Filmgenuss trotz Corona: Das sind die Autokinos in der Region

aus Coronavirus-Pandemie

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Durch Corona erlebt das Autokino eine Renaissance. In immer Städten und Kommunen entstehen entsprechende Angebote.  Foto: Sascha Kopp

Große Kinos in den Städten sind durch die andauernde Corona-Krise geschlossen. Immer mehr Autokinos bieten deshalb Filmgenuss ohne Kontakt zu fremden Kinogästen. Ein Überblick.

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RHEINLAND-PFALZ/HESSEN. Die Corona-Pandemie bringt den Kulturbetrieb weitestgehend zum Erliegen. Davon sind auch die großen und kleinen Kinos in den Städten und Kommunen betroffen. Ob XXL-Kinosaal im Multiplex-Filmpalast oder das kleine Programmkino, viele Menschen über mehrere Stunden dicht an dicht in einem engen, geschlossenen Raum, das geht nicht. Wohl auch dann nicht, wenn Mundschutz getragen wird und ein oder zwei Sitze frei bleiben. Deshalb hat sich die Branche an eine Art der Filmvorführung erinnert, die vor etlichen Dekaden beliebt war, aber irgendwann aus der Mode kam: das Autokino.

Der Ticketverkauf läuft digital und unterscheidet sich nicht von regulären Kinos, denn auch die bieten Karten zum Kauf oder Reservierungen über das Internet an. Die Preise werden hier aber meist pro Wagen und nicht pro Person berechnet. Vor Ort werden die Autos auf entsprechende Parkplätze eingewiesen, zum einen, damit alle gute Sicht auf die Leinwand haben und zum anderen, um den entsprechenden Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

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Der Filmsound kommt aus dem Radio

Wo in den 1950er und 60er Jahren ein quäkender Lautsprecher an einem Kabel innen an die Seitenscheibe eingehängt wurde, sorgt heute das Autoradio für den satten Filmsound. Dem Besucher des Autokinos wird die Radiofrequenz mitgeteilt, über die er den Filmton empfangen kann. Das funktioniert, weil es in den Frequenzbändern auf UKW noch genug freie „Frequenzlücken“ gibt, die dafür verwendet werden können. So kann manchmal wahlweise auch statt der deutschen Synchronfassung der meist englische Originalton gehört werden. Das wäre in einem normalen Kino nicht beziehungsweise nur über eine separate Vorstellung machbar.

Die Kinotechnik sieht in einem Autokino in der Regel anders aus, als in einem normalen Kino, in dem es einen Projektionsraum hinter der Rückwand des Saales gibt. Mit einem Projektor über eine große Distanz das Bild frontal auf die Leinwand werfen, funktioniert im Open-Air-Kino nicht. Den Saal kann man verdunkeln, die Lichtverhältnisse genau kontrollieren. Im Freien ist man auf die Dämmerung angewiesen und kann Störlicht der Umgebung nur schwer vermeiden.

Daher kommen im Autokino meist aktive Video-Walls zum Einsatz. Man könnte diese grob als gigantischen Fernsehbildschirm betrachten. Im Ingelheimer Autokino beispielsweise laufen die Filme auf einer 40 Quadratmeter großen LED-Wand. In Taunusstein ist die Leinwand 62 Quadratmeter groß, in Bad Kreuznach sind es 128 Quadratmeter und in Mainz sind es schon 190 Quadratmeter. Dort wo tageslichttaugliche LED-Video-Wände zum Einsatz kommen, muss der Beginn der Vorstellung nicht auf den Einbruch der Dämmerung warten.

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Zuerst die Bürokratie, dann das Vergnügen

Bevor die ersten Besucher vor eine Kinoleinwand rollen können, ist ein gewisser bürokratischer Aufwand vonnöten. Nicht nur, das entsprechende Flächen gefunden und eventuell angemietet werden müssen. Auch die eine oder andere Behörde muss dem Vorhaben ihren schriftlichen Segen erteilen. Unter anderem muss sichergestellt sein, dass durch die Vorführungen niemand gestört oder beeinträchtigt wird. Beispielsweise auch dadurch, dass vor Beginn und nach dem Ende einer Vorstellung eine kleine Blechlawine durch die Gegend rollt. Neben den Corona-bedingten Hygieneregeln sind auch andere Auflagen wie das Offenhalten von Fluchtwegen oder Brandschutz einzuhalten. Und die Autoradio-Frequenzen für die Übertragung des Filmtons müssen bei der Bundesnetzagentur beantragt werden.

Und was ist mit Cola und Popcorn?

Auch auf diese und andere typischen Kinosnacks braucht der Filmfan in einigen größeren Autokinos nicht zu verzichten. Allerdings muss er diese in der Regel mit den Eintrittskarten vorbestellen und kann sie nicht zwischendurch mal eben an einem Kiosk kaufen. Nicht nur im Rhein-Main-Gebiet entstehen derzeit viele Autokinos. Deutschlandweit sorgt Corona derzeit für einen Boom der Autokinos. Ob dieser Boom anhalten wird, wenn die Corona-Krise eines Tages abgeklungen ist, dürfte aber fraglich sein. Moderne Kinos mit digitaler 3D-Technik und Surround-Sound können dann doch ein eindrucksvolleres Erlebnis bieten, als der Blick durch die Frontscheibe eines Autos. Aber die vielleicht nostalgische Stimmung in einem Autokino ist dessen Besuch sicher wert. Und auch früher war bei so manchen Besuchern eines Autokinos die Vorstellung auf der Leinwand eine Nebensache.

Das Autokino als Bühne

Die gerade überall entstehenden Autokinos erfüllen oft aber noch einen weiteren Zweck. Parallel zur Leinwand bauen die Betreiber oft auch Bühnen auf, auf denen Künstler auftreten können. Die Technik ist schließlich vorhanden, denn der Ton kommt wie auch bei den Filmen über das Radio. Aber es wird eben live gespielt. Angeboten werden Konzerte oder auch Comedy-Shows. Der beliebte Mannheimer Comedian Bülent Ceylan beispielsweise tourt derzeit durch die Autokinos der Region und der Republik.