer Kreuzfahrt im Wert von 24.000 Euro. Wir vermuten, der Preis ist deshalb so relativ hoch, weil auf jener verlosten Kreuzfahrt die Rettungsboote funktionieren und der Kapitän kein Vollidiot ist. Beim Ball-Geflüster der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), sie sei bei ihrem kürzlichen Winterurlaub auf einer Hütte bei Kitzbühel eingeschneit gewesen, kam uns spontan der Gedanke, dass man statt einer Kreuzfahrt aus Sicherheitsgründen natürlich auch das als ersten Preis hätte ausloben können: einmal mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, von Freunden "Schnarri" genannt, auf der Hütte eingeschneit. Das wär‘ Ihr Preis gewesen. * Aber es bleibt uns halt nichts anderes übrig, als immer wieder auf das leidige Kreuzfahrt-Thema zurückzukommen. In der wunderbaren Tageszeitung "Die Welt" lesen wir die Überschrift: "Kapitäne werden knapp". Wir denken: logisch, wenn sie in den Knast wandern oder in die Psychiatrie. Das meint der Artikel aber gar nicht, sondern es geht durchaus ernsthaft um das Problem, dass es bei immer mehr Schiffen immer schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Dabei sind die Sitten in verschiedenen Ländern offenbar sehr unterschiedlich, wie der Text veranschaulicht: "Auf einem Frachtschiff aus Brasilien darf auf der Brücke ein TV-Gerät nicht fehlen, ohne Fernsehen sind der Kapitän und seine Offiziere nicht glücklich. Auf einem deutschen Frachter wäre so etwas undenkbar." * Nun, die Frage ist dann natürlich, was da so geguckt wird. Die Brasilianer haben vermutlich das "Traumschiff"vom ZDF geschaut, oder die Muppetshow, oder bei youtube die Gesangsdarbietung "Ein Schiff wird kommen", die unter anderem von den Sängerinnen Dalida und Lale Andersen dargeboten wurde. Das Original ist übrigens die Musik aus dem berühmten Film "Sonntags nie", ein griechischer Film, womit sich andeutet, dass schon damals, 1960, die Bereitschaft unserer hellenischen Freunde zur Ableistung von Überstunden an Feiertagen und somit zur Erbringung angemessener europa-tauglicher volkswirtschaftlicher Leistungen nicht so wahnsinnig ausgeprägt war. * Was uns dann natürlich in diesem Zusammenhang richtig quält, ist die Frage, was denn möglicherweise der angebliche Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia", Francesco Schettino, auf der Brücke im Fernsehen gesehen haben könnte. Pornos werden es wohl nicht gewesen sein, schließlich hatte er laut Spiegel online die ehemalige Hostess Domnica D. bei sich. Wahrscheinlicher erscheint uns, dass Sch...Schettino, wie wir ihn nennen, den Film "Titanic" oder aber die alte Richard-Kimble-TV-Serie "Auf der Flucht" schaute. * Noch eine Überschrift, Süddeutsche: "Ehe ohne Leidenschaft". Wir erschrecken fast zu Tode: Nanu? Jetzt etwa doch die Wulffs?? Nein. Gott sei Dank. Heidi Klum - ja, das zeichnete sich wohl ab, wobei die SZ meint, die angebliche Traumehe Klum/Seal sei von der Presse allzu sehr hochgejubelt worden: "ein hämischer Vorwurf an einen selbst, der man ja grob durchschnittlich durchs Leben eiert", schreibt die Autorin Tanja Rest, eine Frau, sodass uns der Begriff "durchs Leben eiern" in ganz neuem Licht erscheint.

* Wie auch immer, mit "Ehe ohne Leidenschaft" war ganz etwas anderes gemeint, nämlich eine Großstudie zum Deutschlandbild der Franzosen. Ergebnis: 82 Prozent unserer gallischen Freunde haben ein gutes Bild von uns. Wir sagen: völlig zu Recht! Im Text heißt es: "Viele Franzosen finden, Madame Merkel verkörpere die Bundesrepublik idealtypisch." Wir haben‘s doch schon immer gewusst! Unser aller Kanzlerin! Der Begriff "verkörpern" wird uns da total sympathisch.