Rehberg: Abstiegskampf ist eine Chance für Mainz 05

Die 05er haben nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Foto: Guido Schiek

Mainz 05 steckt im Abstiegskampf. Nur noch drei Zähler trennen den FSV vom Relegationsplatz. Kein Grund zur Panik, findet zumindest Blogger Reinhard Rehberg. Der Abstiegskampf...

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. Die 05er stecken im Abstiegskampf. Damit ist das ausgesprochen – wonach sich der ein oder andere Anhänger womöglich schon lange sehnt. Endlich mal wieder etwas los in Mainz. Nervenkitzel. Spannung. Zusammenhalt. Zittern, glauben, kämpfen. Eine Stadt wächst zusammen zu einer Nichtabstiegsgemeinschaft. Eine Saison mit dramatischen letzten Wochen. Und am Ende, so ist das am Bruchweg überliefert, steht die Rettung. Und die wird nicht minder ausgelassen gefeiert wie ein Aufstieg.

Schaut man genauer hin, dann steht diese Atmosphäre für die alten Zweitligazeiten. In der Bundesliga? Da sind die 05er im Jahr 2007 unter Jürgen Klopp nach einer irreparabel schwachen Hinrunde mal abgestiegen. In den restlichen Erstliga-Spielzeiten? Da gab es die ein oder andere etwas ungemütlichere Situation, nennen wir es ein leicht nervöses Anzittern. Zu einem Heldenkapitel in den Geschichtsbüchern hat das nie gereicht. In der Abstiegskampfkonferenz am letzten Spieltag waren die Mainzer nie vertreten.

1995/96 hatte dieser Klub als Zweitligist mal sechs Spieltage vor Schluss fünf Punkte Rückstand zum berühmten rettenden Ufer. Dazu kam die mit Abstand schlechteste Tordifferenz. Die Elf von Wolfgang Frank beendete diese legendäre Abstiegskampfsaison noch auf Rang elf. Als beste Rückrundenmannschaft.

Und heute? Der Abstand zu einem direkten Abstiegsplatz beträgt satte zehn Punkte. Der Relegationsrang, der zwei nervenaufreibende Ausscheidungsspiele gegen den Zweitligadritten beschert, ist nur noch drei Zähler entfernt. Das ist wenig. Und gegen Union Berlin oder Eintracht Braunschweig möchten gerade die 05er nicht unbedingt gerne antreten in einem Finale mit Hin- und Rückspiel. Aber Panik muss deshalb jetzt nicht ausbrechen. Mit Weder Bremen, dem VfL Wolfsburg und dem FC Augsburg gibt es Konkurrenten, die neben dem Hamburger SV auch noch weniger Punkte auf dem Konto haben als die Mainzer. Wir reden hier nicht von einem Kindergeburtstag. Aber wir reden auch nicht von einer die Existenz dieses Klubs bedrohenden Notlage. Zumal eben an diesem Relegationsrang ein mit Schwimmwesten ausgestattetes Rettungsboot hängt.

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Was braucht es in dieser Situation? Sicher keinen Machtkampf auf der Führungsetage. Das ist neu in Mainz. Das war aber unumgänglich nach eineinhalb Jahren, die von einer selbstherrlichen Ein-Mann-Strategie geprägt waren. Zu vermeiden ist eine Trainerdiskussion. Natürlich trägt Martin Schmidt die Verantwortung für das sportliche Geschehen. Diese Mannschaft zeigt keine positive Entwicklung auf. Die Auswärtsschwäche ist alarmierend. Zu viele läppische Gegentore nach Standards und die eindimensionale Offensivstrategie bieten in dieser Rückrunde auch keine Verlässlichkeit in den Heimspielen.

Auf der anderen Seite gibt es keine Anzeichen dafür, dass diese Mannschaft komplett auseinanderbrechen könnte. Auf eines sollte man sich allerdings nicht verlassen: Dass dieser Kader individuell zu gut aufgestellt wäre für ein Abrutschen auf den drittletzten Platz. Wenn es eng wird, wenn die Nerven eine Rolle spielen, dann kommt es mehr auf das Kollektiv an, auf den Gemeinschaftssinn. Manager, Spieler, Trainer und das gesamte Funktionsteam müssen eng zusammenstehen. Das schließt nicht aus, Fehlentwicklungen sehr deutlich anzusprechen. Aber in den Problemlösungen ist Einigkeit das Gebot der Stunde.

In einer Abstiegskampfphase, auch das lehrt die Erfahrung, darf es bei den Profis keinen Spielraum geben in der Bereitschaft, emotional und physisch alles zu investieren, was Körper und Geist hergeben. Aber wir wissen auch: Nur mit Kampf funktioniert es selten. In der Bundesliga überhaupt nicht. Der Weg zu den nötigen Ergebnissen führt über Leistung. Taktische und spielerische Qualität gepaart mit Physis, Leidenschaft und Teamgeist. Darum geht es.

Diese angespannte Situation bietet durchaus eine Chance. Ab sofort hat diese Saison ein klar formuliertes Ziel: Das ist der Verbleib in der Eliteliga. Jetzt kann in Mainz wieder etwas zusammenwachsen. Jetzt kann sich in der Opel Arena und in dieser Stadt wieder eine Atmosphäre aufbauen, in der alle mithelfen, den Waggon aufs richtige Gleis zu stellen. Das Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den FC Schalke 04 mit der Rückkehr des 25-Jahre-Managers Christian Heidel bietet den geeigneten Anlass für ein Aufbruchsignal.

Der Bruchweg war mal ein Institut für angewandte Nichtabstiegswissenschaften. Das hat sich in das kollektive Gedächtnis dieses Klubs eingebrannt. Diese Erfahrung und diese Emotionen gilt es ab sofort zu aktivieren. In Problemen zu baden, maximale Negativszenarien herauf zu beschwören, darin steckt kein Mehrwert. Was bisher passiert ist in dieser ungewohnten Drei-Wettbewerbe-Spielzeit, das lässt sich nicht mehr beeinflussen. Aber das nächste Spiel. Und die nächsten Wochen bis zum Finale am 20. Mai in Köln. Und wenn die 05er an diesem Tag und an diesem Ort nicht in der Abstiegskampfkonferenz auftauchen, dann ist der große Auftrag erledigt. Ein Anhaltspunkt: Vier Siege aus neun Spielen sollten genügen, um entspannt nach Köln fahren zu können. Ein Selbstläufer ist das nicht mit den Aufgaben gegen S04, in Ingolstadt, gegen RB Leipzig, in Freiburg, gegen Hertha BSC, in München, gegen Mönchengladbach, in Hamburg und gegen die Eintracht.