Lieber gekochte Eier als heiße Bräute

Rainer Brüderle: Archivfoto: dpa

Von der Leyen überlegt, ob sie beim beliebten Ostereierschießen gehemmte Gewehre oder wasserscheue Hubschrauber einsetzt. Derweil soll Brüderle mal wieder die FDP retten.

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. Unsere wunderbaren Freunde von der FDP haben neuerdings überhaupt kein Problem mit der Fünf-Prozent-Hürde. 23 Prozent, in Worten: dreiundzwanzig, das ist jetzt die liberale Messlatte. 23 Prozent oder zehn Millionen Mäuse weniger als 2009 hat die FDP 2013 eingenommen, so lesen wir. Gut, es kamen immerhin noch 33,3 Millionen in die Kasse, schreibt Spiegel Online. Das ist manch einem sein ganzes Geld. Ausgegeben hat die FDP aber 37,8 Millionen. Man kann das in der liberalen Marktwirtschaft ein paarmal machen, dass man von 4,5 Millionen Miesen ganz anständig lebt. Aber nicht so arg oft.

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Also, woher nehmen und nicht stehlen? Die FDP könnte zum Beispiel wieder mehr Wählerstimmen holen, dann gäbe es mehr Wahlkampfkostenerstattung. Das ist der Partei aber wahrscheinlich zu banal. Viel lieber würde sie sicher am Sonntag zum verschärften Eiersuchen blasen und die besonders dicken an der Börse verscherbeln. Ist aber vielleicht nicht so ganz das Gelbe. Tatsächlich, kein Scherz, denken die Liberalen daran, von ihren Mitgliedern eine Sonderabgabe zu verlangen. Das birgt Gefahren. Wenn sich das rumspricht, sagt der FDP-Schatzmeister eines Tages plötzlich: "Mitglieder? Welche Mitglieder??"

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Aber es gilt der alte Liberalen-Satz: Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der Rainer her. Brüderle ist jetzt Vorstandschef des rheinland-pfälzischen Steuerzahlerbundes. Ein cooler Coup. Raffiniert! Böse Zungen behaupten, es würden sich nun Wege finden, die FDP zu retten. Zunächst einmal stellt die Partei einen Aufnahmeantrag in die EU und schlüpft unter einen Rettungsschirm, der bislang für die Griechen reserviert war. Sorry, Athen, aber das war‘s dann für euch. Sodann wird der rheinland-pfälzische Steuerzahlerbund beantragen, die sogenannte kalte Progression in der Einkommensteuer nicht nur beizubehalten, sondern sie sogar in eine eiskalte Progression zu verwandeln, Geld, das dann der notleidenden FDP zugeführt wird, sogenanntes Brüderle-Bimbes. Als allerletztes Mittel wird auch noch erwogen, das Dirndl, von dem Brüderle gesagt hat, die "Stern"-Reporterin Laura Himmelreich könnte es gut ausfüllen, zugunsten der FDP-Kasse zu versteigern. Wie meinen? Nein, nur das Dirndl, ungefüllt! Ja, wir wissen, dass zum Beispiel Kräppel mehr einbringen, wenn sie gefüllt sind, aber das hier ist was anderes.

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Die phantastischste Überschrift der Woche lesen wir bei Spiegel Online: "Betrunkener versucht, Schlauchboot wiederzubeleben." Aha, dachten wir, feuilletonistisch verfremdet eine sehr schöne Umschreibung der Bemühungen der EU, Griechenland finanziell am Leben zu erhalten. Falsch. Na, so vermuteten wir, dann geht‘s bestimmt um die Bundeswehr. Da war ja vor einigen Wochen die Rede davon, dass Marinehubschrauber lieber nicht überm offenen Meer fliegen sollten. Da muss man dann natürlich umso mehr darauf achten, dass wenigstens die Schlauchboote gut in Schuss sind.

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Apropos Schuss, da sind wir dann bei einem wirklich erschütternden Thema. Am Dienstag tobte ja ein schwerer Sturm über Deutschland, die einzige, die sich freute, war die Bahn: wenigstens einen Tag lang eine super Ausrede. Aber mit Blick auf unsere Freunde von der Bundeswehr dachten wir: Ein Sturm - wann sollte sich ein Sturmgewehr bewähren, wenn nicht dann? Aber entsetzt lesen wir in der Süddeutschen Zeitung (SZ): Ursula von der Leyen hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Frauen sind halt von Natur aus neugierig, und das haben wir jetzt davon: Laut Untersuchungsergebnis hat das Sturmgewehr G 36 "ein Präzisionsproblem im heißgeschossenen Zustand." Angesichts der Tatsache, dass das Gewehr von jeher als Braut des Soldaten gilt, führt das zu ganz neuen Überlegungen. Außerdem haben wir uns schon länger gedacht, dass "Heißschießen" Ärger macht; Warmschießen von Torhütern kennt man, aber der Olli Kahn hat dann immer rechtzeitig gesagt, wann Schluss ist. Das Verteidigungsministerium will laut SZ nun "konkrete Vorgaben für die Soldaten erlassen, wie diese künftig mit dem Gewehr umgehen sollen." Nämlich vorsichtig. Wir empfehlen: Eisbeutel zum Kühlen. Alternative: Da bekannt ist, dass sich das G 36 gut auseinanderbauen lässt, könnte man auch empfehlen, genau dies zu tun und dann mit dem Gewehrkolben nach dem Taliban zu werfen. Das wird ihn stark beeindrucken, den Taliban. Immerhin tröstlich beim Thema Ersatzbeschaffung: Für ein G 36 muss das Ministerium bislang 2.000 Euro bezahlen. Im Frankfurter Bahnhofsviertel gibt‘s für den Preis schon was Ordentliches.