Hitzfeld - ein großer Abschied nach einem großen Spiel

Mit Herzblut in die Verlängerung - der Schweiz hat auch die Herzform bei der Traineransprache kein Glück gebracht. Foto: dpa

Argentinien besiegt die Schweiz mit 1:0. Wie erwartet. Nach Verlängerung. Auch okay. Mit viel Glück. Fast wäre den Eidgenossen gegen die Gauchos eine Überraschung geglückt....

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. Von Björn-Christian Schüßler

Er gewann mit zwei unterschiedlichen Bundesligisten die Champions League, sammelte Titel um Titel in Deutschlands Elite-Liga und war auch zuvor in der Schweiz als Vereinstrainer erfolgreich. Die Rede ist, na klar, von Ottmar Hitzfeld. Jener, der trotz eines gerade mit dem Tod seines Bruders erlittenen Verlustes die Nati in das so bedeutsame WM-Achtelfinale gegen Argentinien führte, und dem man mit seinem tapfer kämpfenden Team mehr gewünscht hätte als ein 0:1 in der 118. Minute und einen Pfostentreffer in der Nach-Nach-Nachspielzeit.

Dabei hätte der 65-jährige Fußball-Lehrer der großen Albiceleste gern im Herbst seiner Trainerkarriere eine bittere Niederlage zugefügt, hätte die Überraschung mit den Eidgenossen gefeiert und Superstar Lionel Messi traurig gemacht - und insgeheim auch seinen Ex-Spielern aus München einen dicken Brocken aus dem Weg geräumt. Mit aller Kraft hatten sich die Schweizer mit einem bestens aufgelegten Schlussmann Diego Benaglio gegen die immer wieder anrennenden Argentinier gewehrt, aufopferungsvoll auch für ihren am Ende der WM scheidenden Trainer Hitzfeld gekämpft.

Niederlage schmeckt bitter

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Nun endete diese Weltmeisterschaft für den Erfolgstrainer und sein Team früher als erhofft. Obwohl, oder gerade weil man in der Vorrunde nach einer 2:5-Klatsche gegen Frankreich wieder aufgestanden war und sich seine Chance auf den großen Coup neu erarbeiten musste, schmeckt diese Niederlage bitter. Klar, die Gauchos waren unter dem Strich die aktivere Mannschaft mit den besseren Chancen. Doch erneut - wie schon in der Vorrunde - wurde offensichtlich, dass das Saballa-Team ohne ihren "Floh" Messi, ohne den kreativen Kopf mit den genialen Momenten, dem die Schweizer meist erfolgreich mindestens einen Spieler auf die Füße stellten, keinem Gegner den Angstschweiß ins Gesicht treibt. Umso erleichterter werden die Argentinier sein, dass Schiedsrichter Jonas Eriksson in der einen oder anderen nickeligen Szene den gelben Karton stecken ließ und Messi damit zumindest nun einer Gelb-Sperre im Verlauf des Turniers entgehen wird. Auch wenn Hitzfeld auch am Tag des Verlusts zu 100 Prozent für sein Team da war und sich nur mit viel Pech nach mehr als 125 Minuten als Achtelfinal-Verlierer aus Brasilien verabschieden musste, zeigte er Größe, gratulierte den Siegern und verabschiedete sich von seinen Spielern noch auf dem Platz. Mit aufmunterndem Nicken für eine tolle Leistung. Und sicher auch mit Wehmut.

Rücktritt bringt Zeit

Den nächsten Kampf der Argentinier gegen den Geheimfavoriten aus Belgien wird sich Ottmar Hitzfeld vermutlich vor dem Fernseher sitzend in seiner Heimat ansehen. Als Privatmann. Wenn überhaupt. Denn er - einer der erfolgreichsten Trainer der Fußball-Geschichte - trat in einem der bittersten Momente seiner Nationaltrainer-Laufbahn, wie angekündigt, sofort zurück. Und hat nun das, was er schon in seiner Dortmunder Zeit als eines der höchsten Güter ansah: Zeit. Für die Familie, für aufgeschobene Dinge - und für die Trauer um seinen großen Bruder.