Horst, der Heuler

Seehofer tummelt sich im Revier der heißen Hasen, Merkel nur beim TÜV. Und: Armer Sarkozy. Für Nic kommt’s knüppeldick.

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. Liebe Fluggäste, stellen Sie Ihre Rückenlehne senkrecht, klappen Sie die Tische nach oben, schlagen Sie die Hände vors Gesicht und weinen Sie bitterlich: Unser Anflug auf den neuen Berliner Flughafen verzögert sich um Monate. Unser Kapitän Klaus Wowereit, Käpt‘n Wowi, wie manche ihn nennen, hat sich mit unseren gesamten Wodka-Vorräten auf dem Klo eingeschlossen. Der Co-Pilot Matthias Platzeck, nach dem die beliebte Platzrunde benannt ist, spielt Schach mit unserem Bordcomputer. Das Ziel: aus der sizilianischen Eröffnung eine Berliner Eröffnung herzuleiten, Motto: Luca Brasi schläft jetzt unter der Startbahn.

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Es ist ja jetzt so, dass er uns doch irgendwie fehlen wird, unser kleiner französischer Freund, der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy. Er hat die Wahlen verloren. Was aber noch schlimmer für ihn ist, das konnte er am Mittwoch in deutschen Zeitungen lesen: Seine Ehefrau Carla Bruni, ein Ex-Model mit bewegtem Vorleben, hat erklärt, sie wolle nun "vor allem mehr Zeit" mit ihrem Nicolas verbringen. Also wirklich: Es kommt knüppeldick//für Nic. Dabei hatte er sich doch schon so schön mit unser aller Kanzlerin eingerichtet. Und in der wunderbaren "Süddeutschen Zeitung" war jetzt, ganz zum Schluss, das Erfolgsgeheimnis dieses Traumpaares zu erfahren: "Merkel mag den Typen, sagt einer, der es wissen dürfte, und zwar aus einem ziemlich guten Grund: Er hat sie zum Lachen gebracht."

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Geschätzte Kollegen, Freunde, Mitmachos: Vorsicht. Wie wir wissen, gibt es ganz unterschiedliche Szenarien, wann und warum Frauen wie lachen. Es gibt harmlose und weniger harmlose. Mehr brauchen wir an dieser Stelle wohl nicht zu sagen.

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A propos Merkel. 190.000 Kilometer auf dem Buckel, aber ohne Mängel durch den TÜV. Wie meinen? Leute! Also, die Rede ist vom ersten West-Auto der weiland aus der DDR gekommenen Nachwuchs-Politikerin. Den Golf ersteigerte jetzt für 10165,02 Euro ein gewisser Dirk Fricke. Er betreibt ein Unternehmen für Beleuchtungstechnik mit dem Namen "Frisch-Licht". Idealer Nährboden für die wüstesten Werbebotschaften. "Mit dieser Kanzlerin stehen Sie gern im Dunkeln." "Schalte rasch das Frisch-Licht ein//Merkel wird dir dankbar sein." Oder so.

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In der Wahlnacht tanzten der künftige französische Präsident Hollande und seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler auf dem Kirchplatz von Hollandes Heimatstadt Tulle, und ein Akkordeon spielte Edith Piafs "La vie en rose". Das ist das Lied, das auch Grace Jones sang. Die wurde berühmt durch den James Bond-Film "Im Angesicht des Todes" und durch die Werbung, in der sie sich anschickt, ein ganzes Auto in ihren Mund aufzunehmen. Ob Hollande daran dachte, als er "La vie en rose" hörte, und ob er gegebenenfalls Hochrechnungen anstellte, wie Merkel bei "La vie en rose" reagiert? Wir wissen es nicht.

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Und schon sind wir mitten drin. Horst Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, hatte über Facebook zu einer "Kennenlern-Party" eingeladen. Führte das letztes Mal nicht zu einem unehelichen Kind? Und was heißt das eigentlich, wenn die CSU zu einer Kennenlern-Party bittet? Ist das die gute alte Wirtshausschlägerei als Web-Version? G‘suffa 2.0? Rattenscharf auch die Location, in die der Seehofer einlud: die berühmte Münchner Disco P 1, auch "Oanser" (Einser) genannt, oder "Stüberl", sodass uns der Begriff "nicht ganz dicht im Oberstübchen" in neuem Licht erscheint. In jeder Geschichte über das P 1 steht, es sei "die härteste Tür Deutschlands". Wo wir doch immer dachten, die härteste Tür Deutschlands sei die Fünf-Prozent-Hürde für die FDP. In Wahrheit geht es aber darum, dass ins P 1 nicht jeder rein darf. Deswegen gibt es Türsteher, also Torhüter. Die ließen und lassen dann andere Torhüter wie Olli Kahn und ähnlich schöne und berühmte Menschen rein. Als Maßstab dafür, wer rein darf, kann die Aussage des Türstehers Damir Fister auf sueddeutsche.de gelten: "Zwei heiße Hasen durften immer rein, ein Scheißtyp mit zwei heißen Hasen auch, aber zwei Scheißtypen mit einem heißen Hasen, das ging nicht." Leute! D a s ist die Mathematik des wahren Lebens! Das muss künftig unbedingt der Maßstab auch bei der Bildung von Bundes- und Landesregierungen sein.

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Ein bisserl ein Problem bekam allerdings der Türsteher, der die Visitenkarte des Managers eines internationalen Großkonzerns zerriss und dabei die philosophischen Worte sprach: "Heul‘ doch, Du Wurst." An dieser Stelle wird uns dann klar, warum der Seehofer das P 1 auswählte, weil, da kann er dann auch der Merkel noch was beibringen. Wir stellen uns vor, Hollande kommt Merkel quer, weil er an Grace Jones denkt, sie knallt ihm eine und sagt: "Heul‘ doch, Du Wurst." Oder Röttgen kommt zu Mutti, weil er in NRW verloren hat, und so weiter. Blutwurst, Mettwurst, Heulwurst.

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Rein interessenhalber haben wir uns noch kurz auf "Fast Life, Munichs Lifestyle Portal" über das P 1 informiert und lesen: "Sehr witzig ist der gesamte Toilettenbereich, bei dem im Männer-WC Bäume zu finden sind. Bei den Frauen sind kleine Luken vorhanden, die man öffnen und schließen kann, um sich miteinander zu unterhalten." Hooorstt!!! Und wir dachten, das Leben könnte uns keine Überraschungen mehr bieten.