Lieber Bellen als Schießen

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer (rechts) gratuliert Alexander Van der Bellen zum knappen Sieg bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Foto: dpa

Die FPÖ hat die Grenzen in Österreich nicht rechtzeitig zugekriegt, sodass jetzt jemand mit russisch-holländischem Migrationshintergrund Bundespräsident wird. Für Frauke...

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. Wahrscheinlich ist es jetzt so, dass die FPÖ zutiefst bedauert, dass die Grenzen nicht schon viel früher dichtgemacht wurden. Ganz viel früher. Denn der Vater des zukünftigen österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen war Russe mit niederländischen Wurzeln. Oder, wie Rassisten sagen: Da schau her, die kleinen Wodka-Goudas. Außerdem machen die holländischen Wurzeln einiges klar. Van der Bellen hat den FPÖ-Kandidaten Hofer erst auf den allerletzten Drücker besiegt. Und wir alle wissen doch: Frau Antje läuft vor allem im Finish immer zu enormer Form auf.

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Auch sprachlich hängt mal wieder alles mit allem zusammen. Denn das niederländische „bellen“ heißt ungefähr: klingeln. Wenn der Postmann zweimal klingelt: eindeutiger Hinweis auf die Briefwähler, denn erst die haben Van der Bellen den Sieg beschert. Das Auszählen hat deshalb länger gedauert, führte dann glücklicherweise aber letztlich dazu, dass, wenn wir mal an die Boxersprache denken, nicht ganz Österreich ausgezählt wurde. Allerdings beanspruchte die ganze Wahlprozedur einen Tag mehr. Aber was ist schon ein Tag, beispielsweise im Vergleich zu einem „tausendjährigen Reich“, das auf diese Weise womöglich verhindert wurde?

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A propos Bundespräsident. Weinend vor Freude lesen wir in „Bild am Sonntag“ (BamS), dass sich Christian und Bettina Wulff in Großburgwedel in Niedersachsen einen tausend Quadratmeter großen Bauplatz gekauft haben, für 250 000 Euro. Wie meinen? Ob Maschmeyer gebürgt hat? Leute, reißt Euch zusammen! Also. Wahrscheinlich ist einfach Bettinas Bausparvertrag zuteilungsreif geworden. Außerdem: Vor drei Jahren, als sie vorübergehend getrennt waren, verkauften die Wulffs das berühmte Klinkerhaus, das nur wenige Straßen entfernt von dem neuen Bauplatz liegt, für 650 000 Euro an eine Imbissunternehmerin, wie die BamS schreibt. Ob in dem Kaufpreis auch das Bobbycar und der Gardena-Gartenschlauch enthalten sind, beides – wir Älteren erinnern uns – im Zuge der Wulff-Affäre zu erheblicher Berühmtheit gelangt? Wir wissen es nicht und stehen insofern auf dem Schlauch. In dem Klinkerbau sei aber auf jeden Fall ein „Panikraum“ gewesen, das hat BamS dann doch noch knallhart recherchiert. Panikraum, nun, Christian Wulffs große Mu..., Pardon, große Förderin Angela Merkel kennt das aus ihrem Bundeskanzleramt, da nennen sie es Kabinettssaal. Könnte aber auch sein, dass sich die Wulffs ihren privaten Panikraum ganz kuschelig eingerichtet hatten und auf dem Laptop immer mal wieder nachgeschaut haben, ob denn der Algorithmus wieder zugeschlagen hatte und merkwürdige Begriffe anbot, wenn man bei Google „Bettina Wulff“ eingab. Egal, der Käuferin des Hauses, laut BamS wie gesagt eine Imbissunternehmerin, kann das Wurst sein.

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Wir wissen nicht, ob die AfD flächendeckend Panikräume, oder wie auch immer sie das dann nennt, errichten will, wenn sie an die Regierung kommt. Diese Woche jedenfalls gab es in einem Berliner Hotel ein Gespräch zwischen Vertretern der AfD, an ihrer Spitze Frauke Petry, mit dem Zentralrat der Muslime (ZMD). Im Vorfeld hatte es die Lügenpresse unterlassen, gehässige Gerüchte zu streuen, nämlich, dass Frauke Petry vollverschleiert erscheinen werde, um den ZMD zu provozieren. So weit kam es nicht. Nach nur einer knappen Stunde verkündete die AfD-Delegation den Abbruch der Gespräche. Nicht wirklich eine Überraschung im Blick auf Frauke Petry; in der Weinsprache würde man formulieren: immer ein bisschen herb im Abgang. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

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Immerhin hatte es Menschenrechtler schon ein bisschen beruhigt, dass das Treffen nicht im Hotel Adlon unmittelbar am Brandenburger Tor stattfand, wo früher ja die Grenzmauer verlief. Hatten doch Petry und ihre Mitaktivistin Beatrix von Storch kürzlich den Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an Grenzen für zulässig erklärt. Man stelle sich vor, der österreichische Bundespräsident mit seinem Migrationshintergrund kommt zum Brandenburger Tor und stößt auf eine AfD-Patrouille, angeführt von Storch und Petry! Zumal Petry nach dem Treffen mit dem ZMD im Hotel sagte: „Wir lieben Deutschland.“ Klar, die Erich-Mielke-Nummer, damals, nach der Wende in der Volkskammer: „Ich liebe doch alle Menschen.“ Wir wollen aber nicht von Frauke Petry geliebt werden, ob sie das im Hotel sagt oder sonstwo. Höchstens kann sie uns mal gernhaben, bieten wir an, weil, wir sind ja keine Unmenschen.