Laufwunder Südkorea noch nicht in Tritt

Son ist ein Aktivposten im südkoreanischen Spiel. Foto: dpa

Und er läuft, und er läuft, und er läuft, und er läuft, und er läuft - dieser Gedankengang trifft auf annähernd jeden Nationalspieler Südkoreas zu. WM-Erfolge durch...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Südkorea gilt als Laufwunder unter allen WM-Teilnehmern. Seit 1986 waren die fleißigen Kicker bei allen Endrunden dabei, rissen schon damals eifrig Kilometer ab. Während das Team um Starstürmer Cha Bum-kun in Mexiko noch weitestgehend hinter den Gegenspielern herlief, gehörte Südkorea beim letzten WM-Turnier 2010 in Südafrika zu den Teams mit dem größten Laufpensum.

Genutzt hat den sympathischen Asiaten die Taktik der weiten Wege allerdings meist wenig. Außer beim Heimturnier 2002 mit Platz vier gelang Südkorea nie der ganz große Wurf.

Rekordspieler als Trainer

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In Brasilien sollte dieser Knoten nun eigentlich platzen, zumal mit Hong Myung-bo seit 2013 der Rekordnationalspieler mit 136 Länderspielen auf der Trainerbank sitzt und seinen Jungs das Siegergen eingeimpft haben will, nachdem er 2012 bereits das Olympiateam zur Bronzemedaille geführt hat. Hatten vorherige Trainer zur WM gern Spieler aus nationalen Teams um ein paar Stars formiert, setzt der Coach diesmal auf Auslandserfahrung. 17 des 23-Mann-Kaders verdienen ihr Geld im Ausland, immerhin fünf Spieler in Deutschland.

Und so ist es kaum verwunderlich, dass mit Hong (Augsburg), Koo (Mainz) und Son (Leverkusen) alle drei eingesetzten Bundesliga-Legionäre eher zu den belebenden Elementen des südkoreanischen Spiels gegen die starken Russen gehörten.

"Nur das Achtelfinale zählt"

Unentschieden zu spielen reicht Trainer Hong Myung-bo allerdings nicht aus. "In dieser Gruppe müssen zählbare Erfolge herausspringen", setzte der 45-Jährige, der 1990 bis 2002 selbst zum Kader gehörte, seine Spieler schon vor Beginn der Vorrunde gehörig unter Druck. "Nur das Achtelfinale zählt", betonte auch Lee Keun-ho, einer der dienstältesten im aktuellen WM-Kader, der gegen Russland eingewechselt worden war und das zwischenzeitliche Führungstor erzielte.

Vor allem mit Belgien, gegen das Südkorea bei einer WM-Endrunde noch nie gewinnen konnte, haben die Taegeuk Warriors, wie die Südkoreaner in ihrer Heimat genannt werden, mehr als eine Rechnung offen. In den bisherigen beiden WM-Duellen 1990 und 1998 glänzte stets der Benelux-Staat, besonders bitte war das Duell 1990, als Südkorea nach dem 0:2 gegen Belgien ohne Punkt und Tor die Heimreise antreten musste.

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Auch wenn den Südkoreanern gegen Russland noch viel für ein erfolgreiches Turnier fehlte, so soll sich das Team gegen Außenseiter Algerien für das große Duell gegen Belgien einschießen. Gegen die Osteuropäer kam das viel beschworene Laufwunder noch nicht richtig in Tritt.

Am nächsten Spieltag widmen wir uns Kamerun und Mexiko.