Ist’s dem General egal?

Der ADAC jammert über dunkle Parkhäuser. CIA und FBI aber wissen: Im Dunkeln ist gut Munkeln.

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. Treffen sich zwei Eckfahnen. Fragt die eine: "Bist Du beim Freundschaftsspiel gegen Holland dabei?" Sagt die andere: "Seh‘ ich aus wie ein Vollpfosten? Ich bin doch kein Tor!" Unsere niederländischen Freunde: kleine Sturmflauten-Goudas. Oder: Sogar bei Frau Antje ist man nicht gegen Nullnummern gefeit.

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In unflätiger Weise zog der ADAC über die Parkhäuser von Mannheim her, eine unserer Lieblingsstädte. Sehr gut abgeschnitten haben dagegen die Parkhäuser in Potsdam. Na gut. Aber wer fährt nach Potsdam? Man könnte auch argumentieren: Es gibt keine zu engen Parkhäuser, es gibt nur Leute, die nicht einparken können. Ansonsten hat es Mannheim nicht nötig, um Zustimmung zu betteln. Wer‘s dort nicht mal ins Parkhaus schafft, hat‘s nicht verdient. Wie schon der gebürtige Mannheimer Sepp Herberger zu sagen pflegte: "Mer hott‘s, oder mer hott‘s net."

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Man muss die Sache mit den Parkhäusern im ganz großen Zusammenhang sehen. Wenn der ADAC "enge Auffahrten" und "dunkle Treppenhäuser" beschreibt, dann erinnern wir Älteren uns natürlich sofort an den Watergate-Film, vor allem an die Szene, da der "Washington-Post"-Reporter Bob Woodward, gespielt von Robert Redford, nachts in einem Parkhaus wichtige Informationen von seiner Quelle "Deep Throat" bekommt. Wie meinen? Nein, das war nicht in Mannheim. Und, ja, "Deep Throat" war eine klare Anspielung auf die gleichnamige Mutter aller Pornofilme. Wie sich dann tatsächlich herausstellte, war "Deep Throat" der stellvertretende FBI-Direktor Mark Felt.

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Und da kann es doch jetzt einfach kein Zufall sein, dass ausgerechnet in den Tagen, an denen der ADAC die Geschichte mit den engen, dunklen Parkhäusern rausjagt, in den USA ein ganz dicker Hammer passiert, um es mal so zu sagen. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, David Petraeus, früher Vier-Sterne-General, hatte sich offenbar in einer Art Nahkampf verstrickt. Er hatte eine Liaison mit seiner Biografin Paula Broadwell. Die Begriffe "Generalverdacht" und "Vorneverteidigung" erscheinen da in anderem Licht. Und wer ermittelte fleißig, ob es vielleicht Geheimnisverrat gab? Natürlich das FBI! Womit der Begriff "Deep Throat" 40 Jahre nach Watergate wieder in ganz neuem Glanz erstrahlt. Wie gut, dass auch der neue James-Bond-Film angelaufen ist, das Gesamttableau weckt Erinnerungen an "Der Spion, der mich liebte" (1977).

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Interessant fanden wir, dass Paula, wie wir sie nennen, früher als Fotomodell für einen Maschinenpistolen-Hersteller arbeitete. "Friendly fire" bekommt da eine ganz eigene Bedeutung. Paulas Ehemann Scott ist von Beruf Radiologe, hatte aber bezüglich des Doppellebens seiner Frau offenbar doch nicht so den Röntgenblick, was die These bestätigt, dass man letztlich niemandem ins Herz und in den Kopf schauen kann. Nebenbei sind wir ein bisschen enttäuscht, denn der Name "Scott" hatte bei uns bisher immer einen guten Klang, seit "Raumschiff Enterprise": "Scotty, beam ihn hoch." Offenbar geht manchmal aber nix mehr in Sachen Hochbeamen.

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So, damit hätte die Geschichte zu Ende sein können und wir wären alle fröhlich nachhause gegangen. Aber nein, unsere amerikanischen Freunde finden wieder mal kein Ende. Es kommt nämlich noch eine zweite aushäusige Frau ins Spiel, Jill Kelley. Wie meinen? Nein, die hat überhaupt gar nichts mit der Kelly Family zu tun! Leute! Also. Damit die Sache schön ausgewogen bleibt, kommt auch noch ein zweiter General ins Spiel, John Allen. Jetzt hat das FBI alle Hände voll zu tun, um den ganzen E-Mail-Verkehr zwischen all diesen Turteltäubchen zu sortieren. Der Spion, der aus dem Laptop kam. Außerdem sollen auch so genannte tote Briefkästen benutzt worden sein; das sind heutzutage Mails, die nicht wirklich abgeschickt, sondern nur in den Entwürfen gespeichert werden, weiß der Teufel, wir sind froh, wenn wir unseren E-Mail-Kram mit "löschen" auf die Reihe kriegen. Aber gut, wahrscheinlich dachten sie sich: Lieber toter Briefkasten als tote Hose.

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Und Leute! Wir sagen euch eins: eine solche Story in einem Land, in dem die Ministerin des Äußersten Clinton heißt, Hillary Clinton! Und das FBI sucht und sucht und sucht. Und wenn irgendeines schönen Tages in einem toten oder quicklebendigen Briefkasten auch nur der Hauch eines Verdachts auf den Ehemann von Hillary fällt, Bill, the Thrill, wie wir ihn nennen. Dass er irgendwie mitgemischt hat. Wir hören ihn schon sagen: "Nein, ich hatte keinerlei sexuelle Beziehungen mit diesen Maschinenpistolen."

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Damit ist die Geschichte - fast könnten wir sie "Deep Throat Reloaded" nennen - aber immer noch nicht zu Ende. Denn: Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" entnehmen wir, dass Willi Lemkes Computer-Passwort geknackt wurde und irgendwelche Gangster unter seinem Namen Bettelbriefe an seine Bekannten schickten. Willi Lemke ist UN-Sonderberater für Sport, Aufsichtsratschef und früherer Manager von Werder Bremen. Er ist - wichtiger- auch der Onkel der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne)! Und: Onkel Willi hatte sich in den siebziger Jahren mal als freier Mitarbeiter des KGB anheuern lassen!

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Fazit: Der KGB hackt Onkel Willis E-Mails just in der Woche, da der Werder-Manager Klaus Allofs zum VfL Wolfsburg überläuft, der CIA-Chef über Weibergeschichten stürzt und die Pächter des Nürburgrings ("Grüne Hölle") erklären, es gebe am Ring vielleicht keine Formel Eins mehr. Leute! Das ist nicht nur, wie normal bei uns, dass mal wieder alles mit allem zusammenhängt. Das ist eine glatte Weltverschwörung! Wie genau, das wissen wir allerdings auch noch nicht.