Nowitzki rolliert nicht

Merkel sammelt Ideen bei den Bürgern. Wer die beste hat, wird Bundespräsident. Oder so ähnlich.

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. Die Grünen-Politikerin Christine Scheel ist jetzt beim Energieversorger HSE. Also in der Wirtschaft. Seit dieser Woche. Der CDU-Politiker Christian Wulff nicht.

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Die ganze Sache belastet natürlich auch Staatsanwälte mental über die Maßen. Die sitzen abends vor ihrem Fernseher und schauen den Werbespot mit dem Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Der macht Werbung für eine Bank, einen rollierenden Geldmarktkredit braucht er aber wahrscheinlich nicht. Der Werbespot geht so: Dirk, geboren in Würzburg, steht in der Metzgerei seiner Kindheit, bekommt wie damals eine Scheibe Wurst und zitiert lachend, was die Metzgersfrau damals immer gesagt hat: "Damit er groß und stark wird." Das hat der Partykönig Schmidt vielleicht auch gesagt, ehe er Christian Wulff zum ersten Mal zu einer seiner Partys einlud. Dennoch vermuten wir: Deutschlands Staatsanwälte sind so verunsichert, dass sie wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme eher gegen Nowitzki ermitteln als gegen Wulff. Die Metzgersfrau wäre dann wegen Vorteilsgewährung dran. Nur der Wurst ist das Wurst, sie ist fein raus.

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In Aachen wurde der Karnevalsorden "Wider den tierischen Ernst" an den Kabarettisten Otti Fischer vergeben. Der Ordensritter des Vorjahres muss immer die Laudatio halten, das war 2011 Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, der schickte aber damals und auch jetzt seinen kleinen Bruder. Der heißt Philipp. Wie meinen? Ja, Philipp, wie Rösler.

W o r a n soll uns das erinnern? Dass der Brüderle ja jetzt auch immer seinen kleinen Rösler schickt? Ob uns da das Begriffspaar Brüderle - Philipp in ganz neuem Licht erscheint? Mental quasi Brüderles Brüderle? Die Forderung "Jedem sein Brüderle" ins Grundgesetz? Leute, ihr habt vielleicht eine Phantasie! Die Aachener Sitzung in Sachen Guttenberg/Fischer war übrigens am Samstag, wurde aber erst am Montag im Fernsehen gezeigt. Aber vielleicht waren Raubkopien unterwegs.

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Es erreichte uns eine Mail von Herrn F. aus W.; er nimmt Bezug darauf, dass wir kürzlich persiflierten, dass Österreich bei der Racheagentur "Ständige Armut" (standard & poor‘s) das dritte "A" verlor, was kein Wunder sei, so schrieben wir, wenn man sehe, dass in Österreich die Straßenbahn "Bim" genannt wird. Herr F. schreibt nun, dass "Kommentatoren Ihres Schlages etwas weniger Überheblichkeit gegenüber meinem Heimatland nicht schaden würde". Lieber Herr F. aus W., Asche auf unser Haupt. Allerdings müssen wir zu bedenken geben, dass Überheblichkeit, genauer gesagt: Arroganz ein ganz wesentliches unserer Alleinstellungsmerkmale ist, für das wir - wenn auch miserabel - bezahlt werden. Also bitten wir um Gnade, denn irgendwie müssen wir ja die Miete bezahlen.

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Viel wichtiger aber: Im Grunde war das doch zuneigungsvoll gemeint! Was sich liebt, das neckt sich. Wie könnten wir, dem Fußballsport innig verbunden, einem Land gram sein, das Trainer wie Max Merkel und Ernst Happel hervorgebracht hat? Merkel, dem die Mutter aller taktischen Anweisungen zugeschrieben wird: "Spuilt‘s, g‘winnt‘s, und nacha trink ma a Sekterl!"? Und der als Trainer beim Deutschen Fußballmeister TSV 1860 München die Alkoholiker gegen die Abstinenzler spielen ließ, und als erstere 6:0 gewannen, resignierend sagte: "Sauft‘s halt weiter!"? Oder Happel, das Kommunikations-Genie, das einen Spieler, der Gesprächsbedarf anmeldete, so beschied: "Wann‘s reden wollt‘s, müsst‘s Staubsaugervertreter werden"! Wir vermuten, Happel hat den Begriff "Bim" für die Straßenbahn erfunden. Wir sind mit ganzem Herzen bei Österreich. Tu, felix Austria, Bim!

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Unser aller Kanzlerin, so teilt die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit, will über das Internet Bürger-Ideen zu Zukunftsfragen Deutschlands sammeln. Mit den Autoren der zehn besten Ideen will Merkel persönlich diskutieren, sagt dpa. Der Autor mit der besten Idee wird dann Bundespräsident, schlagen wir vor. Überhaupt: Facebook geht an die Börse. Warum geht die Bundesregierung nicht an die Börse? Facebook ist angeblich 100 Milliarden wert. Wenn die Regierungen von, sagen wir mal: Deutschland, Frankreich und vor allem Österreich an die Börse gehen - dann wird der Euro-Rettungsschirm cash aus der Portokasse bezahlt, oder?

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A propos Portokasse. Da war da noch dieser Auktionator. Der taxierte einen Teppich auf 900 Euro, kurz darauf wurde das gute Stück dann für 19.700 Euro versteigert, wenige Monate später im Auktionshaus Christie‘s aber für 7,2 Millionen. Dass der Teppich zunächst, wenn auch nur knapp, unterschätzt wurde, ist erstaunlich: schließlich befand er sich mal im Besitz der Comtesse de Béhague (1870 - 1939); das war rhetorisch doch schon der rote Teppich für das Attribut "behaglich", mithin ein klares Indiz für "wertvoll"!

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Was lernen wir daraus? Man sollte auf Dingen - und Personen - nicht unsensibel herumtrampeln, weil: ruckzuck verwandelt sich der letzte Fußabtreter in goldene Wasserhähne beziehungsweise in einen Minister. Wir vermuten allerdings, dass es noch einen anderen Grund für die exorbitante Wertsteigerung des Teppichs gab: Plötzlich stellte sich heraus, dass er fliegen kann, und zwar ohne jedweden Fluglärm! Nun geht das Gerücht, Fraport habe ein Angebot von 720 Millionen Euro für den Teppich abgegeben.