EU fordert Jagd auf Nilgänse: Städte bisher zaghaft in der...

Nilgänse. Symbolfoto: dpa

Einer EU-Verordnung zufolge stellt die Ausbreitung von Nilgänsen in artfremden Gebieten eine Bedrohung für Gesundheit und Ökosystem dar. Daher sollen die Tiere auch in...

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DARMSTADT/MAINZ. Nilgänse in Deutschland sollen schnellstmöglich „beseitigt“ werden. Das verlangt die Europäische Union in der EU-Verordnung Nummer 1143; sie ist im Jahr 2014 vom Europäischen Parlament und vom Europäischen Rat erlassen worden und damit geltendes Recht.

Die EU empfiehlt unmissverständlich, Nilgänse und andere „invasive“ Tierarten zu töten, wenn sie sich in artfremden Gebieten niederlassen. Zur Begründung wird der Schutz der Natur angeführt. Nilgänse haben sich in vielen deutschen Städten und Gebieten breitgemacht, die ihnen mit offenen Wasserflächen ideale Lebensbedingungen bieten. Wo Schwimmbäder und Seen auch den Menschen als Erholungsraum dienen, kommt es immer häufiger zu Konflikten – zwischen Tier und Mensch, aber auch zwischen Tierschützern und Bürgern, die unter der Invasion der Gänse leiden oder um ihre Gesundheit fürchten.

Tiere dehnen Lebensraum auf aggressive Weise aus

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Die Gänse belagern Grünflächen und hinterlassen haufenweise Exkremente, in denen wie in Frankfurt und Darmstadt Salmonellen oder Saugwurmlarven entdeckt wurden. Auch in Mainz und Wiesbaden wird das Problem immer drängender. Die Kommunen haben ihre liebe Not, mit dem massenhaften Auftreten der Gänse umzugehen, die ihren Lebensraum auf teils recht aggressive Weise ausdehnen. Vergrämungsaktionen haben bislang keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Zwar wurde in Bädern in Frankfurt und Darmstadt vor Beginn der Badesaison jeweils ein halbes Dutzend Gänse von Jägern geschossen. Doch scheuen sich die Städte, die Gänse konsequent zu bejagen.

Dabei wäre das nach Auffassung der EU dringend geboten. Sie sieht die Ausbreitung fremder Arten als „eine der größten Bedrohungen“ für die biologische Vielfalt und die Ökosysteme – etwa durch die Verdrängung heimischer Arten und die Übertragung von Krankheiten.

Ausrottung der Nilgans in Europa als wichtiges Ziel

Und die EU ist nicht zimperlich. Nach der Verordnung ist am wirksamsten „die schnellstmögliche Beseitigung der Population, solange die Anzahl der Exemplare noch begrenzt ist“. Wer noch Zweifel hegt, wie das geschehen kann, den klärt Artikel 19 unter Punkt zwei auf: „Die Managementmaßnahmen umfassen tödliche physikalische, chemische oder biologische Maßnahmen zur Beseitigung, Populationskontrolle oder Eindämmung einer Population einer invasiven gebietsfremden Art.“ Die EU sieht demnach die Ausrottung der Nilgans in Europa als wichtiges Ziel an.

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Damit die Kommunen entsprechen handeln können, müsste in Deutschland die Schonzeit für Nilgänse aufgehoben und deren ganzjährige Bejagung erlaubt werden. Es ist kein Geheimnis, dass insbesondere die Grünen in der hessischen Landesregierung die Jagd auf Tiere verabscheuen. Nach Auffassung der EU ist dies in manchen Fällen zum Schutz der Natur allerdings sehr wohl notwendig.

Von Rainer H. Schlender